Münster trauert um einen seiner
letzten echten Kultwirte

Franz Renfert betrieb die Hölt`ne Sluse

Text: GUIDO KLEINEHEILMANN Fotos: MICHAEL LEMMERHIRT

Münster - Keine Leuchtreklame für Gaststätte oder Biermarke. Keine Wegweiser, die schon Kilometer vorher zum Besuch auffordern. Nur ein kleines Schild über der Tür, eine Speisekarte daneben. Mehr braucht das alte Bauernhaus am Max-Klemens-Kanal nicht, um sich als Lokal auszuweisen. Was zählt, ist der Blick hinter die Tür. Denn dort ist dem Besucher nach Sekundenbruchteilen klar: Die „Hölt’ne Schluse“ ist ein wie aus der Zeit gefallenes Stück urwüchsiges Westfalen.

Betrieben von Franz Renfert, der jetzt im Alter von 85 Jahren verstorben ist. In unserer Februarausgabe 2013 haben wir den Wirt und seine kultige Kneipe unter dem Titel "Die letzte Kneipe" ausführlich vorgestellt. Hier findet Ihr den damaligen Artikel nochmals im Original.

Und das seit 136 Jahren! Eine der letzten Kneipen vom ganz alten Schlag. In diesem Kleinod vor den Toren Münsters saugen die Sinne sofort alles auf: Die Augen werden vom gedämpften Flackerlicht eines offenen Herd-Feuers empfangen, sehen rustikale Eichenholzmöbel, Holzdrucke, historische Fotos und Maschinen an den Wänden. In die Nase steigt der wohlige Duft von brennendem Buchenholz und geräuchertem Schinken. Und ins Ohr dringt mit hoher Wahrscheinlichkeit das ein oder andere Wort in Münsterländer Platt. Gesprochen vom Eigentümer höchstselbst: Franz Renfert, 78. 

 

Sein Großvater baute das Haus an die jetzige Stelle, das war 1876. Doch schon im 18. Jahrhundert, als der Kanal gebaut wurde, sollen viele Arbeiter abends auf dem Hof der Familie Renfert eingekehrt sein. Wartende Schifffahrer und benachbarte Bauern führten diese Tradition fort. Daher kommt auch der Name „Hölt’ne Schluse“ (bis ca. 1900 „Sluse“). Das ist Plattdeutsch und bedeutet „Hölzerne  Schleuse“. Diese Schleuse auf dem Max-Klemens-Kanal befand sich in unmittelbarer Nähe der Gaststätte. Sie war aus Sparsamkeit aus Holz gebaut und fasste immer nur ein Schiff, was zu langen Wartezeiten und eben dem ein oder anderen Aufenthalt im nahe gelegenen Bauernhaus geführt haben mag.

 

Und Franz Renfert scheint jede einzelne Geschichte aus diesen fast 300 Jahren zu kennen. Anekdote um Anekdote reihen sich aneinander, von Professor Landois, der hier einkehrte, über die Zechenbarone aus dem Ruhrpott,  die zum Jagen das gesamte Haus samt 55 Hektar Umland mieteten – vor dem Ersten Weltkrieg, versteht sich, bis hin zu ganz alltäglichen „Dönekes“. 

Soviel Historie wird nur von einem getoppt: dem wohl besten Schinkenbrot der Welt. Hausgeräucherter westfälischer Knochenschinken auf selbstgebackenem Brot. Dazu ein frisches Pinkus. Mehr Münsterland geht nicht.