N°148
Das grüne Wohnzimmer des Südviertels
Es duftet nach Grillwurst, Kinder quietschen an plätscherndem Wasser, Bälle ploppen gegen Speckbrettschläger, Lesende sitzen im Schatten, Sonnenbadende liegen auf der Wiese – willkommen im Südpark! Teil 6
unserer Serie zu Münsters Stadtparks.
Text cornelia höchstetter
DER PARK IN EINEM (langen) SATZ
Der Südpark ist wie ein überdimensionierter Garten der Südviertel-Bewohner, ein Treffpunkt aller Altersklassen und sämtlicher Stadtbewohner – und das mit dem Charme eines 1970er-Jahre-Stadtparks.
Wo liegt der Park?
Die nordwestliche Spitze des Parks tangiert die Hammer Straße, ansonsten umschließen Dahlweg, Augustastraße, Südstraße und Kronprinzenstraße den Südpark. Rundherum befinden sich Wohngebäude des Südviertels sowie Kindergärten und ein Caritas Altenzentrum.
Zutritt zum Park
Der Park ist von allen Seiten erreichbar: Von der Hammer Straße aus über den Sankt-Josephs-Kirchplatz, vom Dahlweg aus an mehreren Stellen, von der Augustastraße führt ein Torbogen auf den erhöhten Geländeteil des Parks, ein anderer Eingang befindet sich an der Ecke der Südstraße, die im Verlauf zwei weitere Eingänge bietet.
So erleben die Besucher den Park
„Ein echter Bürgerpark“, findet Fritz von Poblotzki, ehemaliger Stadtplaner von Münster und Kenner vieler Parks und deren Geschichten. Theresa Karstens von der Fachstelle Landschaftsarchitektur im Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit der Stadt Münster sagt: „Typisch für die Parks der 1970er waren die Platzierung einer Liegewiese in der Mitte und die geschwungenen Formen der Wege oder der Wasserelemente.“ Früher war an der Stelle des heutigen Wasserspielplatzes ein Wasserbecken – mehr dazu in der „Geschichte des Parks“. Der Wasserspielplatz ist inzwischen eine der großen Attraktionen des Parks (siehe auch Spielplatzserie MÜNSTER!, #115). Die Kinder können Wasser fließen lassen, pumpen, Kanäle fluten, Wasser aufstauen und vieles mehr. Bei Sonnenschein liegen die Südviertel-Besucher auf der Wiese, Hunde flitzen umher, Fahrradfahrer nutzen die Abkürzung von der Süd- zur Hammerstraße – inzwischen ist das auch völlig legal. Kindergartengruppen tummeln sich, auf dem Spielplatz für die Kleineren treffen sich gerne Tagesmütter. Ab Nachmittag kommt die Grill-Fraktion, Geselligkeit ist Trumpf.
Eher förmlich klingt die Beschreibung des Südparks im Buch Parks und Gärten links und rechts der Ems, herausgegeben vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe: „Neben den gestalterischen, ästhetischen und stadthygienischen Funktionen hat der Südpark eine wichtige soziale und kulturelle Bedeutung für die umliegenden Wohnquartiere.“ Diese wahre Bedeutung wird einem klar, wenn man sich die Erinnerungen der Anwohner anhört, die das Areal noch vor der Umgestaltung zum Stadtpark kennen. Siehe „Geschichte des Parks“: Bis zum Zweiten Weltkrieg war dort Kasernengelände. In der Nachkriegszeit eine Art Gewerbegebiet. Der Südpark wurde in den Jahren 1975 bis 1979 gestaltet. Münsters Stadterzähler Henning Stoffers wurde im Südviertel groß: „Als Kinder sind wir an der Kasernenmauer entlang der Südstraße gegangen und kletterten durch die Gitter, die teils von Granateneinschlägen verbogen waren. Einmal haben mein Bruder und ich eine Flasche mit Karbid gefunden – wir füllten sie mit Waser auf – und sie explodierte.“ Mehr von Henning Stoffers Südviertelgeschichten finden Sie auf seiner Homepage: sto-ms.de.
