MÜNSTER! Magazin

Tom kam mit seinen beiden Kindern oft am ehemaligen Feinkostladen vorbei. Als die Immobilie frei wurde, meldete er sich mit seinem ausgearbeiteten Konzept sofort beim Vermieter – mit Erfolg. Foto: Maleen Focken

N°159


Im Kreuzviertel leuchtet es Neonorange

Im Herzen des Kreuzviertels hat ein echter Hingucker eröffnet: LunaVia Café & Weinbar nahe der Heilig-Kreuz-Kirche ist Café, Tagesbar und Showroom zugleich. Espresso am Vormittag, ausgewählte Weine am Nachmittag, Drinks am Abend, Snacks für den kleinen Hunger zwischendurch, knallige Akzente der gleichnamigen Möbelmanufaktur LunaVia überall – das schmeckt.

Text maleen focken


Aus alt mach neu 

Auf dem Weg zum Mond – im übertragenen Sinne natürlich – lohnt sich ein Aufenthalt im LunaVia („Mondweg“, von lat. luna „Mond“ und lat. via „Weg“), dem neuen Concept Store in der Hoya­straße 2a im Kreuzviertel. Noch vor einigen Monaten stand hier „Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen“ in gelben Buchstaben auf der Schaufensterscheibe. Kaufmann Christoph Jauch führte an diesem Standort über vier Jahrzehnte einen beliebten Feinkostladen. Jetzt ist das dunkelgrüne Ladenschild mit der Aufschrift „Feinkost“ einem knallorangefarbigen Schild gewichen. Die Räumlichkeiten sind kernsaniert und kaum wieder zu erkennen. „Ich liebe es, aus alt neu zu machen“, sagt Thomas „Tom“ Kodura, der den Vermieter der frei gewordenen Fläche mit seinem Ladenkonzept – einer Kombination aus Café, Tagesbar und Showroom – überzeugte.

Tom, der im Teenageralter von Polen nach Deutschland kam und heute mit seinen beiden Kids im Kreuzviertel lebt, hat sich in Münster längst einen Namen gemacht. Neben seinem BWL-Studium mit Marketing-Schwerpunkt arbeitete er damals zeitgleich in der Textilbranche. Nach dem Abschluss ging er seiner Leidenschaft für Interior-Design nach. Unter dem Label LunaVia gestaltet er nun schon seit mehr als zehn Jahren hochwertige Designobjekte für den Innen- und Außenbereich, die etwa im Glashaus, bei Mukk und Blumen Dahlmann zu finden sind.

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Tom kam „mit 14 Jahren und zehn Koffern“ von Polen nach Deutschland. Heute ist er zweifacher Vater, erfolgreicher Gründer, stolzer Café-Betreiber und überzeugter Münsteraner. Fotos: Maleen Focken

Die Kunst des Kaffees 

„Wenn ich älter bin, will ich Barista sein“, dachte Tom Kodura, der als Student auch als Kellner jobbte. Jetzt erfüllte er sich diesen Wunsch. Das zehn­köpfige Team rund um Geschäftsinhaber Tom und Betriebsleiter Luis Alain Estrada Martínez bereitet für seine Gäste Kaffee aus eigens entwickelter 
Mischung zu. „Freunde von mir haben eine Rösterei in meinem Geburtsort in Polen“, erzählt er. „Wir 
haben vor Ort verschiedene Mischungen getestet und uns dann nach sieben, acht Versuchen für drei Sorten milden Kaffee entschieden: einmal Arabica, dann eine Mischung aus Arabica und Robusta, sowie eine entkoffeinierte.“ Diese exklusiven LunaVia-Mischungen sollen bald auch im Café in einer 250-Gramm- und einer 1-Kilogramm-Packung (Stand zum Redaktionsschluss) für die Zubereitung zuhause erhältlich sein. 

Ein guter Espresso mit perfekter Crema ist abhängig von vielen Faktoren: Kaffeemenge, Mahlgrad, Durchlaufzeit. „Da geht es um Sekunden“, weiß der Café-Besitzer mittlerweile, für den die eigene Gastronomie willkommenes Neuland ist. Als der funkelnagelneue Siebträger ankam, dauerte es vier Stunden, bis die Maschine so eingestellt war, dass das Team mit dem Geschmackserlebnis zufrieden war: „Das ist jetzt der Kaffee, den wir wollen.“ Kulinarische Köstlichkeiten wie Avocado auf Sauerteigbrot, variierende Tages­suppen, frisch gebackene Croissants mit selbst gemachter Pistaziencreme und Kuchen des münsterschen Unternehmens Küchenschätze runden die Menükarte ab – unter anderem.

