N°153
Mitwachsende Wohnung
Eine Wohnung mit Garten innerhalb des Rings ist für viele Familien in Münster der große Glücksfall. Die von Saba und Sam im Schlossviertel ist zudem mit der Größe ihrer Familie gewachsen.
Text ulrike meywald
„Für uns stand immer fest, wir wollten hier wohnen bleiben“, erinnert sich Saba an die Zeit ihrer ersten Schwangerschaft, als sie und der werdende Vater Sam zum ersten Mal überlegten, sich etwas Neues zum Leben zu suchen. Ihre Wohnung hatten sie ursprünglich über eine Freundin gefunden, deren Mutter zuletzt darin gelebt hatte. „Als wir einzogen, hat Sam noch studiert und für uns beide allein waren die Räume mit etwa 60 Quadratmetern perfekt von der Größe.“ Das änderte sich, als Saba mit ihrem ältesten Sohn schwanger wurde. „Wir sind dann näher zusammengerückt und mit kleinem Baby ging das auch noch gut.“ Wirklich eng wurde es dann, als sich Jahre später nach dem zweiten Sohn noch eine Tochter ankündigte. „Wenn ich heute an die Zeit zurückdenke, kann ich mir kaum noch vorstellen, wie wir hier zu fünft gelebt haben.“ Also doch umziehen? Aber das Viertel ist so stadtnah und der Garten wirklich schön.
Kuriositäten
Über ihnen wohnte ein Studentenpaar und so entschieden sie sich, ihren Vermieter zu fragen, ob eine Zusammenlegung der beiden Wohnungen möglich wäre, wenn dieses Paar auszöge. Ihr Vermieter stimmte zu und so wurden mit einer neuen Treppe im Wohnzimmer aus zwei Wohnungen eine. Für die Zeit des Umbaus zogen alle für zwei Wochen zu Sabas Eltern in Münsters Norden. So konnte, neben dem Aufbau der Treppe, auch das Parkett abgeschliffen werden.
Das Haus ist ursprünglich ein Einfamilienhaus und die annähernd baugleichen Häuser links und rechts daneben werden auch als solche genutzt. Als das Haus, in dem Saba und Sam wohnen (noch vor ihrem Einzug) in drei Wohnungen aufgeteilt worden war, ergab sich eine Kuriosität: Die Erdgeschosswohnung besaß kein Bad. Also wurde die zwischen Wohnzimmer und Garten liegende überdachte Terrasse zu einem Badezimmer umgebaut – mit dem Ergebnis, dass man kaum noch vom Wohnzimmer in den Garten blicken kann. Da viel Licht durch die Fenster auf der anderen Seite des Raumes fällt, wo sich das Esszimmer mit Küche an das Wohnzimmer anschließt, lässt sich dieser Umstand verschmerzen.
Kleines Spa
Auf die Innenraumgestaltung dieses Bades ist Saba stolz, denn sie hat sie mit ihren eigenen Händen geschaffen. „Den Rest meiner Familie hat das Bad gar nicht gestört, mich aber schon!“ Schwarze Fliesen auf dem Boden, weiße an der Wand – es sah aus wie ein Standardbad. „Ich habe dann mit unserem Vermieter und mit Sam gesprochen, der normalerweise selbst gern und viel werkelt. Beide haben gesagt, wenn sie nichts mit der Umgestaltung zu tun haben, kann ich machen, was ich möchte.“ Die Fliesen zu erneuern, wäre viel zu kostspielig gewesen. Bei ihrer Recherche stieß Saba auf Betonbäder, deren Optik sie sehr ansprach. Selbstmachen? „In vielen Internetportalen wird davon abgeraten“, erinnert sie sich. Saba wagte es trotzdem, schaute viele Videos, tauschte sich über Instagram mit anderen aus und entschied sich für das Produkt Betondesignoptik von Schöner Wohnen. Los ging es mit der Entfernung der Silikonfugen und der Entfettung der Fliesen. Der nächste Schritt war das Glattziehen der Fugen. Nach der ersten Schicht kam die Euphorie: Es klappt! Insgesamt zwei Schichten trug Saba auf und schliff sie jeweils glatt. Auf die Spachtelschicht kam eine Versiegelung, damit diese wasserabweisend wurde. Diese Versiegelungen sind farbig oder farblos erhältlich. „Man kann die Farben mischen und ich entschied mich für zwei Mal Beige, zwei Mal Weiß und ein Mal Grau. Das ergab einen schönen hellen Taupe-Ton.“ Im Zusammenspiel mit den schwarzen Armaturen entstand ein edles Bad mit Spa-Ambiente. „Ich würde es jederzeit wieder so machen. Das hat sich echt gelohnt.“
„Man kann die Farben der Versiegelung mischen. Das ergab einen schönen hellen Taupe-Ton.“ Saba
Handwerkerin
„Selbst machen“ ist das Motto in Sabas Leben. Neben ihrer Tätigkeit als Friseurin arbeitet sie in einer Töpferwerkstatt in Kinderhaus, näht Hausschuhe aus Leder für Kinder und Erwachsene, färbt Kerzen oder fertigt Seifen. „Wenn ich etwas für mich entdecke, vertiefe ich mich völlig da hinein.“ Bis vor kurzem diente das Schlafzimmer im ersten Stock noch als Werkstatt, aber nun hat Saba sich im Atelier Freiraum Breite Gasse eingemietet, das nur wenige Fahrradminuten entfernt liegt.
Die Räume ihrer Wohnung erfahren öfters mal eine neue Nutzung. „Wenn man auf kleinem Raum lebt, muss immer mal wieder geschaut werden, ob sich alle so wohlfühlen.“ Die beiden Jungs hatten lange Zeit ein gemeinsames Zimmer, doch der ältere wünschte sich ein eigenes Reich. „Aus dem früheren Jungszimmer wurde dann erst unser Schlafzimmer mit meiner Werkstatt und nun, nach dem Auszug der Nähmaschine, ein größerer Raum für Sam und mich.“
Instagram: @saba_ameli @youngs.moccs