N°158
Er brennt nicht nur für Brenner
Wandlungsfähig ist die Liebe zum Handwerk und seinen Produkten und Effekten beim in Münster geborenen und in Werne aufgewachsenen Matthias Sendermann, genannt Mattes. Er ist nicht nur Experte im Bereich Heizungsbau und Energiewende, mit seinem Fachwissen ist er zusätzlich auch in zwei sehr verschiedene Genussbranchen eingetaucht.
Text britta heithoff
Schon Matthias Sendermanns Vater hatte einen Heizungsbaubetrieb in Werne zwischen Ruhrgebiet und Münsterland. Mattes’ erster richtiger Einstieg ins väterliche Unternehmen ergab sich in Schülerzeiten. Der damals 14-jährige Musikfan wollte sich ein spezielles Bauteil für seine Stereoanlage leisten. So durfte er für fünf Mark Verdienst pro Stunde mit Monteuren seines
Vaters auf die Baustellen fahren und dort aufräumen und „den Besen in die Hand nehmen anstatt an der Commodore 64-Konsole zu zocken“. Nach zwei Wochen hatte er sich das Bauteil erarbeitet, schließlich arbeitete er in allen folgenden Ferienzeiten mit und zusätzlich band ihn sein Vater auch beim Umbau des Hauses für die eigene Familie ein, etwa bei den Kupfer- und Blecharbeiten an den Fassaden und der Kupferhaube am offenen Kamin im Wohnzimmer. Mattes hatte sich entschieden. Er wollte den Beruf seines Vaters erlernen. Doch dieser wehrte sich, schickte seinen Sohn zum Berufsinformationszentrum, dieser sollte dort all seine Talente und Wünsche sorgsam prüfen. Die Tests ergaben: Uhrmacher sei der richtige Beruf für Mattes. „Die Schräubchen waren mir aber wirklich zu klein“, lacht der heute 51-Jährige.
Es kam, wie es kommen sollte: Die (verkürzte) Ausbildung zum Heizungsbauer folgte, parallel
„baute“ Mattes sein Abi. „Pass gut auf in der Schule, damit Du ein bisschen was studieren kannst“, riet sein Vater. Mattes begann dann tatsächlich sein Energie- und Versorgungstechnik-Studium an der FH Münster. Nach erfolgreich absolviertem Grundstudium verstarb plötzlich und viel zu jung sein Vater.
„Mit Anfang 20 stand ich da, ich wollte Papas Mitarbeiter nicht alleine lassen …“, erinnert sich
Mattes. Er stieg übergangsweise aus dem Studium aus, half mit beim Abwickeln des Unternehmens, bei der Suche eines Nachfolgers. Und er spürte auch: „Das Handwerk an sich hatte mir gefehlt, eigentlich machte es mir mehr Spaß als das Studium.“
zur Energiewende zu leisten. Foto: Peter Leßmann
Also brach er das Studium ab, ein mittelständisches Unternehmen suchte einen Techniker. Die hier notwendige Berufserfahrung hatte er zwar nicht, bewarb sich aber und wurde eingestellt. „Gutes technisches Grundverständnis reichte damals, Technik war etwas selbsterklärender. Da war noch nicht so viel Software, teilweise waren die Herausforderungen mit dem Auge wahrnehmbar und mit meiner Erfahrung, das war Glück für mich. YouTube-Videos gab es noch nicht, auch kein Handy um einen Kollegen anzurufen! Später gab es ein Funkgerät für Fragen oder wir sind halt zur Telefonzelle gefahren, um im Büro oder in der Werkstatt anzurufen“, erinnert sich Mattes. „Vermutlich habe ich in dieser Zeit viele Fehler gemacht, aber auch draus gelernt!“ Erstmal hier Geld verdienen, dann das Studium weitermachen. Das waren Mattes’ Gedanken damals. Er kaufte vom Gehalt sein erstes Auto, kehrte dann doch nicht zurück ins Studentenleben. „Das habe ich nicht bereut.“
Mit der Heizungstechnik ist Mattes über die Jahre mitgewachsen, Mitte der 1990er gab es dann Brennwertgeräte, den Blauen Engel als Umweltsiegel, die Kunden begannen, auf Gasverbräuche zu achten, Hersteller warben mit hohe Wirkungsgraden, es gab übrigens auch schon erste Wärmepumpen!
Mattes war bei diesem großen Shift von der ersten Stunde an dabei, beim Ende der atmosphärischen Verbrennungstechnik, bei der Einführung der Brennwertgeräte, die teils aus den Niederlanden kamen.
„Lehrgänge oder Schulungen habe ich nicht erlebt, das war eher Learning by doing. Unsere Generation hat sich das irgendwie selbst beigebracht“, erzählt er.
Nachdem sein Arbeitgeber zahlungsunfähig geworden war, musste Mattes sich nach dem nächsten Schritt umsehen: Er las in der Welt am Sonntag, dass ein Betrieb in Hamburg jemanden suchte, der sich mit Heizungstechnik an der im Bau befindlichen Elbphilharmonie beschäftigen könne. Mattes schrieb aus einer Frühstückslaune heraus eine Mail und wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen.
In dem Gespräch ging es zwar dann doch nicht Richtung Projektleiter Elbphilharmonie, sondern um eine Stelle bei Airbus, die sich mit den ganz großen Brennern beschäftigt. Mattes wurde Hamburger. „Ich stellte aber auch fest, dass ich mir in Hamburg mit einem Handwerkergehalt kein ‚Schöner Wohnen‘ leisten kann.“ In Hamburg lernte Mattes seine jetzige Frau Corinna, eine Berlinerin, kennen. Nach einem Heimatbesuch in Werne überlegte das junge Paar: „Wohin gehen wir jetzt gemeinsam? Nach Berlin oder ins Münsterland?“ Und es wurde Münster.
