Fassungsloser Bischof
schmeißt Priester raus

Skandal um die Missbrauchspredigt in Heilig Geist

Münster - Im Skandal um die Predigt von Pfarrer Zurkuhlen greift Bischof Genn jetzt durch. Er verbietet ihm jede seelsorgerische Tätigkeit und kürzt ihm die Bezüge.

Ende Juni hatte der emeritierte Pfarrer in der Heilig-Geist-Kirche in Münster über das Thema „Vergebung“ gepredigt und dabei auch Aussagen zur Vergebung für die Täter sexuellen Missbrauchs gemacht. Erboster Protest der Gemeinde war die Folge, ebenso ein großes überregionales Medienecho. Erst am Montag hatten sich Gemeindemitglieder zur Aussprache getroffen - ohne Pfarrer Zurkuhlen, der sich stattdessen u.a. im Fernsehen äußerte.

Schlimme Verharmlosung

Laut Genn habe der Gesprächsabend gezeigt, dass der Pfarrer eben nicht nur missverstanden worden sei. Genn: „Ich zitiere im Folgenden bewusst wörtlich: So spricht er über die Opfer und sagt, dass er sich wundert, „dass sie so lange damit gewartet haben“ – mit „damit“ meint er offenbar das Gehen an die Öffentlichkeit. Weiter führt er aus: „Wenn Kinder wirklich so etwas Schreckliches erlebt haben bei einem Jugendkaplan, warum gingen sie immer wieder dahin, hinterher?“ Das bekräftigt er noch einmal, wenn er auf Nachfrage sagt: „Ich meine eben, wenn die Kinder immer wieder dahin gingen, hatten sie ja offenbar auch ein positives Verhältnis zu dem Mann, finde ich, sonst würden sie ja nicht hingehen.“ Und generell vertritt er im Blick auf den sexuellen Missbrauch die Auffassung, „dass es vielleicht nicht so tragisch für die Kinder war.“ 

Genn ist fassungslos

Das brachte für den Bischof das Fass zum Überlaufen: „Sie sehen mich hier heute wirklich fassungslos“, sagte Genn. Mit diesen Äußerungen verhöhne der Priester die Betroffenen – er schlage ihnen mitten ins Gesicht. Und seine Aussagen stünden im absoluten Widerspruch zu der Haltung, die uns im Umgang mit sexuellem Missbrauch prägen müsse: „Alles, was wir tun, muss sich daran messen lassen, dass im Mittelpunkt die Perspektive der Betroffenen steht. Es geht jetzt nicht um Vergebung für die Täter, sondern um Gerechtigkeit – soweit das überhaupt und ansatzweise möglich ist – für die Opfer. Nulltoleranz gegenüber dem Verbrechen sexuellen Missbrauchs heißt für mich auch Nulltoleranz gegenüber solchen unsäglichen Äußerungen, wie sie der Priester getätigt hat.“

Sofortiger Ruhestand

Bischof Genn verbot Zurkuhlen deshalb, sich weiterhin in dieser Sache zu äußern, sei es schriftlich oder mündlich, außerdem jeglichen Dienst als Seelsorger, die öffentliche Zelebration und Predigt. Außerdem wurde ihm die Beichtvollmacht entzogen. „Ich erwarte von ihm eine glaubhafte schriftliche Entschuldigung gegenüber den Betroffenen, gegenüber der Gemeinde, gegenüber all den Menschen, die er verletzt hat. Mit dem heutigen Tag habe ich Pfarrer Zurkuhlen in den Ruhestand versetzt und die Bezüge gekürzt. All dies bedeutet, das Pfarrer Zurkuhlen nicht mehr als Seelsorger tätig sein kann und darf. Wenn einer meiner Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen solche Thesen vertritt, kann er nicht weiterhin im Dienst bleiben."