N°153
Konfetti bis in den letzten Winkel
Die DNA der Kawentsmanns Café- & Tagesbar am Spiekerhof ist rosa-blau mit Eiche und Farbakzenten. Gäste werden zu lebendigen Kunstwerken in den großformatigen Fenstern, die natürlich mit Eiche eingerahmt sind. Wir schauen uns die Architektur und das Barleben an ...
Text ulrike meywald
„Wir sagen immer: Wir können alle Hölzer, aber wir lieben Eiche“, erzählt Geschäftsführerin Greta Kutsch, die die Kawentsmanns Tagesbar gemeinsam mit den Inhabern Max Bayer-Eynck (ihrem Bruder) und Daniel Heitmann betreibt. Eiche in allen Formen und Kombinationen zeigt sich an den verschiedenen Sitzplätzen der Bar: Tischplatten, die geformt sind wie Blumen, rund oder eckig, kombiniert mit farbig beschichteten Metallgestellen in der Form von Sternen, Herzen oder Kreisen. Leichtigkeit strahlt der gesamte Raum der Bar aus, dabei steht der Name „Kawentsmann“ umgangssprachlich für etwas Großes und Schweres. „Damit begann vor fast zehn Jahren die Geschichte unseres Unternehmens, der Möbelmanufaktur Kawentsmann: Max’ erstes Möbelstück war ein stabiler Tisch, der nur von mehreren Personen gemeinsam getragen werden konnte“, erzählt seine Schwester Greta. Seitdem ist viel passiert, zuletzt eben die Eröffnung einer Bar. „Die Idee dazu geisterte schon sehr lange in unseren Köpfen herum. Unsere verstorbene Schwester Lisa, Gründungsmitglied von Kawentsmann, hatte immer den Wunsch, eine eigene Gastronomie zu eröffnen, sie wäre sehr glücklich über unsere Umsetzung“, ist sich Greta sicher.
Daraus lässt sich was machen
Nach der Schließung ihres Showrooms an der Marievengasse war „den Kawentsmännern“ klar, dass sie eine andere Präsentationsform in Münster finden wollten. Doch in welcher Form, das wusste noch keiner. Bei einem Sonntagsspaziergang entdeckte Daniel Heitmann das „Zu Vermieten“-Schild im Schaufenster des alteingesessenen Geschäfts Stempel Weichert am Spiekerhof. „Nach einer ersten Besichtigung, waren wir aber erstmal unsicher.“ Zu dunkel und vor allem begrenzt von der Deckenhöhe erschienen ihnen die Räumlichkeiten. „Doch dann schaute sich Max nochmal alles an, baute an einer Stelle eine Lampe aus, steckte seinen Zollstock durch die abgehangene Decke und das Ende war nicht zu messen. Daraus können wir etwas machen, war er sich dann sicher“, erinnert sich Greta. Los ging es mit der vollständigen Entkernung der kleinteiligen Räume und dem Rückbau aller Leitungen aus den 1950er Jahren. Die Position der Theke, Küche und Toiletten ergaben sich aus der Logik des Raumes. Von der Theke aus sollte man den gesamten L-förmigen Raum im Blick haben.
Die Küche und die Toiletten sind nun dort, wo früher die Weichertsche Werkstatt war.
„Es gab nie einen Tag, an dem wir wussten, wie der ganze Laden aussehen würde.“ Greta Kutsch
Foto: Kawentsmann/Phillina Zuther
„Es sollen sich alle willkommen fühlen.“ Greta Kutsch
Etwas, das scheppert
„Nach der Festlegung, die Rohre sichtbar zu lassen, um die gesamt Deckenhöhe erlebbar zu machen, stand für mich fest, dass dieser Bereich rosafarben sein sollte“, erzählt Greta. Diese Farbe für die Decke war bereits in der Küche der Möbelmanufaktur Kawentsmann in Nottuln erprobt. Sie heißt Confetti und mit dieser Assoziation von Farbfreude ist der Name Programm. „Bei der Auswahl der weiteren Farben waren wir uns einig, dass es welche sein sollten, die man nicht auf den ersten Blick miteinander kombinieren würde. Also kein Schwarz-Weiß und Beige, sondern etwas, das scheppert!“ Wiederholt kam der RAL-Fächer zum Einsatz. „Nachdem Rosa und Hellblau feststanden, wurde ich gefragt, welche Farbe die Theke haben sollte und ich legte das dunkle Bordeaux-Violett fest. Dass Orange irgendwo auftauchen sollte, war uns auch von Anfang an klar.“ Einzelne kleine
Tische erhielten ein Metallgestell in dieser Farbe. Nach und nach entwickelte sich so die Gestaltung der Bar. „Es gab nie einen Tag, an dem wir wussten, wie der ganze Laden aussehen würde.“
Wichtig war Greta die Gestaltung des Toilettenbereichs. „Für mich ist Gastronomie dann rund, wenn Gäste in diesem Bereich noch ein Highlight erwartet.“ Bei Kawentsmanns ist es die wie ein Zirkuszelt in rosa und blau gestrichene Decke im Toilettenvorraum.
Ein Ort für alle
Kleine Spotlights des Leuchtenherstellers SLV inszenieren die gemütlichen Plätze in der Bar. Die Stühle stammen von Cantarutti aus Italien. „Mit der Firma haben wir schon bei mehreren Projekten zusammengearbeitet und wissen, welche Qualität geliefert wird. Die Stoffbezüge sind wählbar und so suchten wir einen Rosaton aus, der mit der Deckenfarbe harmoniert.“ Bei schönem Wetter sind die beiden Terrassen sehr gefragt. „Dass es der Spiekerhof mit der Lage an der Aa geworden ist, darüber sind wir alle sehr glücklich.“
In Sichtweite zum Dom ist (mit dem Gastronomieangebot des von den roestbar-Gründern betriebenen supernormal central direkt gegenüber und den vielen inhabergeführten Geschäften drumherum) ein neuer Treffpunkt in der Stadt entstanden, der die „gute Stube“ um einige Meter und ein neues Ziel verlängert. „Es war unser Fokus, einen Ort zu schaffen, der keinen ausschließt, der vielfältig ist. Dazu gehören auch Menschen mit Kindern, mit Hunden oder welche mit körperlichen Einschränkungen“, erläutert Greta. „Es sollen sich alle willkommen fühlen.“
Instagram: @kawentsmanns_tagesbar