Als die Preußen in die 2. Liga stürmten...

MÜNSTER! Classics: Vor 30 Jahren feierte ganz Münster den Aufstieg

Münster - Manche Spieler wechseln die Trikots häufiger als Bäume ihre Blätter. Auch Trainer kommen und gehen. Doch wenn einer von ihnen im schnelllebigen Fußballgeschäft fast ein Vierteljahrhundert nach seinem Abschied bei vielen Fans in Münster noch heute für glänzende Augen sorgt, muss er außergewöhnlich gewesen sein. Wie Helmut Horsch (64). Der führte unsere Preußen 1989 vorerst zum letzten Mal in die 2. Bundesliga. Ein Triumph, der unvergessen ist und jetzt - 24 Jahre später - endlich wiederholt werden könnte...  

MÜNSTER! Classics: Der Original-Artikel findet sich in Ausgabe #14

Foto: SC Preußen/Instagram

Text: JOACHIM SCHUTH

„Natürlich drücke ich Pavel Dotchev und seinen Jungs die Daumen. Eine Stadt wie Münster braucht einen Zweitligisten. Das ist heute nicht anders als zu meiner Zeit", sagt Horsch, der die Entwicklung seines Ex-Vereins nach wie vor mit großem Interesse verfolgt. 

Wenn auch aus der Distanz. Er lebt mit Ehefrau Christa (Steuerberaterin)  in Wattenscheid, die Kinder sind längst aus dem Haus. Tochter Janine (30) arbeitet bei Radio Bremen, Sohn Dominik arbeitet in Rio Rio de Janeiro im Orga-Team für die Fußball-WM 2014 in Brasilien mit.

Helmut Horsch selbst hat noch bis Herbst seinen Job als Verbandstrainer beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) in der Sportschule Kaiserau. Mit den Schwerpunkten Trainer-Ausbildung sowie Talentsichtung und Förderung. „Im Oktober werde ich 65, dann ist Schluss," freut er sich schon jetzt auf die Zeit ohne ständige Verpflichtungen, „auch wenn ich danach sicherlich noch die eine oder andere Aufgabe für den Verband übernehmen werde."

Bliebe eigentlich doch genügend Zeit, um wieder eine Mannschaft zu trainieren. „Definitiv nicht, dafür fehlt mir schon lange das nötige Feuer."  Bereits zu seiner Preußen-Zeit hatte er – trotz aller Erfolge – diesbezüglich größte Bedenken. Weil er schon damals die Entwicklung im modernen Profi-Fußball „pervers“ fand, wie er sagt. Weg von der ehrlichen Arbeit und hin zur großen Show. Zudem rannten plötzlich immer mehr Spielerberater rum, deren Einfluss im Tagesgeschäft rasch überhand nahm. „So viele Baustellen können sie gar nicht schließen, wie die hinterlassen. Das war und ist nicht meine Welt. Ich fühle mich auf anderer Ebene einfach wohler." 

 

Deshalb kündigte er auch schon Ende 1988 – lange  bevor der Aufstieg feststand – sein Amt bei den Preußen zum Saisonende. Um auf den ruhigeren Posten des Verbandstrainers umzusatteln, der ihm als Familienmensch und Vater von zwei brasilianischen Adoptivkindern – Janine und Dominik waren noch im Grundschulalter – mehr Sicherheit bot. Horsch: „Als am 18. Juni 1989 durch ein 0:0 im letzten Aufstiegsrunden-Spiel gegen Duisburg unser Sprung in die 2. Liga feststand, habe ich zwar kurzzeitig meine Entscheidung noch einmal angezweifelt. Zumal ich von vielen Seiten zum Weitermachen überredet werden sollte. Doch ich bin standhaft geblieben – und habe es nie ernsthaft bereut."

Wohl auch, weil er frühzeitig schwierige Zeiten auf die Preußen zukommen sah. Grund: Horsch war bei der Vereinsführung mit seinem Vorschlag abgeschmettert, zumindest das Halb-Profitum in Münster einzuführen. Der Fußballlehrer, der mit einigen seiner Aufstiegs-Helden von 1989 bis heute  in losem Kontakt steht: „Meine Spieler hatten ja alle noch Vollzeit-Berufe, so dass wir nur drei oder vier Mal in der Woche trainieren konnten. Das war - erst recht in der 2. Liga – keine vernünftige Basis für erfolgreiche Arbeit. Aber der Vorstand wollte kein Risiko eingehen und diese Veränderung nicht mittragen. Somit war mir klar, dass das nicht lange gut gehen würde."

Horsch behielt Recht. Nur zwei Jahre später stürzte der  Preußen-Adler wieder ab in die  Oberliga. Weil im Klub Fehler über Fehler gemacht wurden. „Da waren damals Amateure am Werk," erinnert sich Horsch, „ich habe mit Bedauern beobachtet, wie eine Mannschaft zusammen gekauft wurde, deren Spieler überhaupt nicht zusammen passten. Die Harmonie der Aufstiegself wurde systematisch zerstört."

Das hat sich inzwischen geändert. Die Preußen sind 2013 endlich wieder ein Team, in dem jeden für jeden kämpft. Gemeinsam für ein  großes Ziel. „Das ist auch mein Eindruck," urteilt Helmut Horsch, „mit Dotchev steht ein Trainer mit viel Erfahrung  in der Verantwortung, der eine klare Linie verfolgt." Für Präsident Dr. Marco de Angelis, Sportvorstand Carsten Gockel und ihre Mitstreiter gibt's ebenfalls Lob vom früheren Meistercoach. „Bei Preußen wird seit einigen Jahren solide und strukturiert gearbeitet. Der Klub steht offensichtlich auf gesunden Füßen. Eine erstaunliche Leistung, in der 3. Liga schuldenfrei und trotzdem erfolgreich zu sein."

 

 

 

Tipp für Nostalgiker: Der Bericht stammt aus #14 (Mai 2013) - damals spielten die Preußen erneut um den Auftsieg in Liga 2, um am Ende knapp zu scheitern.

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Umso mehr würde sich Horsch freuen, wenn die ersehnte Zweitliga-Rückkehr  endlich gelingt. Nicht nur für die vielen tollen und treuen Fans. Der Verbandstrainer: „Sondern auch, weil Münster damit zugleich des Niveau des westfälischen Fußballs anhebt."

Gerne würde Horsch - gerade jetzt in der heißen Endphase - den Preußen noch einmal live vor Ort die Daumen drücken. Klappt jedoch nicht aus Zeitgründen. „An den Wochenenden bin ich fast immer unterwegs, um Jugendspiele zu beobachten. Mittlerweile dürften's gut fünf Jahre her sein, dass ich zum letzten Mal im Stadion an der Hammer Straße gewesen bin."