N°132
Wie wohnen wir in Münsters Zukunft?
In Münster werden im Jahr 2030 etwa 330.000 Menschen leben. Und wo wohnen die? Wir haben mit dem Leiter des Stadtplanungsamtes gesprochen, Christopher Festersen. Er erklärt, wie urbanes Wohnen in Zukunft aussehen wird. Dazu stellen wir exemplarisch drei Wohnprojekte vor.
Text cornelia höchstetter
MÜNSTER!: Platzt Münster bald aus allen Nähten, Herr Festersen?
Christopher Festersen, Leiter des Stadtplanungsamtes Münster: Münster wächst, und das ist gut so. Im Oktober 2023 hat die Stadt erstmals die Marke von 320.000 Einwohnerinnen und Einwohner geknackt. Wir wissen, dass Münster weiterwachsen wird. Eine neue Studie geht von 350.000 Einwohnern im Jahr 2045 aus. Unser Stadtplanungsamt hat eine Statistik-Stelle, die ein gutes Gefühl hat für die Entwicklung, deren Prognose stimmt mit anderen Prognosen überein, auch wenn unterschiedliche Demographen unterschiedliche Kurven aufzeigen. Münster hat den Jungbrunnen der Hochschulen. Wir als Stadt Münster haben den Versorgungsauftrag für die Einwohner, was Wohnungen und Arbeitsplätze angeht. Pro Jahr sollen passend zu den Prognosen 2.000 Wohneinheiten dazu kommen. Unser Zukunftsziel ist es, die Stadt der kurzen Wege zu behalten und möglichst noch mehr Verkehr vermeiden. Wir wollen Wohnen weiterhin auch stadtkernnah anbieten. Damit haben wir andere Bedingungen für künftige Wohnprojekte als die Umlandgemeinden, die größere Grundstücke und andere Strukturen haben.
M!: Wo und wie findet künftig urbanes Wohnen statt?
In Münster gab es intensive Diskussion über die Dichte in der Bebauung, sowohl in der Kernstadt als auch in den Stadtteilen. Ein urbanes Gebiet ist gleichbedeutend mit einer Nutzungsmischung. Ein attraktiver Stadtteil soll rund um die Uhr lebendig sein, gut mit Dingen des täglichen Bedarfs ausgestattet sein: Hier steckt die Idee des Wegeradius’ von 15 Minuten dahinter. Unabhängig vom Verkehrsmittel soll alles in 15 Minuten erreichbar sein, was man für das tägliche Leben braucht. Da sind die Stadtviertel mit ÖPNV-Anschluss, gerade mit einem Bahnhaltepunkt, besonders ideal. Was den Platzbedarf für künftige Wohnungen angeht, haben wir Entwicklungsmodelle, die erstmal auf das Wiedernutzen von gebrauchten Grundstücken und auf Flächenrecycling abzielt. Erst dann nutzen wir Flächen, die außerhalb liegen, also auf der „Grünen Wiese“. Das muss auch stattfinden, weil wir den Bedarf von 2.000 Wohneinheiten jährlich nicht ausschließlich über den Bestand regeln können. Die Devise heißt kompakt bauen, überwiegend in Form von Mehrfamilienhäusern. Einfamilienhäuser werden künftig nur noch in flächensparenden Bauweisen als Reihenhäuser, als Maisonette oder Doppelhäuser entstehen. Beim bevorstehenden Bewohnerwandel werden allerdings noch viele freistehende Einzelhäuser auf den Markt kommen. So hat die Stadt auch keinen Nachholbedarf mehr an solchen Haustypen.
„Unsere Entwicklungsmodelle zielen erstmal auf das Wiedernutzen von gebrauchten Grundstücken und auf Flächenrecycling ab. Erst dann nutzen wir Flächen, die außerhalb liegen.“
Christopher Festersen
Leiter Stadtplanungsamt Münster
M!: Wird Münster in die Höhe wachsen?
Dichte nutzen muss in der Stadtplanung nicht immer gleich Hochhaus bedeuten. Es gibt zwar auch in Münster einige flächensparsame Standorte mit dem Bau in die Höhe, aber das ist weder der Regelfall noch die Zielsetzung. Uns geht es mehr um eine kompakte Bauweise, die im Bereich von Mehrfamilienhäusern anzusiedeln sind. Aber es gibt tatsächlich besondere städtebauliche Gelenkpunkte, die rufen danach, als Hochhausstandorte ausgebaut zu werden. Zum Beispiel Wasserkanten, wie in dem vorgestellten dritten Projekt (siehe Seite 31). Oder am Dreieckshafen das Projekt Ideenwerft mit einem 17-geschossigen Büroturm – das ist allerdings kein Wohnprojekt.
