MÜNSTER! Magazin

Foto: Peter Leßmann

N°148


15 Jahre Zucchini Sistaz!!!

Exklusiv fürs MÜNSTER! Magazin konnten wir die Zucchini Sistaz, Münsters Expertinnen für dynamischen Wohlklang auf überregionalen Bühnen, zum quirligen Fotoshoot und ganz persönlichen Interview an unseren Herzensort, den Botanischen Garten, locken – was für ein Tag!

Text Britta heithoff


Seid Ihr nicht die Avocados? „Ja klar!“, antworten die Zucchini Sistaz strahlend der zufälligen Passantin im Botanischen Garten, die die Damencombo erkannt und die diese direkt (und beinahe korrekt) begrüßt hat. Tina Werzinger, Jule Balandat und Sinje Schnittker haben das Herz am rechten Fleck und beantworten an diesem sonnigen Morgen in Münster noch so manche Frage – wir haben uns hier zum Interview getroffen und das ist immer auch ein kleines Happening mit den drei Damen, die für ihre Swing-Musik, für überbordendes Talent mit Stimme und Instrumenten und für ihren besonders herzlichen Humor bekannt sind. Seit 15 Jahren stürmen sie die Bühnen, stets in Grüntöne gehüllt, detailverliebt gekleidet, oft mit reich verziertem Clou auf dem Hütchen, an der Fönwelle, um die Hüften und Handgelenke. Ein Gesamtkunstwerk, das mehr als die Summe seiner Teile ist.

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Wer kommt mit dem Fahrrad zum Interview und hat auch noch ganz zufällig einen Sonnenschirm dabei? Die Zucchini Sistaz (von links Sinje Schnittker, Jule Balandat und Tina Werzinger) - sie sind ein Gesamtkunstwerk! Foto: Peter Leßmann

Mit dem Feuerwehrauto zum Promenadenflohmarkt


Autodidaktisch haben sie vor 15 Jahren angefangen: „Wir haben erst gar nicht verstanden, wie das mit der Musik und ‚eine Band sein‘ funktioniert“, geben die exzellent ausgebildeten und gestandenen Instrumentalistinnen zu. „Aber wir haben mächtig dazugelernt!“. Nahbar und extravagant zugleich sind Zucchini-Sistaz und immer für eine verrückte Idee gut. Das war auch schon immer so. Sonst hätten sie nicht in ihren Anfängen, als sie noch nicht wussten, wie sie das Publikum auf sich aufmerksam machen können, so ungewöhnliche Wege gewählt wie einmal, als sie sich dachten: „Wenn die Menschen noch nicht zu uns kommen, dann düsen wir doch einfach zu den Menschen!“ Auf einem umgebauten lilafarbenen britischen Feuerwehrauto fuhren sie dann musizierend an Münsters Promenadenflohmarkt vor …

„Unsere Entwicklung in den vergangenen fünfzehn Jahren war dann irgendwie magisch“, es glitzert in den Augen der Musikerinnen bei der Erinnerung, „es ist so etwas wie Liebe passiert zwischen uns und dem Publikum – wir möchten einen Zauber auslösen, wie ein liebevoll verpacktes Geschenk. Und die Zuhörer packen es beim Konzert Schritt für Schritt aus.“ 

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Diese drei Instrumente sind nur „das kleine Besteck“ der Live-Band, die schon über 1.000 Konzerte in 15 Jahren gegeben hat. Foto: Peter Leßmann

Natürlich haben die vergangenen 15 Jahre nicht nur die Fans mit dem musikalischen Gemüse zusammengeschweißt, sondern auch die Zucchinis miteinander: Nachdem das Trio noch in der Besetzung Jule Balandat, Tina Werzinger und Marie Nandico (liebe Grüße!) gestartet war, ist seit 2014 Sinje Schnittker fester Teil des turbulenten Ensembles. Sinje spielt nicht nur gefühlt ein Dutzend Instrumente gleichzeitig, ihre Umsetzungsstärke kommt auch an vielen anderen Stellen zum Einsatz. „Wir hatten uns fürs Weihnachtskonzert mal gestrickte Motivpullis gewünscht. Während wir noch drüber nachdachten, klapperten in Sinjes Händen schon die Nadeln. Allerdings bestrickte sie mit Sternen, Herzen und anderem Christmas-Dekor nicht uns selbst, sondern Kontrabass, Gitarre und Co.“, erinnert sich Tina Werzinger 

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Mini-Bigband vor Maxi-Kakteen: „Wir nehmen jetzt mal Haltung an“, meinen die drei Musikerinnen durchaus wörtlich: Ihre Musik hat auch eine „Message“. Foto: Peter Leßmann 

