N°154
Go for Gold – in Darup
Darup – das Dorf bei Nottuln in den Baumbergen – hat Zukunft, denn es ist seit November 2025 eins der vier NRW-Golddörfer. Grund genug für einen Ortsbesuch und eine MÜNSTER! Magazin Wanderung mit Ausblick.
Text cornelia höchstetter
An späten Winternachmittagen erkennt man das Gold des Dorfes Darup: Die tiefe Sonne lässt manche Sandsteinfassade leuchten. Etwa die des Gut Feismann, ebenso strahlt der Alte Hof Schoppmann (Bild links), beides Beispiele für die Besonderheiten Darups. Gut Feismann (siehe auch MÜNSTER! 9/2019) ist ein tiergestütztes Kinderhospiz. Der Alte Hof Schoppmann ist ein denkmalgeschützter Hof, auf dem das Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e. V. seinen Sitz hat. Dort findet man das Hofcafé, das von den Alexianern als inklusives Gastronomiekonzept geführt wird. Ideale Schlussetappe für Spaziergänge oder Wanderungen.
Eins aus vier in NRW
Beim Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wurde Darup (Ortsteil von Nottuln) im November 2025 mit der Goldmedaille ausgezeichnet – und gehört damit zu den vier besten Dörfern im ganzen Land. Im kommenden Sommer ist Darup für den bundesweiten Wettbewerb qualifiziert.
Der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wird vom Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen ausgeschrieben. Seit über 50 Jahren prägt er die Entwicklung und Zukunftsmöglichkeiten der Dörfer.
Die Jury bewertete die lebendige Dorfgemeinschaft, nachhaltige Projekte, den Umgang mit vorhandenen Strukturen – und Menschen, die ihr Dorf aktiv gestalten und die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Der hohe Anteil an ehrenamtlicher Arbeit in Darup war ein dicker Pluspunkt. Der Heimatverein war Mit-Initiator für die Wettbewerbsteilnahme. Vorsitzende Christiane Gottschalk erzählt: „Wir denken, dass es wichtig ist, die Gemeinschaft zu pflegen. Es war ein bisschen Mühe – jetzt sind alle begeistert.“
Erzähl-Café und QR-Spaziergang
Christiane Gottschalk kennt sich bestens mit der Dorfgeschichte aus – nicht umsonst erhielt sie 2020 den Heimat-Preis NRW des Kreises Coesfeld. Die ehemalige Lehrerin war als Vorsitzende des Heimatvereins eine der AnsprechpartnerInnen im Rahmen des Landeswettbewerbs. Gebürtig ist sie aus dem Sauerland. Als sie 1975 nach Darup zog, lebte sie zunächst in einer Familien-Wohngemeinschaft in einem Haus. „Anfangs hatten wir wenig mit dem Dorf zu tun“, erinnert sie sich. Mit der Zeit kam sie mit den Nachbarn immer mehr ins Gespräch, hörte zu und erfuhr Geschichten aus dem und über das Dorf und wollte es genau wissen. So gründete sie das Erzähl-Café, trug Geschichten zusammen, entwickelte für den Heimatverein ein Geschichtsheftchen oder den Dorfspaziergang mit QR-Codes und Online-Erklärungen (siehe Seite der Wanderungen).
Um sich selbst kümmern
„Darup ist eine Insel“, findet Christiane Gottschalk. „In Darup wird eine andere Tageszeitung gelesen als etwa in Nottuln – nämlich der Billerbecker Anzeiger. So bleibt aber manche Info auf der Strecke – also müssen wir uns um uns selbst kümmern“. Um sich selbst kümmern – das pflege Darup seit Jahrhunderten. Christiane Gottschalk nennt verdiente Daruper: Damals etwa, als Pfarrer Matthias Kroos (1774–1832) die Wiederbegründung der Schützen (Magdalenenbruderschaft) unterstützte. Er führte das Schützenfest als Auszeit für die Daruper ein – nicht ohne die Gottesdienstpflicht mit dem Schützenfest zu verknüpfen. Oder heute: Begründerin und Gut-Feismann-Betreiberin Carolin Feismann wurde für ihr Kinderhospiz 2025 mit dem Publikumspreis der GOLDENEN BILD der FRAU ausgezeichnet. „Carolin bringt Darup in die Medien, das macht sie super“, freut sich die Heimatvereinsvorsitzende. Aus dem Dorf heraus kam die Initiative für das genossenschaftliche Landgasthaus samt Veranstaltungssaal, wo von der Taufe über Geburtstage bis zur Beerdigung alles gefeiert wird. Vieles haben die Daruper in Eigenregie renoviert. „Jetzt haben wir einen super Koch dort und es wir gut besucht“, findet Christiane Gottschalk. „Wir brauchen allerdings einen zweiten Koch!“
„Darup ist eine Insel.“ Christiane Gottschalk
Als die Schule zum Teil abbrannte, war die Sorge groß, dass sie komplett geschlossen werde, wie es in Schapdetten passiert sei. „Die Eltern haben als Zeichen des Protestes Holztulpen in die Gärten gesteckt. Am Ende war es für die Gemeinde Nottuln ein teures Unterfangen, aber wir haben seit einem Jahr eine schöne modernen Schulneubau. Das ist wunderbar, denn wir haben auch viele Schüler und aus Schapdetten kommen ebenfalls Schulkinder nach Darup.“, sagt Christiane Gottschalk. Viele junge Daruper wollen im Dorf bleiben – wo allerdings Bauplätze rar sind. Die Einwohnerzahl des Dorfes ist stabil bis wachsend, was nicht viele Orte im ländlichen Raum von sich behaupten können.
Persönlichkeiten und Wandel
Es gibt noch mehr Unikate in Darup: Ingrid und Elmar Meier erhielten 2024 das Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement für Schildkröten, das zur Gründung des Internationalen Zentrums für Schildkrötenschutz im Allwetterzoo Münster führte. Christiane Gottschalk ergänzt: Die Reitschule Terbrack ist über das Münsterland hinaus bekannt. Darup zeigt den Wandel der Landwirtschaft: Hof Twent spezialisiert sich auf Islandpferde, Hof Bargert betreibt einen Abenteuerhof für Kinder. „Das Thema Sandstein behalten wir im Auge, weil in und um Darup so prächtige Höfe stehen“.
Die Goldplakette ist angekommen, ein Schild im Ortsbild fehlt noch – und für den Goldrausch der Zukunft wünscht sich Christiane Gottschalk: „Ein Treffpunkt im Dorf für Jung und Alt: etwa ein Mehrgenerationenspielplatz mit Spielgeräten, Trimmdichgeräten und Sitzgruppen oder ein Boule-Platz oder …“
Die Räume ihrer Wohnung erfahren öfters mal eine neue Nutzung. „Wenn man auf kleinem Raum lebt, muss immer mal wieder geschaut werden, ob sich alle so wohlfühlen.“ Die beiden Jungs hatten lange Zeit ein gemeinsames Zimmer, doch der ältere wünschte sich ein eigenes Reich. „Aus dem früheren Jungszimmer wurde dann erst unser Schlafzimmer mit meiner Werkstatt und nun, nach dem Auszug der Nähmaschine, ein größerer Raum für Sam und mich.“
„Das Thema Sandstein behalten wir im Auge, weil in und um Darup so prächtige Höfe stehen.“ Christiane Gottschalk