N°148
Coffee & Flowers = Alex
Mit den Händen zu arbeiten, das fand Alex schon immer gut. Die gelernte Floristin hantiert gern mit frischem Grün und bunten Blüten, liebt es aber auch, unter Menschen zu sein und diese mit richtig gutem Kaffee und mit Leckereien zu verwöhnen. In der Kaffeegiesserei am Hansaring lebt sie beides.
Text Britta heithoff
Kennen Sie das „Service High“? Alex Arendt fühlt es, wenn sie kellnert, und die Autorin dieses Textes weiß (als frühere Thekenkraft in Münsters Rick’s Café der 1990er Jahre) genau, was Alex meint. Es ist dieses Agieren mit den Menschen, das Herumwirbeln hinter der Bar, das „Gewusel wuppen“ mit dem Team, das Menschen wie Alex Energie schenkt anstatt raubt. Und das ist auch der Grund, warum Alex Arendt, Mitarbeiterin in der Kaffeegiesserei am Hansaring, als voll ausgebildete und erfahrene Floristin, auch weiterhin Cappuccini gießt, Salate zum Tisch bringt, Limonaden zubereitet und mit Gästen scherzt. Das „Service High“ bei alledem ist ihr ins Gesicht geschrieben.
Die im Frühjahr 1996 in München geborene Alex landete schon im Alter von 20 Tagen im Münsterland, genauer: in Ascheberg, wo sie fortan gemeinsam mit ihrer Familie bei ihrer Oma lebte. „Als Kind war ich viel kreativ, ich wuchs quasi ‚in Omas Garten auf‘, kochte viel mit ihr, malte, wir hatten ein wunderschönes Miteinander der Generationen“, schwärmt die 29-Jährige. Als Schülerin wechselte sie erst vom Gymnasium zur Realschule, von dort dann ans Adolph-Kolping-Berufskolleg mit Abschluss „Abitur in Richtung Gestaltung“. „Schon in der frühen Schülerinnenzeit wollte ich immer im Café arbeiten, die haben mich aber nicht genommen, ich war noch zu jung“, erinnert sich Alex.
Nach dem Abi ging sie, die das Unterwegssein durch viele zurückliegende Reisen mit ihrer Mutter kannte, zunächst nach Australien, lernte dort ihren Freund kennen, der aus Antwerpen stammte. Also dann dorthin, gemeinsam mit ihm, mit Sprachschule und neuen Erfahrungen. „Einmal haben wir mit Freunden in einer Antwerpener Bar gefeiert. Es war viel los, der Betreiber bat mich, im Service einzuspringen und da erlebte ich es zum ersten Mal: das Service-High! Es hat mir so viel Spaß gemacht und ich war am Ende des Abends, als ich ein paar Scheine für die Hilfe in die Hand gedrückt bekam, fast irritiert: Ach, das ist ja Arbeit! Hat sich gar nicht so angefühlt.“ So stieg Alex in ihren ersten Gastronomiejob ein. „Nach den Schichten haben wir oft noch zusammengesessen, gesungen und Gitarre gespielt – es war so schön!“, strahlt sie.
Sie war 21, da meinte ihre Mutter: „Alex, jetzt musst Du mal was Richtiges machen, damit Du ’was auf dem Papier vorzuweisen hast“. Sie überlegte. Was mit den Händen sollte es sein. Konditorin vielleicht. Oder Floristin? Diese Idee fand Alex’ Oma, wir erinnern uns an das Aufwachsen im Familiengarten in Ascheberg, sehr gut: „Mach das!“.
Und so folgte Alex ihrem Herzen und Omas Rat und begann eine Ausbildung zur Floristin. „Das war echt Arbeit“, erinnert sie sich, „manchmal 60 oder 65 Stunden pro Woche!“. Aber auch so besonders, denn „Blumen bringen Menschen in Verbindung, sie versüßen den Tag beim Blumenkauf und beim Verschenken, Blumen trösten auch, etwa bei Trauerfällen.“ Nach ihrer Ausbildung kehrte Alex nach Münster zurück und arbeitete ein Jahr lang in ihrem Beruf. Ihre Stelle bei Die Floristen auf der Salzstraße war ein Glücksgriff. „Hier habe ich ganz viel dazugelernt!“, freut sie sich. „Aber ich habe die ‚Gastroluft‘ vermisst, die Menschen, das Miteinander, die Lockerheit, nah dran zu sein an den Leuten“.