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Noch vor einigen Monaten stand hier „Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen“ in gelben Buchstaben auf der Schaufensterscheibe. Foto: Maleen Focken
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Tom und Luis lernten sich zufällig kennen: Als Tom zwecks Fotoshooting im Hotel Mauritzhof war und ein Model kurzfristig absagte, sprang Luis, der im Hotel als Kellner arbeitete, spontan ein und posierte mit Beistelltisch und Co. für die Kamera. Foto: Maleen Focken

Das schmeckt nach Sommer 

Auf der Getränkekarte gibt es neben den Heißgetränken und Iced Coffees ausgewählte Weine, Champagner und Cocktails. Das Team plant außerdem einen Signature-Drink, den LunaVia Cocktail, der auf Gin basiert und mit einer cremigen Haube in Mond-Optik daherkommt. Unser Geheimtipp: Wenn sich ab 17.30 Uhr die Abendsonne auf der Terrasse blicken lässt, schmecken die Drinks besonders gut. 

Auf dem Platz südlich der Heilig-Kreuz-Kirche, die nur einen Katzensprung vom Concept Store entfernt ist, scheint indes von früh bis spät die Sonne. Das weiß das Team zu schätzen und zu nutzen: „Wir möchten den Kirchplatz einbinden, einen Picknickkorb gegen eine Kaution anbieten, Gläser vermieten und Wein mitgeben.“ Und noch was: Die Räumlichkeiten des LunaVia lassen 
sich in Zukunft von Gesellschaften mit bis zu 40 Personen für private Veranstaltungen mieten. Das klingt nach einem Plan.

„Die Menschen sollen hier eine schöne Zeit haben.“
Thomas Kodura

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LunaVia „kann Kaffee“. Im Café können Sie außerdem Tee, Kakao, Weine, Cocktails, Spritzgetränke, Smoothies, belegte Brote, Salate, Kuchen, Muffins und Croissants bestellen. Foto: Maleen Focken
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Neonakzente und LunaVia-Produkte überall, auch im Bad (links). Fotos: Maleen Focken

„Mein Herz geht auf, wenn ich eine alte Wohnung saniere.“ Thomas Kodura

Ein Traum in Taupe und Neon 

„LunaVia Café & Weinbar soll ein Raum sein, in dem Genuss und Ästhetik aufeinander treffen”, wünscht sich Tom Kodura. Die 70 Quadratmeter große Fläche ist weitestgehend mit Accessoires und Möbeln der namensgebenden Manufaktur eingerichtet: knallige Beistelltische, Kissen mit und ohne Münster-Aufdruck, Tabletts und Eta­geren in Neonfarben. Der Concept Store vereint Café und Weinbar mit Showroom und Shop. Auch die 25 kugeligen Leuchten, die in unterschied­lichen Höhen von der Decke hängen, fallen direkt ins Auge. Sie erinnern an Monde, und das ist so gewollt. Die Stühle im Innenbereich sind grau gepolstert. „Wir wollten damit eine Wohnzimmeratmosphäre erschaffen. Die Menschen sollen bei uns eine schöne Zeit haben.“ Mit wechselnden Kunstwerken an den Wänden weht obendrein „ein frischer Wind“ in den Laden. „Jetzt sind wir auch irgendwie eine Kunstgalerie“, bemerkt Tom, der münsterschen Künstler*innen die Möglichkeit bieten möchte, sich hier zu präsentieren. Runde Sticker in Neonorange markieren jene Werke, die bereits verkauft sind.

Während unserer Recherche vor der offiziellen Eröffnung des Concept Stores steckten ein paar Nachbar*innen neugierig ihre Köpfe durch die offene Eingangstür, stellten sich vor und bewunderten den neuen Treffpunkt. „Das ist ja super geworden“, hieß es. Zurzeit übt sich Tom an 
Latte Art, der kunstvollen Gestaltung des Milchschaums. Bisher ließen seine Motive im Schaum „noch viel Raum für Interpretationen“, witzelt er. Nach 80 Proben könne man diese Kunstform 
beherrschen, habe er mal gehört. Wer die 80 Cappuccini und Flat Whites trinken soll? Na Sie, wenn Sie sich auf den Weg zu LunaVia machen.

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Die Kissenhülle mit Neon­keder (so nennt man die Verzierung der Naht) war eines der ersten Produkte von LunaVia, die Tom 
damals ursprünglich für das Kinderzimmer seiner Tochter gestaltete. Foto: Maleen Focken

LunaVia Café & Weinbar  

Hoyastraße 2a, 48147 Münster  
Montag bis Donnerstag: 10–21 Uhr  
Freitag bis Samstag: 10–23 Uhr 
Sonntag: 10–18 Uhr  
Reservierungen sind nicht möglich. Gäste dürfen „einfach vorbeikommen“. 
lunavia-cafe.de