Fazit: In den meisten Bereichen planen wir niedriger, weil es zum Bestand passen muss.
M!: Die Stadt Münster hat das Baulandprogramm 2030 beschlossen – was sind die wesentlichen Pläne?
Bis 2030 sollen 12.000 Wohneinheiten entstehen
(siehe auch Infokasten Seite 28). An verschiedenen Stellen der Stadt sollen nacheinander verschiedene Projekte entstehen. Die Reihenfolge haben wir mit der Politik abgestimmt. Für die Flächen werden wir, wenn nötig, Baurechte schaffen, erst einmal für den vordringlichen Bedarf und den mittelfristigen Bedarf. Viele Flächen für künftige Wohnprojekte konnte die Stadt selber ankaufen und entwickelt sie auch selber, einige Projekte auch in Partnerschaft mit Dritten.
M!: Wenn die Stadt selbst neue Wohnprojekte entwickelt, ist das ein Garant für bezahlbare Wohnungen?
Wir haben einen Mechanismus, der hilft: Die „SoBoMü“, die sozialgerechte Bodennutzung in Münster. Das haben andere Städte auch, in München etwa heißt das „Baulandmodell“. Die SoBoMü geht davon aus, dass wir als Stadt Baurechte schaffen, wenn der private Partner mindestens 50 Prozent an die Stadt verkauft. Dann kann nämlich die Stadt auf eigenen Flächen den geförderten Wohnraum organisieren. Bei manchen Projekten haben wir in der Vergangenheit auch schon 100 Prozent ankaufen können. Dann ist im Grunde eine Stückelung möglich: 30 Prozent geförderter Wohnraum, 30 Prozent förderfähig und 40 Prozent frei finanziert. Wenn wir diese Mischung hinbekommen, kommen wir den Wohnbedürfnissen der Menschen mit kleinerem Portemonnaie entgegen. Im Schnitt wirkt das dann mietpreisdämpfend – trotz allem wissen wir aber, dass in Münster die Mieten weiterhin auf einem steigenden Kurs sind. Insbesondere in Zeiten der hohen Zinslage: Wir haben einige Projekte, die nun mit einem Fragezeichen dastehen. Wir nehmen zurzeit ein Zögern im Bau- und Investitionsmarkt wahr. Auch wenn Münster im Vergleich zum Bundesdurchschnitt noch besser dasteht. Die begonnenen Projekte werden fertiggestellt, aber Neues wird nur selten begonnen, was im Umkehrschluss dazu führt, dass der Bestand teurer vermietet werden kann. Die Bestandsmietverträge trifft das kaum, aber bei Neuvermietung und Neubauten steigen die Mieten in die Höhe …
„Wir als Stadt müssen klimatisch gut bauen: Das heißt, Gebäudestellung so organisieren, dass sie nicht gegen Windrichtungen arbeiten.“
Christopher Festersen
M!: Wie grün und klimafreundlich werden künftige Wohnprojekte?
Die NRW-Förderrichtlinien achten darauf, dass künftig die Gebäude einem guten energetischen Standard entsprechen und dass mindestens 30 Prozent der nutzbaren Freifläche als begrünte Freifläche zur Verfügung steht. Wir als Stadt müssen klimatisch gut bauen: Das heißt, Gebäudestellung so organisieren, dass sie nicht gegen Windrichtungen arbeiten. Gebäude sollen so kompakt sein, dass sie keine großen Wärmeverluste erleiden, dass die Wasserwirtschaft funktioniert. Also auch im Sinne von Rückhalten des Niederschlags auf Dächern und auf Flächen, wo Regen verdunsten oder versickern kann, anstatt sofort in die Kanalisation zu verschwinden. Wir erleben immer heißere und trockenere Sommer, so dass das Gießen auch über gesammeltes Regenwasser erledigt wird. Das muss alles der Städtebau der Zukunft regeln. So werden Grünflächen nicht nur Aufenthaltsflächen sein, sondern auch Wasserwege und Verdunstungsflächen. Begrünt nutzen die auch der Biodiversität. Klimaneutralität spielt eine Rolle: Künftig wird mehr über Luftwärmepumpen, individuelle Versorgung über Photovoltaik, Erdwärme oder Solarenergiegewinnung gehen …
M!: Es wird also dichter bebaut, auf Klimafreundlichkeit geachtet und auch kurze Wege sind Thema. Aber das Auto wird nicht verschwinden, und künftige E-Autos wollen aufgeladen werden: Wie regeln Sie das in dem knappen Stadtraum?
