Wohnen im Oxford-Quartier ─ die Vergabe beginnt!

Die ehemaligen Kasernen werden zum Quartier mit pfiffigem Wasser-Konzept

Der zentrale Paradeplatz mit Blick Richtung Osten; Visualisierung: Stadt Münster

Münster – Die Nachnutzung der Oxford-Kaserne ist die Chance für einen Zukunfts-Stadtteil, der mit Hitzeperioden und Starkregen besser zurechtkommen soll. Das erste Vergabeverfahren für ein Grundstück der KonvOY GmbH ist nun gestartet. Gesucht sind gute Konzepte von Wohngruppen, Baugenossenschaften oder Baugemeinschaften für das Areal mit etwa 120 Wohneinheiten.

Das erste Vergabeverfahren für ein Grundstück der KonvOY GmbH im Oxford-Quartier wurde vor Kurzem veröffentlicht. Ein weiteres Wohnbauprojekt mit ca. 120 Wohneinheiten soll vergeben werden. „Nun nimmt die Entwicklung des Quartiers Oxford richtig Fahrt auf und bietet mit diesem Grundstück einen tollen Standort für Wohngruppen, die die besondere Qualität in Gievenbeck schätzen“, betont Stadtbaurat Robin Denstorff die Bedeutung dieses Schrittes.

Das „Wohnen in Gemeinschaft“ wird in Münster stark nachgefragt, denn es bietet für alle Beteiligten ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Zuhause und dem umgebenden Quartier neue verantwortungsbewusste Bewohner. Insbesondere die langfristige Perspektive des Eigentums und der Mehrwert für das Quartier, vielleicht als Nachbarschaftscafé, machen derartige Projekte sehr wertvoll für die Quartiersentwicklung.

Mehrere Gebäude mit drei bis vier möglichen Geschossen sollen einen offenen Blockrand bilden. Im inneren Freiraum sollen Grünflächen als gemeinschaftliche Rückzugsräume und Ruheorte für die Bewohner dienen. Neben Wohnen sind auch untergeordnet gewerbliche oder gemeinwohlorientierte Nutzungen möglich. Im Vordergrund stehen Gestaltung, Nachhaltigkeit, soziale und technische Innovation und auch die richtige Nutzungsmischung.

Alle bis Mitte Juli eingereichten Konzepte werden im August durch ein Bewertungsgremium, besetzt mit Fachleuten sowie Vertretern aus Politik und Verwaltung, ausgewertet. Der Aufsichtsrat der KonvOY trifft dann die letzte Entscheidung. Mit der eigentlichen Bauphase kann von Ende 2021 bis Anfang 2023 gerechnet werden.

MÜNSTER! war bereits im Januar in der Oxford-Kaserne zu einem exklusiven Treffen mit Stadtbaurat Robin Denstorff, den ganzen Beitrag lesen Sie in der Februarausgabe MÜNSTER! #88

Im Rahmen der Prima-Klima-Serie im Print-Magazin interessierte MÜNSTER! der besondere Umgang mit Wasser im Quartier: „Das alte Kopfsteinpflaster aus Basalt bleibt erhalten«, erklärt Stadtbaurat Robin Denstorff, »bei Regen versickert ein Teil des Wassers zwischen den Ritzen des Pflasters in die Erde, ein Teil verdunstet auf der Oberfläche und ein Teil fließt oberirdisch ab.« Das zentrale Thema der Kasernen- Nachnutzung ist, wie man klug mit Niederschlägen in bebauten Gebieten umgeht, zumal in Zeiten, in denen Starkregen häufiger werden. »Wir wollen die Stadt robust machen für die Folgen des Klimawandels«, sagt Robin Denstorff.

Aus der Zeit gefallen wirkt das Areal der ehemaligen Oxford-Kaserne bisher noch. Die Kaserne war bis 2013 insgesamt 68 Jahre lang von britischen Soldaten bewohnt und genutzt. Daran erinnert die gähnende und riesige Leere des ehemaligen Exerzierplatzes und die Turnhalle sowie die blassgelben Häuserreihen mit Dachgauben. Die Masten mit oberirdisch verlaufenden Stromkabeln vor dem Uhrenturmhaus wirken surreal.

Das Uhrenturmhaus als Bürgerhaus bei Regen; Visualisierung: Stadt Münster

Doch hier sollen 2022 die ersten Bewohner einziehen und sich spätestens ab 2028 ein buntes Stadtteilleben abspielen. Das Uhrenturmhaus soll zum Bürgerhaus werden, Kindertagesstätten mit 20 Gruppen entstehen, eine neue Grundschule, die evangelische Lukas-Gemeinde baut eine neue Kirche aus Sandstein inklusive Pfarrheim. Es soll Fuß- und Fahrradwege geben, das Quartier liegt an der geplanten Veloroute Münster-Roxel-Havixbeck, »voll mit Münster-Lösungen« sei die Oxford-Kaserne, findet Robin Denstorff. »Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Sie sind in einem sehr wertigen Zustand und lassen sich innen variabel aus- und umbauen«, erklärt Stephan Aumann.