Drei Zucchinis, viele Talente 

Die unterschiedlichen Talente zahlen auf das Gesamtensemble ein: Wenn es bei den Proben in Jule Balandats Küche an Münsters „Grünem Grund“ etwa mal stockt, greift die Hausherrin zu Schneebesen und Kochlöffel und bruzzelt der Band erstmal was Nahrhaftes. Wen wundert es, dass es sogar ein Zucchini-Sistaz-Kochbuch gibt? Dreimal dürfen Sie raten, welches Gemüse im 2009 erschienenen Titel im Mittelpunkt steht. Liebe geht schließlich durch den Magen und dass die drei sich verstehen, das ist lebensnotwendig bei so vielen Tagen und Wochen Tourleben zusammen. Wiederkehrende Aufgaben und Rituale sind hier unabdingbar: „Wenn wir unsere Zucchini-Welt (Ja, so kann man es nennen, wenn man die Bühnenaufbauten und Kostümfeuerwerke kennt, Anmerkung der Redaktion) für eine Konzert-Tournee packen, dann ist Jule unsere Tetris-Künstlerin, die alle Hutschachteln, Lederboxen, Instrumentenkoffer und Schuhkartons (zu Höchstzeiten waren es 30!) hochkonzentriert in unser Zucchinimobil einpasst“, erzählt Sinje. Während der Fahrt heißt es dann: Nicht mit der Fahrerin sprechen, bis zum Ortsschild! Konzen­tration first, Konzerttrubel second. Vor Ort angekommen wird dann erstmal das „Kaffeeorakel“ befragt: Die Erfahrung hat die drei Musikerinnen gelehrt: „Je schlechter die Plörre, desto besser der Auftritt nachher“, die drei lachen und verdrehen die Augen.  

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Foto: Peter Leßmann

Die drei Zucchinis harmonieren, musikalisch und menschlich, so funktioniert das Gesamtrezept, ähm, -konzept, die Persönlichkeiten greifen quasi ineinander. Etwa weil Tina es liebt, sich von Jule im Lastenrad rumkutschieren zu lassen und Jule sich im Gegenzug von Tina so gern die Fingernägel lackieren lässt. Die zwei leben beide in Münster, Tina übrigens mit eigenem Gemüsegärtchen auf der Dachterrasse ganz in der Nähe der Promenade) und als Duo haben sie auch eine eigene Radiosendung (genannt Klatschmohn, auch in der Mediathek: nrwision.de – hören Sie doch mal rein!).  

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„Im Botanischen Garten gibt‘s so einen ‚lost place‘, wo man eigentlich grad nicht rein darf“, flüsterte uns Tina ins Ohr. Und schwupps, waren wir mittendrin für dieses Foto. Foto: Peter Leßmann

Eine Umarmung – aber bitte mit Haltung!

Wortwitz können die kreativen Musikerinnen schließlich, das beweisen sie auch bei den oft eigenen Texten zu vielmals vertrauten Melodien. Auch wenn diese häufig „Das Schöne in die Welt tragen“, sind hier auch immer öfter Haltung und inhaltliche Aussagen mit Substanz mitverpackt: „Wir möchten eine Umarmung für das Publikum sein aber zugleich auch zeigen: Wir alle haben es in der Hand, unsere Welt zupackend mitzugestalten“, so die Zucchinis. Neuere Melodien und Texte etwa verspricht die erst nach dem Redaktionsschluss dieser Ausgabe frisch veröffentlichte „Scheibe“ Zucchini Sistaz live mit der SWR Big Band, limitiert auf 500 Exemplare, mit fünf Titeln, unter anderem mit am Mikro: Zucchini-Freund Götz Alsmann.  

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Foto: Peter Leßmann

Prickeln inklusive

Und apropos Extras: Man munkelt, dass es passend zu den Jubiläumskonzerten am Sonntag, 12. Oktober (die Karten hierfür waren schon nach einer Woche ausverkauft!) und am Sonntag,  9. November (hier gibt es noch einige Tickets, sind Sie dabei?) im Theater Münster etwas besonderes Prickelndes ausgeschenkt wird: ein Original Zucchini-Sistaz-Sekt ist eigens „in der Mache“. Perfekt zum Anstoßen. Auf: 15 Jahre Zucchini Sistaz!

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Für jeden Spaß zu haben: Vielen Dank an unseren Fotografen Peter Leßmann (hinter der Kamera) und an Sinje, Jule und Tina (hier auch samt Autorin Britta Heithoff) für den wunderbaren und witzigen Fototag im Botanischen Garten! Wir sehen uns beim Jubiläum. Foto: Peter Leßmann

15 Jahre Zucchini Sistaz

Noch gibt es Karten für das Jubiläumskonzert am Sonntag, 9. November, um 18 Uhr im Theater Münster! Alle Konzert-Termine „nah und fern“ (die Weihnachtskonzerte in der Friedenskapelle etwa sind legendär!) via zucchinisistaz.de

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