Der erste Ansatz ist natürlich so zu planen, dass wir Verkehrsbewegung vermeiden und dass wir das Bedürfnis nach Einzelfahrzeugen heruntersetzen – das wollen wir unter anderem mit der Nutzungsmischung in den Quartieren schaffen. Zum Zweiten wird die Mobilität in sogenannten Mobilitätshubs gebündelt, wo verschiedene Angebote gibt: Car-Sharing-Angebote, Lastenräder, Mieträder, Umstiegsmöglichkeiten auf den Bus oder Bahnverkehr. Auch die Stromversorgung für E-Autos und E-Bikes im Schnelladebereich und im Normalbereich muss an diesen Mobilitätshubs mit organisiert werden. Wenn ich an das Klosterareal Pluggendorf denke (siehe Seite 30), ist das so geplant, dass ein Teil der PKW-Stellflächen direkt mit einer Ladestation organisiert wird. Die Idee des neuen urbanen Wohnens ist tatsächlich, Wohnprojekte weitgehend dezentral zu organisieren, kompakt zu bauen, damit die Erschließungsflächen innerhalb der Quartiere schmal gehalten werden können – das hat was mit Flächenverbrauch, aber auch mit Aufenthaltsqualität zu tun. Natürlich wird ins Quartier immer mal ein Möbelwagen oder ein Rettungswagen reinfahren müssen. Kurier- und Expressdienste können zum Beispiel auch an zentralen Punkten ihre Lieferung abladen, wo die Bewohner dann ihre Pakete abholen oder abgeben können.
„Der erste Ansatz ist so zu planen, dass wir Verkehrsbewegung vermeiden. Zum Zweiten wird die Mobilität in sogenannten Mobilitätshubs gebündelt.“
Christopher Festersen
M!: Wir wollen drei Wohnprojekte herauspicken – als Beispiele für urbanes Wohnen der Zukunft: das Klosterreal Pluggendorf, die Kanalkante und das Projekt an der ehemaligen Josefsschule. Was ist deren Gemeinsamkeit?
Exemplarisch stehen die drei Projekte, weil sie alle kernstadtnah sind und auf einem Grundstück stehen, das bereits genutzt wurde – also Konversionsobjekte anstatt auf „Grüner Wiese“.
M!: Fangen wir mit dem Wohnprojekt an der ehemaligen Josefsschule an, das fast schon an der Hammer Straße liegt, unweit von der Josefskirche.
Das ist für mich ein kleineres Projekt, das auf bestehendem Baurecht agiert – das heißt, wir mussten keinen Bebauungsplan erstellen. Die Fläche zwischen Hermann-, Burg- und Hornstraße ist keinen halben Hektar groß. Bebaut wird sie vom Wohnungsunternehmen der Stadt Münster, der Wohn + Stadtbau, mit 69 Wohneinheiten und einer fünfgruppigen Kita, die bereits im Betrieb ist – der Entwurf war anspruchsvoll und besonders, weil ihre Freiflächen auf dem Dach liegen. Das Wohnprojekt selbst war maßgeschneidert für eine Nachbarschaftsgemeinschaft, die sich als Südviertelhof eG. gegründet hat (siehe Seite 29), die direkt mit einem Raumprogramm an die Wohn + Stadtbau herangetreten ist. Der Rohbau ist fertig. Erfreulich ist, dass die Ahornbäume an der Hermannstraße erhalten werden konnten. Es gibt einen Innenhof im u-förmigen Gebäude mit Freiflächen sowie eine Tiefgarage mit Zufahrt von der Burgstraße her, inklusive 25 Prozent Parkplätzen mit Aufladestationen. Dort ist Platz für die gesamte Mobilität. Das neue Projekt passt haargenau als Stadtbaustein rein.