Als Geschäftsführer der KonvOY Gmbh ist es seine Aufgabe, die Grundstücke zu vermarkten. Bewerben können sich Wohnungsbaugesellschaften, Investoren oder Wohngruppen, also private Interessensgemeinschaften, die eine gute Idee zum gemeinsamen Wohnen haben. Die Ideen sollen Baumaterialien, das Thema Fahrrad und Fahrradparken, Barrierefreiheit, das Gemeinwohl, die Qualität des Freiraums, eine räumliche Mischung von Wohnen und Arbeiten und vieles mehr betreffen. Das hehre Ziel der Stadt ist, dass nicht der den Zuschlag bekommt, der am meisten Geld bietet, sondern der mit dem pfiffigsten Konzept. Vorgeschrieben sind einige Punkte, etwa, dass ein Drittel Sozialwohnungen und ein Drittel förderfähige Wohnungen im gesamten Wohnquartier eingeplant werden sollen. Verpflichtend für alle Neubauten sind begrünte Flachdächer. Die grünen Dächer hängen mit dem Thema Wasser zusammen, das im Vordergrund steht. Wo Grünes wächst, verbessert sich dank der Verdunstungskühle das Kleinklima. Zudem wird Regenabfluss verzögert. Der Starkregen von 2014 steckt noch in den Hinterköpfen der Stadtverantwortlichen, sie erinnern sich gut an den Sommertag, als Münster nach wenigen Stunden unter Wasser stand. Und dann sind da die beiden Rekordsommer 2018 und 2019.

Deshalb zeigen die drei Männer von der Stadt auf großen Plänen, die sie ausrollen, wie man künftig mit dem Klima umgehen kann: Wasserflächen im öffentlichen wie im privaten Raum sollen dafür sorgen, dass Verdunstungskühle die Hitze im Sommer erträglicher macht und dass bei einem möglichen Starkregen das Wasser gezielt abfließen kann, gesammelt wird und im Idealfall im Gievenbach landet.

Julian Langner vom Amt für Mobilität und Tiefbau erklärt: »Wir haben den Wasserhaushalt für eine solche Fläche in drei Modellen berechnet: im natürlichen Urzustand ähnlich wie ein Acker, in einem konventionell bebauten Zustand und dann in einem Zustand mit all den Maßnahmen, die wir beschlossen haben: Und so wie es nun geplant ist, entspricht die Menge des Regenwassers, das in der Erde versickert, verdunstet und abfließt, nahezu dem Modell im natürlichen Ackerzustand!« Auf dem Plan sieht man vorgesehene Mulden im öffentlichen Raum. Die sollen sich bei Regen füllen und das Wasser speichern. Das sind sogenannte »Rain Gardens«, solche entstehen in den einzelnen Wohnblocks und auf privaten Grundstücken, alle entsprechend bepflanzt.

Um das Wasser in diese Mulden zu leiten, gibt es Kastenrinnen, die sich über das Quartier verteilen. Super für Kinder, die können dann Papierschiffchen schwimmen lassen und in Gummistiefeln in Pfützen herumspringen. Der Plan klingt gut und wird vom NRW-Umweltministerium mit 1,6 Millionen Euro gefördert. Wenn er sich in der Praxis bewährt, soll die Oxford-Kaserne ein Vorbild für die Stadtplanung der Zukunft sein.

Und: auch für das neue York-Quartier in Gremmendorf ist die erste Konzeptvergabe der KonvOY veröffentlicht worden. Auf einer Fläche von ca. 10.000m² werden gemischt genutzte Gebäude aus Dienstleistungen und Wohnen entstehen. Aus den bis Mitte März vorliegenden Bewerbungen werden bis zu 10 ausgewählte Teilnehmer zur Einreichung eines konkreten Baukonzeptes aufgefordert. Das Gewinnerkonzept soll Ende des Jahres feststehen.

Mit der Entwicklung des östlichen Kasernenbereiches soll das Zentrum Gremmendorf erweitert werden. Neben neuen Nahversorgungs- und Dienstleistungsangeboten gehört hierzu auch der neue Platzbereich für Markt oder Veranstaltungen und auch die Neugestaltung des heutigen Eingangsbereiches zur Kaserne. Im gesamten York-Quartier mit ca. 50 Hektar sollen am Ende der Entwicklung ca. 1.800 Wohneinheiten entstehen, die sich überwiegend in den denkmalgeschützten Bestandsgebäuden befinden werden. Große Grünanlagen, Mobilitätstationen, eine neue Grundschule und Kindertagesstätten sowie ein Bürgerhaus werden das Quartier zu einem urbanen Hotspot beleben.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der KonvOY: www.konvoy-muenster.de