„In aller Ruhe wird das Kaffeegiessen gelernt und geübt. Wir sind ja ein ,Specialty Coffee Betrieb‘ mit extrem hohen Standards rund um die Kaffeequalität und mit wechselnden Bohnen.“ Alex Arendt
Also schaute sie sich um in Münster, notierte sich Gastronomiebetriebe, in denen sie sich wohlfühlte, schwärmte aus auf der Suche nach einem Job. „Die Kaffeegiesserei war gleich der erste Stopp auf meiner Tour“, Betreiberin Karin Jüdes-Sürken suchte gerade Unterstützung, es hat direkt harmoniert, hier passte Alex einfach rein – keine weitere Suche notwendig. „Ausgerechnet beim Blumenanschneiden im Café habe ich mich – als gelernte Floristin! – dann direkt verletzt und bin erstmal ausgefallen“, Alex verdreht die Augen. „Als ich wieder fit war, konnte es aber losgehen, wie alle Neuen bin ich erstmal in der Küche angefangen: Was steht auf der Karte, wie verarbeiten wir was, ich durfte alles mit Augen, Ohren und Mund probieren, hier erstmal ankommen und eintauchen. Bei Küchenchefin Kathi in der Küche ist der Ort, ‚wo alles passiert‘. Dann habe ich mich in den Service geschmissen, hier konnte ich das Wissen anwenden, es gibt viele Details, Du musst ja auch über Allergene und Ähnliches Auskunft geben können! Die Kaffeemaschine ist dann das Herzstück der Kaffeegiesserei. Montags, wenn das Café geschlossen ist, gibt es hier ein Einführungsritual, in aller Ruhe wird das Kaffeegiessen gelernt und geübt. Wir sind ja ein ,Specialty Coffee Betrieb‘ mit extrem hohen Standards rund um die Kaffeequalität und mit wechselnden Bohnen (neben der Kaffeegiesserei-Hausmischung aus der roestbar, Anmerkung der Redaktion). Bei den Kaffeespezialitäten geht es um Säure, Bitterness, Geschmacksnuancen. Ich arbeite extrem gerne hier an unserer Siebträgermaschine“, erzählt Alex, die von sich sagt, sie habe in der Kaffeegiesserei „Sicherheit gewonnen“.
Seit zweieinhalb Jahren arbeitet sie nun hier am Hansaring, seit diesem Mai mit einem neuen Twist. Denn sie ist auch (abseits des Blumenrichtens in der Kaffeegiesserei selbst) zurück zu ihren Wurzeln gelangt und hat sich neben ihrem Job im Café mit halber Stelle als Floristin selbstständig gemacht – unter Almar Floraldesign (almar-floraldesign.de) firmiert sie nun und wird für Hochzeiten, Events „und alles drumerhum, was mit Blumenschmuck zu tun hat“, gebucht.
Ihre Blumenwerkstatt? Zuhause in der Wohnung in Radnähe zur Kaffeegiesserei oder im Atelier in Ascheberg, dort, wo sie aufgewachsen ist. Und wie sieht es mit der Freizeit aus bei zwei so unterschiedlichen Jobs? „Gern bin ich bei Mama und Oma in Ascheberg zum Mittagessen und Kuchen essen, so schön, wenn wir Zeit miteinander verbringen können! Aber natürlich liebe ich auch das „Caféhopping“ mit meinen Freundinnen und Freunden“, sagt Alex. „In Münster gibt es so viele tolle Spots zum Kaffeetrinken und Genießen!“. Finden wir auch. Und die Kaffeegiesserei mit Alex und ihren Teamkolleginnen gehört ganz sicher dazu.
Durch die Kehle in die Seele“ lautet das Credo in der Kaffeegiesserei, dem Kaffeehaus mit skandinavischem Flair und einem Hauch 1960er Jahre. Dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr servieren Karin Jürdes-Sürken und ihr Team nur wenige Schritte vom Hafenbecken entfernt Kaffeespezialitäten, Frühstück und kleine Speisen, hergestellt in traditionellem Handwerk und „so regional es geht“. Feine Dinge von hoher Qualität ergänzen in einem kleinen Shop das Sortiment: etwa wunderschöne Tassen, Bowls und Vasen und Spezialitätenkaffees befreundeter internationaler Röstereien.
kaffeegiesserei.de