M!: Als zweites kommen wir zum Klosterareal Pluggendorf …
Ein echter Glücksfall, weil wir das Projekt mit der LVM-Versicherung entwickeln, einem verantwortungsvollen und verlässlichen Partner und Bestandshalter – niemand also, der ein Projekt entwickelt und an Dritte weiterverkauft. Der Anspruch und der Slogan ist, das bestehende Viertel Pluggendorf weiterzubauen. Das soll sich anfühlen und ansehen wie ein Stück gewachsene Stadt. Eines Tages werden dort etwa 1.250 Menschen leben. Dabei soll keineswegs eine Großwohnsiedlung mit gleichen Türen, Briefkästen und Balkone rauskommen, sondern eine individuelle Architektur mit Mischung von sozialem Wohnungsbau. Deshalb sind vier Architekturbüros beteiligt, damit Vielfalt entsteht. Das ist wirklich gelungen, obwohl die Gebäude auf einer gemeinsamen Tiefgarage stehen.
M!: Das größte Beispielsprojekt steckt im Ideen-Status: das Gelände an Kanal und Theodor-Scheiwe-Straße. Was entsteht dort?
Zwischen Kanal, Lütkenbecker Weg und Albersloher Weg nutzen wir eine Fläche um, die bisher gewerblich besetzt ist: Mit Tauschflächen der ansässigen Betriebe können wir Wohnraum für über 1350 Wohneinheiten und eine Durchmischung mit Handel und Gewerbe schaffen. Das wird ein eigener kleiner Stadtteil, der die Qualität der Wasserkante am Kanal gut ausnutzt und den Fahrradweg am Kanal direkt vor der Tür hat. Die Finesse ist: Baumarkt, Feuerwache und so weiter bleiben. Der jetzige Park-and-Ride-Parkplatz soll auf mehreren Ebenen zum Mobilitätshub werden, auch für das Quartier: mit Sharing Angeboten, Paketstationen und mehr. Hier sind wir erst in einer Phase der Wettbewerbsausschreibung. Dann werden wird das Ringen um den besten Entwurf starten, um aus dem Entwurf einen Bebauungsplan zu schmieden, der das Baurecht für ein neues Stadtviertel schafft.
M!: Wie entsteht in einem neuen Viertel eine Identität der Bewohner zu ihrem neuen Quartier?
Identifikation kann man baulich unterstützen. Architektur prägt Lebensweisen. Es wird auch ein langer Prozess sein. Das Projekt entsteht keinesfalls in einem Rutsch, sondern wird nach und nach fertig. In etwas mehr als zwei Jahren könnte frühestens die Bebauung beginnen und die komplette Entwicklung wird uns sicher bis 2030 begleiten.
M!: Wie wird das die Stadtgesellschaft verändern, wenn 2030 so viele Menschen nach Münster ziehen?
Es sind ja nicht alles neu Zugezogene – wir haben ja auch viele Umzugsketten innerhalb der Stadt. Familien verändern sich in bestimmten Lebensphasen und haben dann andere Wohnbedürfnisse. Ich glaube auch nicht, dass wir eine große Veränderung wahrnehmen: Denn das Wachstum hatten wir in den letzten vier Jahren auch schon sukzessive erlebt.
M!: Vielen Dank für das informative Gespräch!
Münsters Baulandprogramm
Münster wächst, deshalb hat der Rat der Stadt im September 2023 die Fortschreibung des Wohnbaulandprogramms beschlossen. Bis zum Jahr 2030 sollen zusätzliche Baugebiete für rund 12.000 neue Wohnungen in Münster entwickelt werden. Die teilen sich auf in etwa 10.000 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern und bis zu 2000 Wohneinheiten in Einfamilienhäusern (Doppel- und Reihenhäuser). Elf Baugebiete sollen kurzfristig bis 2026 entwickelt und bebaut werden. Darunter etwa: Albachten-Ost (475 Wohneinheiten), Amelsbüren – Am Dornbusch (200 Wohneinheiten), Angelmodde – Südlich Hiltruper Straße (280 Wohneinheiten) und Handorf – Kirschgarten (180 Wohneinheiten), bei denen die Planung abgeschlossen ist und nun der Bau der öffentlichen Erschließungsanlagen ansteht. Für ein Angebot an bezahlbaren und günstigeren Wohnungen führte die Stadt 2013 und 2014 die „SoBoMü“ ein: eine „sozialgerechte Bodennutzung Münster“. Dazu gehört unter anderem, dass in den neuen Wohnprojekten 30 Prozent der Wohnungen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein reserviert sind. Zu den Empfehlungen aus dem Wohnbaulandprogramm gehört, dass jährlich 2.000 Wohneinheiten in Münster neu errichtet werden. Das hat in den letzten Jahren nicht ganz geklappt.