Hermann Holzapfel, 73, hat Anfang der 1960er Jahre als Kind im Südviertel gewohnt. „Wir haben dort als Kinder verwilderte Trümmergrundstücke entdeckt. Das war der Nachkriegs-Charme der 1960er Jahre. In der ehemaligen Trainkaserne waren Handwerksbetriebe untergebracht. Auf den Straßen gab es noch die Gaslaternen: wir kletterten hoch und löschten das Licht aus …“
Die Kinder der 1970er Jahre erlebten den Park in seiner Anfangszeit und haben deutlich grünere Erlebnisse abgespeichert: Sabine Heüveldop, 61, ist im Südviertel aufgewachsen: „Wir hatten von unserem Balkon den direkten Blick ins Grüne.“ Für sie und ihren Bruder war der Park vor allem ein idealer Spielplatz, denn im Hof ihres Wohnhauses störte Kinderlärm die Nachbarn. „Ich kann mich noch erinnern, dass der Park viel weniger bepflanzt war als heute. Der Hügel an der Südseite war im Winter unser kleiner Schlittenhang und im Sommer war für meinen jüngeren Bruder der Speckbrettplatz ein beliebter Anlaufpunkt. Im Herbst sammelten wir gerne Kastanien. Und sogar meine Oma saß noch im hohen Alter gerne auf einer der Parkbänke und hat dort Bekanntschaften geknüpft.“ Später, in den 1990er Jahren war Sabine mit ihren Kindern im Südpark, wenn sie mit ihrer Familie zu Besuch bei ihren Eltern war. „Meine Tochter und mein Sohn fuhren gerne mit ihren Rädern die Wege ab und erinnern sich heute noch an die Seilbahn auf dem Spielplatz.“ Und auch sie sammelten mit Leidenschaft Kastanien zum Basteln. Die fünfte Generation der Familie liegt zwar noch im Kinderwagen – und wird von Oma und Urgroßeltern durch den Park geschoben. Aber wer weiß, vielleicht steht ihr (Ur-)Enkelkind in wenigen Jahren unter den Bäumen – mit Kastanien in den Taschen.
ALLE WEGE DURCH DEN PARK
Der Südpark hat einen Hauptrundweg, der im Rahmen der Sanierung inzwischen auf einem Teilstück im Norden offiziell für Fahrräder erlaubt ist. Es ist die Abkürzung von Süd- zur Hammer Straße. Im Westen schlängeln sich Wege im Schatten zwischen Pflanzinseln. Zwischen den vier Speckbrettplätzen und dem Wasserspielplatz verläuft der Hauptrundweg auf der Westseite. Abzweigungen teilen die freie Wiesenfläche in drei Teile. Umringt vom Wegenetz werden der östliche Spielplatz genau wie der eingezäunte Abenteuerspielplatz ABI Münster. Verlaufen kann man sich nicht, aber Varianten zum Spazieren gibt es genug.
Natur-/Kunst-Denkmäler
Im Südpark Richtung Südstraße steht das Naturdenkmal Nr. 160 auf der städtischen Liste: eine Baumgruppe, die aus Stieleiche, Kastanie, Platane, zwei Eschen und einer Blutbuche besteht.
Gleich am Anfang des Parks, kommt man von der Josephskirche aus, steht ein echtes Münster-Denkmal: zusammengeschweißte Fahrradteile bilden eine hoch gestreckte Skulptur. Das Kunstwerk steht allerdings nicht auf der offiziellen Liste der städtischen Kunstobjekte. Wer mehr darüber weiß, darf uns gerne eine E-Mail senden: redaktion@muenster-magazin.com
Der älteste Verein für Brauchtumspflege im Südviertel, die St.-Lambert-Joseph-Schützenbruderschaft, stellte einen Gedenkstein im Park auf und pflanzte 1985 zu ihrem 150-jährigen Bestehen drei Linden.
Ein echtes „Denk“- oder besser ein Mahnmal bezüglich der Kriegszeit ist ein „Einraumbunker“, der zuletzt am Dahlweg bei der Wäscherei Edelweiß im Gründickicht auf privatem Grundstück stand. Er besteht aus einem Stahlbetonzylinder und hat einen halbkugeligen Deckel. „Die Wände sind lediglich von einer Türöffnung und waagrechten, etwa 25 Zentimeter breiten Sehschlitzen durchbrochen. Die Tür besteht aus Eisen“, so beschreibt die Denkmalbehörde den Bunker, ein Serienprodukt aus der Zeit ab 1939. Als Denkmal sei er ein Beleg für eine der Schutzmaßnahme des Zweiten Weltkriegs.
