100 Jahre Kunst der Schanze – und der Prinzipalmarkt feiert mit

Die Münsteraner Künstlergemeinschaft zelebriert ihren 100. Geburtstag und holt dafür auch Kaufleute des Prinzipalmarkts mit ins Boot: In über 20 Schaufenstern stellen die Künstler ihre Bilder und Kunstwerke aus.

Münster - Ihr 100-jähriges Bestehen feiert die Freie Künstlergemeinschaft Schanze aus Münster in diesem Jahr. Zu diesem Anlass stellen die 15 aktiven und einige ehemalige Künstler der Schanze vom 4. bis 14. September ausgewählte Werke in Schaufenstern rund um den Prinzipalmarkt aus. Ob beim Juwelier, im Café oder im Schuhladen – für zehn Tage wird der Stadtbummel zum Museumsbesuch.

Text: Lotta Krüger

Miriam Przygoda, Kanzlerin der 1919 gegründeten Künstlervereinigung, initiiert die Aktion gemeinsam mit Andreas Gattinger von der Galerie Ostendorff. Sie findet: „Der Prinzipalmarkt ist ein besonders schöner Ort für die Ausstellung der Bilder.“ Die teilnehmenden Kaufleute reagierten sehr offen auf ihre Idee, ihre Schaufenster für Werke der Schanze-Künstler zur Verfügung zu stellen. Dass eine Künstlergemeinschaft 100 Jahre lang bestehe, sei etwas Besonderes, so Przygoda. Das muss gefeiert werden – mit Werken von Erwin Josef Speckmann, Hans Kraft, Hilla Zinkant und vielen mehr in 24 Schaufenstern und einer Jubiläumsschrift, die im Oktober erscheinen wird.

Aufbruch, Bewältigung und Entfaltung in den Gründungsjahren

V.l.: Professor Erwin Josef Speckmann, Michael Hassels, Christine Kucinski und Ilse Wecker, alles Künstler der Schanze

Die Schanze blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück. Bei der Gründung 1919 herrschte Aufbruchsstimmung, und die Künstlergemeinschaft wollte sich von der Kunst der Vorkriegszeit abgrenzen. Die in der Schanze bestehende Freiheit des einzelnen sowie die Einbindung in die Gemeinschaft bot ihren Mitgliedern einen Hoffnungsschimmer, die Möglichkeit zur Bewältigung des Weltkrieges und der eigenen Entfaltung. Über Münsters Grenzen hinaus erlangte die Schanze Bekanntheit, ohne sich je einer festen Stilrichtung zu verschreiben.

Individualität trotz Gemeinschaft

Miriam Przygoda, Kanzlerin der Freien Künstlergemeinschaft Schanze, die ihr 100jähriges Bestehen feiern

Heute gehe es in der Schanze vor allem um Austausch, erzählt Kanzlerin Przygoda. Es sei eine Plattform, um seine Interessen mit Kollegen zu teilen und einander dadurch zu bereichern. Gemeinsame Ausstellungen zu einem Thema fördern die Kommunikation unter den Künstlern, trotzdem arbeitet in der Schanze jeder für sich. Die Künstler teilen sich kein Atelier, und nicht jede Ausstellung widmet sich einem gemeinsamen Thema.

Immer auf der Suche nach Nachwuchs

Jeden zweiten Donnerstag im Monat trifft sich die Schanze um 18 Uhr zum Runden Tisch bei Pablo in den Arkaden. Immer offen sind die Künstler für neue und auch junge Mitglieder und Interessenten, über deren Erscheinen sie sich besonders freuen. Am liebsten würde sich die Gemeinschaften wie in den Gründungsjahren auch wieder weiteren Künsten öffnen – wie der Musik und der Architektur.

Auch nach dem 14. September, wenn in den Schaufenstern am Prinzipalmarkt wieder die gewohnten Auslagen zu sehen sind, werden Arbeiten der Schanze-Künstler weiterhin in zahlreichen Ausstellungen zu bewundern sein. Der 100-jährige Geburtstag ist also noch längst nicht vorbei.