https://www.presse-service.de/data.aspx/medien/267747P.jpg
Nähere Infos zum Baulandprogramm mit Stand Juli 2023 und zur Planungswerkstatt 2030:
https://www.stadt-muenster.de/stadtplanung/baulandentwicklung/baulandprogramm
https://www.stadt-muenster.de/stadtplanung/baulandentwicklung/planungswerkstatt-2030
1 – Südviertelhof
Die Idee: Gemeinschaftlich Wohnen
Am Anfang stand die Idee vom gemeinschaftlichen Wohnen. Hiltrud Wegehaupt ist eine der Initiatorinnen, Birgit Leonhard vom heutigen Vorstand der Südviertelhof eG erzählt: „2011 hat sich der Verein Münster mittendrin gegründet. Mit der Idee von gemeinschaftlichem Wohnen ging der Verein auf die Stadt zu, auch um Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück zu erhalten.“ Um stärker aufzutreten, haben sich zwei weitere Initiativen zur Südviertelhof eG zusammengeschlossen: die Beginen (eine alte Wohnform aus dem Mittelalter von alleinstehenden Frauen) und die Initiative Stadthaus. Dann kam das Grundstück der Josefschule ins Spiel, die keine Zukunft mehr hatte und abgerissen wurde.
Das Ziel: Gemeinschaftliches Wohnen, um sich gegenseitig zu unterstützen, mit gemeinsamer Freizeitgestaltung und Aktionen – Birgit Leonhard erklärt: „Wir schätzen uns, fragen, wie es dem anderen geht – aber wir lassen uns auch in Ruhe …“. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen gemischt in der Zusammensetzung sein: sozial ausgewogen, alte und junge Menschen, Alleinstehende und Familien, Menschen mit weniger oder mehr Geld, zugewanderte Menschen oder auch Menschen mit Beeinträchtigung. Kurz: die ganze Bandbreite von Menschen, die in der Stadt leben. „Wir wollen auch ins Viertel hineinwirken: Kontakte zu den Nachbarn pflegen, auch kulturell einen Beitrag zu dem vielfältigen Leben im Quartier leisten. Zur Leitidee gehört auch die nachhaltige Nutzung von Energie und Fläche, ökologische Bauweise, Photovoltaikanlage auf dem Dach und eine angemessene Größe der Wohnung.“
Der Südviertelhof in Zahlen und Fakten
Bauherr: Wohn + Stadtbau
Entwurf: SCHNOKLAKE BETZ DÖMER ARCHITEKTEN PartGmbB, Münster
Grundstücksgröße: 3.700 qm plus der 5-Gruppen-Kindertagesstätte (899 qm), insgesamt mit
Gemeinschaftsflächen und Büroeinheit: 4.365 qm
36 öffentlich geförderte und 23 frei finanzierte Wohnungen: Wohnungsgrößen: 41–100 qm,
vier sogenannte „Clusterwohnungen“ (kleinere rollstuhlgerechte Appartements mit eigenem Badezimmer und einer Pantryküche und gemeinsamer Wohn- und Essbereich). Im Erdgeschoss: Infrastruktur- und Gemeinschaftsräume, Foyerflächen, Waschräume, eine Werkstatt, Büroeinheit mit 222 qm
Tiefgarage: für 38 PKW-Stellplätze sowie Fahrrad-Stellplätze
Souterrain: Kellerräume für die Mieter und zusätzliche Fahrrad-Stellplätze
Öko: extensive Dachbegrünung, Fassadenbegrünung und eine Vorrüstung für Photovoltaikanlagen. Diese Anlage liefert auch die Energie für die Ladestationen für E-Bikes und E-Pkw. Zehn Prozent der Tiefgaragenstellplätze werden direkt für E-Mobilität ausgerüstet, weitere 15 Prozent werden vorgerüstet.