BESONDERE BÄUME
Echte Hingucker sind im Frühsommer die rot und weiß blühenden Kastanien. Fritz von Poblotzki macht auf die Platanen aufmerksam, die vom Alter her noch aus der Zeit der Militärkaserne stammen könnten. Im Jahr 2019 haben 350 Kinder und Erwachsene eine „Kinder-Klima-Karawane“ mit Ziel Südpark gebildet und haben dort eine Schwarznuss gepflanzt. Deren Botschaft ist eine gesunde Welt für die Zukunft der Kinder.
BESONDERE PLÄTZE
Im Park gibt es mehrere Stellen, die eine Blickachse zur Josephskirche herstellen. Besonders hübsch sieht das von den Wasserfontänen aus, die zum Redaktionsschluss noch außer Betrieb waren. Der Hang am Parkeingang im Süden besteht wahrscheinlich aus ehemaligem Abraum, ist aber heute ein bunt bepflanzter Aussichtsplatz mit einem guten Überblick. Für viele das Herzstück: Die Liegewiese in der Mitte bei Sonne – bei schlechtem Wetter Raum für tobende Hunde. Der Südpark bietet viele Plätze für aktive Besucher: Am Speckbrettplatz ploppen fast immer Bälle von Schläger zu Schläger, vier Spielfelder sind von 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit, spätestens bis 20 Uhr geöffnet und kostenlos zu nutzen.
WASSER
In den Anfangszeiten des Parks befand sich im Westteil des Parks ein geschwungenes Wasserbecken. „Das war im Sommer ein Teich und im Winter eine wenig ansehnliche Asphaltschüssel“, kommentiert Fritz von Poblotzki, ehemals im Stadtplanungsamt der Stadt Münster. Heute ist dort der bereits vorgestellte Wasserspielplatz, der im Zuge der großen Sanierung in den letzten Jahren entstand.
DIE GESCHICHTE DES PARKS
Was heute ein Ort fröhlicher Spiele und ein Treffpunkt unter freiem Himmel ist, war früher ein Militärstandort. Von etwa 1877 bis 1945 lag an der Hammer Straße die sogenannte preußische Trainkaserne samt Depot auf einem Grund von 5,3 Hektar. Die Bezeichnung „Train“ bezog sich auf „Tross“, damit waren Versorgungswagen gemeint. Von der Kaserne im Süden von Münsters Mitte aus wurden Kriegstruppen mit Verpflegung und Nachschub versorgt. Laut historischer Quellen sollen etwa 200 Männer in Mannschaftshäusern untergebracht gewesen sein, und mehrere Depots und Remisen hatten mit Platz für bis zu 120 Wagen, zudem standen auf dem Gelände noch Werkstatt- und Montagehallen. In alten Stadtplänen von 1833 lag rund um die Kaserne unbebautes Land, soweit in den Süden war die Stadt noch nicht vorgerückt. 1903 sieht das schon anders aus, an der Augusta-, Süd- und Kronprinzenstraße umzingeln bereits Häuser und Hausreihen mit Gartengrundstücken das Kasernengelände. Der ehemalige Stadtplaner Fritz von Poblotzki erklärt die Wahl der Lage für die Trainkaserne mit der Nähe und der Anschlussmöglichkeit an den Eisenbahnschienen, die es damals schon gab.
Im Zweiten Weltkrieg wurde viel zerstört, danach nutzten Gewerbetreibende die Kasernenflächen und erst in den 1970er Jahren entstand der Südpark. Für Fritz von Poblotzki ist der Südpark wegen des Wandels von der Militärkasernen zum grünen Wohnzimmer des Südviertels der eigentliche Friedenspark der Stadt – den namentlichen Friedenspark in der Loddenheide haben wir übrigens in der Januarausgabe Heft dieses Jahres vorgestellt.
