MÜNSTER! Magazin

Foto: AdeobeStock

N°132


TOOOOOOR – aus Roxel

Es ist dieses eine Geräusch, das Träume  wahr werden oder eben zerplatzen lässt: Der Sound, wenn der Ball in das Tornetz fliegt. Wenn dann die Schalker  Nordkurve oder die Gelbe Wand in Dortmund den Jubel anstimmen, denkt wahrscheinlich kaum einer an Münsters Stadtteil Roxel. Dabei stammen von genau dort – hier sind sich die Rivalen auf dem Platz mal einig – die Fußball­tore der Partien. Genauer gesagt: Sie alle stammen von der Firma Schäper Sportgerätebau GmbH am Nottulner  Landweg in Roxel.  

Text veit christoph baecker


Seit fast 64 Jahren produziert Schäper Sportgeräte aller Art und hat sein Angebot mittlerweile vom reinen Fußballtor auf die Ausstattung von allen relevanten Ballsportarten, der Leichtathletik und bis hin zu ganzen Anlagen wie Soccer-Courts erweitert. In vielen deutschen, aber auch internationalen Stadien kommen die Aluminium-Produkte „made in Münster“ zum Einsatz. Allerdings – so schreiben es die Regularien der Verbände vor – ist eine Kennzeichnung mit dem Firmenlogo meist nicht erlaubt. Das tut dem Erfolg aber keinen Abbruch.

Ein Blick auf die Homepage des Familienunternehmens Schäper reicht, um zu erkennen: In Münsters Westen agiert ein echter Hidden Champion, der mit 24 Vertriebspartnern nicht nur im europäischen Markt, sondern auch in Südamerika, Indien, Südafrika oder Australien präsent ist.  

Cornelia und Dr. Josef Hesse sind seit 20 Jahren in der Geschäftsführung des Familienunternehmens. Haben andere Betriebe manchmal Schwierigkeiten, die Nachfolge zu regeln, sind bei Schäper 1997 Sohn Ulrich (Feinwerkmechanikermeister und staatlich geprüfter Techniker im Maschinenbau) und einige Zeit später Tochter Cornelia mitsamt ihrem Ehemann eingestiegen. „Eigentlich wollten wir nur ganz kurz bleiben“, blicken die beiden Betriebswirte zurück. Doch dann hat sie ihr Arbeitsplatz nicht mehr losgelassen. Wahrscheinlich auch, weil im Unternehmen westfälische Grundwerte gelebt werden.    

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Qualitätsarbeit: Die Sportgeräte der Firma Schäper werden in Roxel hergestellt. Langlebigkeit ist eines ihrer besonderen Merkmale. Foto: Schäper Sportgerätebau

„Ohne unsere Mannschaft wären wir eigentlich nichts“, unterstreichen die beiden. Die Belegschaft sei wie eine große Familie, die sich gegenseitig fördert und auch außerhalb der Arbeitszeit umeinander kümmert. „Es sind schon einige Mitarbeiter zu uns zurückgekommen, die sich mal woanders ausprobieren wollten.“ Rund 60 Köpfe zählt das Team, gut bewacht durch Betriebshund Cody. Und immer sind auch junge Mitarbeitende dabei. Als Auszubildende in den Bereichen Metallbau, Industriekaufmann und Lagerlogistik oder auch als Werkstudenten. „Dennoch könnten wir noch mehr Menschen einstellen. Zu tun gibt es genug.“ 

Auch der Gedanke der Nachhaltigkeit wird seit Firmengründung umgesetzt. „Zu allererst durch die hohe Qualität unserer Produkte. Die halten sehr lange und werden von uns auch über alle Jahre repariert“, unterstreicht Josef Hesse. Sei ein Gerät tatsächlich nicht mehr zu retten, werde es recycelt. Immer mehr Geräte oder Komponenten werden mit wiederverwerteten Materialien produziert, ein Großteil der Energie auf den eigenen Dächern gewonnen und Holzreste für die Heizung verwendet. „Green Matter“ heißt der umfassende Ansatz, der mit Optimierungen und Neuentwicklungen auf die aktuellen Anforderungen des Klimawandels und der Generationen­gerechtigkeit reagiert. 