Energiestandard: KfW-Effizienzhaus 55 (55 Prozent des zulässigen Primärenergiebedarfs nach aktueller Energieeinsparverordnung), der Transmissionswärmeverlust liegt um mehr als 30 Prozent unter den gesetzlich geforderten Werten.
Einzug: Voraussichtlich 2024
suedviertelhof.de
2 – KlosterAreal Pluggendorf
Ein bestehendes Stadtquartier wächst um ein Neues
„Vorher war es ein unzugängliches Areal mitten in Pluggendorf. Jetzt entsteht hier ein lebendiges Viertel mit drei Wohnblöcken und grünen Innenhöfen, Gastronomie, Natur und Mobilität“,
erklärt Rafaela Kiepe von der LVM-Pressestelle: Gegenüber der LVM Versicherung entsteht im Kreuzungsbereich Weseler Straße/Kolde Ring ein neues urbanes Quartier – das Gelände war bis dato Sitz des Ordens der Vorsehungsschwestern, die in das neue Provinzhaus umgezogen sind. Die Idee: Die LVM Versicherung ist Investor und entwickelt mit der Stadt Wohn- und Büroräume, Platz für gemischte und gewerbliche Nutzung, eben ein neues Stadtquartier mit Grünflächen und öffentlichen Plätzen für Erholung und Begegnung, mit Café und Gastronomie. „Wir wollen in Pluggendorf Neues mit Bewährtem verbinden“, verspricht Rafaela Kiepe und beschreibt das künftige Viertel: Hier wird viel Wohnraum für Studierende und Familien sowie sozialer Wohnungsbau (30 Prozent der Wohnfläche) geschaffen. Im Inneren des Quartiers wird es keinen motorisierten Verkehr geben – dafür belebte Plätze mit viel Aufenthaltsqualität und großzügige Spielflächen für Kinder aller Altersklassen mit Sandkästen, Kletterbaum, Spielhügel, Trampolin und Multispielelementen.“
Das KlosterAreal Pluggendorf in Zahlen und Fakten
Bürgerinnen und Bürger konnten vorab in einem Beteiligungsformat ihre Ideen einbringen. Der Bebauungsplan wurde im Dezember 2022 im Rat der Stadt verabschiedet. Die LVM beschreibt: „Etwa 500 neue Wohnungen erfüllen hohe Nachhaltigkeitsstandards. Das moderne Mobilitätskonzept mit großer Tiefgarage und Zufahrten von der Weseler Straße und vom Kolde-Ring wird durch
eine Fahrradtiefgarage und einen Mobility-Hub ergänzt. Hier stehen Services wie ÖPNV-Angebote, Infoboards mit Mobilitätsinfos, elektronische Fahrplaninfos, Carsharing, ein Lastenradverleih und eine Paketstation allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern offen.“ Über den Zeitpunkt der Fertigstellung wollte sich die LVM noch nicht äußern.
Zukunftsmusik eines großen neuen Stadtquartiers: Unter den dreien von uns vorgestellten Projekten ist dies das größte und liegt noch am weitesten in der Zukunft – noch ohne Termin. Es ist ein Teilbereich (3) von drei Modellquartieren (3,4,5), die sich auf beide Seiten des Kanals verteilen. Umringt ist das Modellquartier 3 vom Albersloher und vom Lütkenbecker Weg, sowie von der Theodor Scheiwe Straße und dem Dortmund-Ems-Kanal. Es liegt wenig Fahrradminuten vom Stadtzentrum entfernt, direkt am Wasser und gegenüber des sich dynamisch ändernden Hafenviertels. 1.350 Wohneinheiten sind geplant, ebenfalls mit 30 Prozent gefördertem Wohnraum. Die Idee ist eine dichte, vitale Mischung aus Wohnen und Arbeiten, mit Raum für Läden, Handwerk, Galerien, Büros, Praxen, Gastronomie, Kitas, kulturelle und soziale Treffpunkte – gerne im Erdgeschoss, gewohnt wird drüber. Die Gebäude können bis zu siebenstöckig werden, viele werden Blick aufs Wasser haben. Das künftige Verkehrskonzept soll Vorrang für Rad- und Fußwege haben, mit möglichst hoher Eigenversorgung der Quartiere. Geplant ist eine „Super-Mobilitätstation“.
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