Beinahe wäre die Geschichte des Südparks nie geschrieben worden: Der Generalverkehrsplan von 1969 beinhaltete eine sechsspurige Südtangente als neue Hauptverkehrsstraße durch die Südstadt vor, mit einer Untertunnelung der Bahnanlagen, um den Kolde-Ring mit dem Hansa-Ring zu verbinden. „Als Oberstadtdirektor Dr. Hermann Fechtrup Anfang der 1970er Jahre deren Umsetzung ankündigte, löste das den ersten großen Bürgerprotest der Nachkriegszeit aus, woraufhin das Vorhaben aufgegeben wurde“, erzählt Fritz von Poblotzki.
So wurde es also doch noch Grün im Südviertel: Hans Sachse hieß der Landschaftsarchitekt, der im damaligen Gartenbauamt der Stadt Münster den Südpark konzipierte. Zwischen 1976 und 1979 verwandelte sich die Fläche in den 53.000 Quadratmeter großen Bürgerpark.
Im Jahr 2015 beschloss die Stadt nach vielen Jahrzehnten eine grundlegende Sanierung für 1,85 Millionen Euro – unter Beibehaltung der ursprünglichen Form und Struktur. Das war auch der Wunsch der Anwohner, die im Rahmen einer Bürgerbeteiligung das Entwicklungskonzept mitbestimmen konnten. „Die Bürger wollten auch eine Wasserfläche im Park behalten“, sagt Theresa Karstens vom Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit. Wichtig waren ihnen zudem die zwei Ballspielplätze, von denen einer multifunktional verändert werden sollte und auch wurde. Gefragt waren mehr Mülleimer. „Wir haben zwei Unterflurcontainer aufgestellt, mit großem Volumen unter der Erde, das zum Leeren des Mülls abgesaugt wird. Mehr Sitzgelegenheiten wurden aufgestellt“, zählt Theresa Karstens auf. Die Bürger wünschten sich auch mehr Toiletten – das Problemthema der Parks. Wie im Wienburgpark stehen zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses die Übergangslösungen aus den „Toilettenkabinen“ nahe der Josephskirche.
Im Rahmen der Sanierung passte die Stadt die Bepflanzung der Staudenbeete teils neu an und wählte klimaresistente Arten aus. Verschwunden ist eine Pergola, neu dagegen sind drei Hochbeete für ein Urban-Gardening-Projekt – das allerdings bislang überschaubar begeistert angenommen wird. Was ist heute typisch Südpark? Theresa Karstens sagt: „Die Anwohner gehen sehr rücksichtsvoll mit ihrem Park um. Auch nach Feiertagen oder Festen gibt es keine großen Müllhaufen. Das ist wirklich positiv auffallend.“
EINKEHREN/PICKNICKpLÄTZE/SPIELPLÄTZE
An Kneipen und Cafés im Umkreis des Parks mangelt es nicht: die Bar Tom & Polly an der Hammer Straße, das Lit:fass am Dahlweg, das Café Tante August in der Augustastraße, die Stände vor der Josephskirche … Zum Picknicken bietet sich der komplette Park an, neben der Wiese gibt es auch Sitzgruppen. Nochmal eine Zusammenfassung der Spielplätze: im Ostteil befindet sich der Spielplatz für größere Kinder, in der Nähe der Josephskirche ein Platz für kleinere Kinder, ein multifunktionales Spielfeld, im Süden ein vierfacher Speckbrettplatz und der Wasserspielplatz – nicht zu vergessen ist der betreute Abenteuerspielplatz ABI Südpark der Stadt Münster für sechs- bis 13-jährige Kinder. Dieser existiert bereits seit 1973 und heute wie damals locken Baumhäuser, Piratenschiff, Bauhütten und mehr. Der Park im Park ist öffentlich und kostenlos
ANSCHLUSS AN WEITERES STADTGRÜN
Der Südpark liegt als einer der weniger Stadtparks autark inmitten von Bebauung.
WIR LIEBEN URBANE ENTDECKUNGEN
Genau ein Jahr lang haben wir nun einige von Münster vielen Parks in loser Folge vorgestellt. Zukünftig wenden wir uns wieder vermehrt anderen Themen in der Stadt zu. Es gibt so viel zu berichten und zu entdecken. Bleiben Sie gespannt!