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Die Belegschaft von Schäper Sportgerätebau ist „wie eine große Familie“. Auch außerhalb der Arbeitszeit kümmert man sich umeinander. Foto: Schäper Sportgerätebau

„Ohne unsere Mannschaft wären wir eigentlich nichts.“ Cornelia und Dr. Josef Hesse

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Dazu kommt eine große Erdung und fast Bescheidenheit. Die Geschäftsführer sind sich ihrer Rolle auf dem Weltmarkt sehr bewusst, aber sie werden dadurch nicht verleitet, ihren klaren Weg zu verlassen. Und Roxel auch nicht. „Von der Planung über die Produktion bis hin zur Auslieferung bieten wir alles aus einer Hand. Das garantiert höchste Qualität und Zuverlässigkeit“, heißt es auf der Homepage. „Wir müssen auch nicht ständig wachsen“, sagt Josef Hesse. Selbstverständlich ist der wirtschaftliche Erfolg das Ziel, der aber ohne Preiskampf und bei hoher Qualität erzielt wird. Die Roxeler kennen den Wert ihrer Arbeit. Bei klassischen Geräten ist die technische Entwicklung ausgereizt. Es wird also kein ganz neues Fußballtor erfunden werden. Im Bereich der Trainingssteuerung halten allerdings immer stärker Technik und IT Einzug – auch der Sport ändert sich merklich. „Wir haben beispielsweise ein Smart-Tor entwickelt, das in unterschiedlichen Farben leuchtet. So kann der Trainer Spielzüge und Handlungsgeschwindigkeit trainieren.“   

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Mit dem „Pfostenbruch“ vom Bökelberg endet 1971 die Ära der Holztore. Seither wird Alumium verwendet. Foto: imago/Horstmüller
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Foto: Schäper Sportgerätebau
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Foto: Schäper Sportgerätebau

Besonders gefreut hat sich Cornelia Hesse, dass der USC Münster in der Halle Berg Fidel bereits seit Jahren auf die Geräte aus dem Hause schwört. Nicht zuletzt die Netzanlage garantiert einen reibungslosen Spielablauf. Die gebürtige Münsteranerin engagiert sich als Vize-Präsidentin nicht nur im Vorstand des Volleyball-Erstligisten, sondern ist neben Familie und Beruf auch bei der Stiftung Bürger für Münster und weiteren Institutionen ehrenamtlich aktiv.     

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Die Netzanlage des USC Münster stammt seit vielen Jahren aus Roxel. Foto: Schäper Sportgerätebau
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Cornelia und Dr. Josef Hesse feuern die Volleyballerinnen des USC Münster an. Foto: Schäper Sportgerätebau

Josef Hesse ist in seiner Freizeit übrigens ein begeisterter Schrauber und Bastler (wir berichteten im MÜNSTER! Magazin September 2020). Von ihm reparierte Fernseh- und Rundfunkgeräte finden sich genauso in seiner Sammlung wie alte Spielautomaten und Flipper. Ein echtes Highlight ist der exakt nachgebaute DeLorean aus den Kultfilmen Zurück in die Zukunft. Beim Bau durfte sich auch der ein oder andere Auszubildende ausprobieren und so seinen handwerklichen Horizont erweitern. Für den guten Zweck kann dieser Wagen übrigens auch gemietet werden. Im vergangenen Jahr zum Beispiel im Rahmen der „Archäolo­gischen Zeitmaschine“ des LWL. Apropos „Zurück in die Zukunft“: Als Neuheit findet sich in den Schäper-Katalogen nun auch wieder ein Holztor – diesmal aber mit Metallhülsen im Boden. „Ökologisch ist dies die bessere Variante und eine Option für die kommenden Jahre.“    

sportschaeper.de

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Detailgetreuer Nachbau einer Zeitmaschine: Der DeLorean aus Zurück in die Zukunft auf dem Firmengelände. Foto: privat