Als fähiger Handwerker mit viel Erfahrung fand Mattes „schnell und mit nur einem Telefonat“ einen adäquaten Job, musste nicht groß Bewerbungen schreiben. Das Unternehmen Schlering in Rinkerode, wo er auch heute (wieder, mit einer Pause zwischendurch, das erzählen wir gleich …) arbeitet, ist nun schon „brutto gerechnet“ seit über 15 Jahren sein Arbeitgeber.
Zum ersten Mal in seiner beruflichen Laufbahn wurde Mattes bei Schlering, einem Betrieb mit rund 100 Mitarbeitern und damit einem der größten dieser Branche im Münsterland, erstmals auch geschult. Dort wird Wert drauf gelegt. Hier arbeitet Mattes als einer von zehn Technikern, das Wissen von Heizungstechnikern und Elektrikern verschmilzt hier und schafft Synergien, gerade jetzt beim großen Thema Wärmepumpe, bei der Energiewende mit Photovoltaik, bei allen Fragen um Akkuspeicher.
„Während der Pandemie 2020 bis 2023 war der Wandel schon da, das Handwerk ging in die digitale Richtung, war nicht mehr so ,romantisch analog‘, dass ich mir vieles selbst erklären konnte. Alles lag in einem geschlossenen Baukasten mit Platine, darin passierte die Technik verschlossen, das machte mich nervös und unzufrieden“ erinnert sich Mattes.
Vier Jahre vor Corona war Mattes durch einen Skateboardunfall länger zuhause, hatte damals einfach mal aus Interesse seinen Kaffeevollautomat aus Kunststoff auseinandergeschraubt: „Nach dem Reinschauen wollte ich den Kaffee daraus nicht mehr trinken“, verdreht Mattes die Augen. „Und da ja eine Siebträgermaschine ‚die Harley Davidson des kleinen Mannes‘ ist, kaufte ich mir meine erste Espressomaschine dieser Art und war sehr happy, denn: Darin ist ja die Heizungstechnik der 1960er-Jahre! Ich konnte mir alles darin selbst erklären wie früher bei den Heizungen, habe mich richtig reingefuchst.“
„Ich kaufte meine erste Siebträgermaschine und war sehr happy, denn: Darin ist ja die Heizungstechnik der 1960er-Jahre!“ Mattes Sendermann
Als Mattes sich eine Kaffeemühle bestellen wollte, ging er zum Fachhändler Kliewe, sah dort auch all die schönen La Marzocco-Maschinen, die er früher schon aus ästhetischen Gründen in so manchem Café in seinen Urlauben fotografiert hatte. Er folgte Kliewe an diesem Tag bei Instagram, wo am selben Abend ein Posting aufplöppte, dass der Spezialist für Siebträgermaschinen und Handelspartner für La Marzocco in NRW einen Servicetechniker suchte. Bingo!
Beim Abholen der Mühle hat Mattes dann einfach nachgefragt: Was braucht man denn als
Servicetechniker bei Euch? Technikverständnis und Liebe zum Kaffee … bei einer Tasse Espresso und
einem Gespräch stellte sich heraus: Es passte.
Schlering war nicht begeistert, dass Mattes ging. „Aber ich bin ja nicht zum Mitbewerber gegangen, wollte nur eine Zeitlang mein Hobby zum Beruf machen. Nur darum sagte mein Chef damals: ‚Wenn
Du den Kaffee aufhast, darfst Du wiederkommen‘. Das hat mir die Entscheidung erleichtert.“
Drei Jahre lang hat Mattes Espressomaschinen auf Stand gehalten, ist durch die Lande getourt in Cafés und Betriebe, hat Baristi beraten und an vielen Orten für technisch perfekt gebrühten Espresso gesorgt. „In dieser Phase habe ich ganz nette Menschen kennenglernt – und es gab immer ’nen guten Kaffee“, schmunzelt Mattes.
„Wenn ich meinen Ex-Chef von Schlering mal gesehen habe, hat er sich erkundigt, was der Kaffeejob so macht. Irgendwann hatte ich aber vor allem das Gefühl, politisch passiert was. Die Umweltfragen, die Energiewende, die Gespräche mit alten Kollegen: Wärmepumpen ohne Ende. Da draußen ist was los; in kurzer Zeit passiert viel, ich will nicht zu lange warten, ich will Teil des Ganzen sein!“
Wie der Zufall es wollte, hatte Oliver Schlering ein Problem mit seiner Siebträgermaschine – nur eine Kleinigkeit, Mattes hatte dort nur ein Ventil gefettet. Im Anschluss saßen dann Ex-Chef und Ex-Mitarbeiter am Kamin, haben bei zwei Glas Rotwein über das Weltgeschehen gesprochen – dann beschlossen, dass Mattes zu Schlering zurückkommt.
Wie der Zufall es wollte, hatte Oliver Schlering ein Problem mit seiner Siebträgermaschine – nur eine Kleinigkeit, Mattes hatte dort nur ein Ventil gefettet. Im Anschluss saßen dann Ex-Chef und Ex-Mitarbeiter am Kamin, haben bei zwei Glas Rotwein über das Weltgeschehen gesprochen – dann beschlossen, dass Mattes zu Schlering zurückkommt.
Seinen Job bei Kliewe schloss Mattes natürlich ordentlich ab, hat seinen Nachfolger eingearbeitet, ist ‚gut aus der Kaffeesache wieder rausgegangen‘, zurück in den alten Beruf. Es war dann aber doch ein krasser Bruch, als Mattes zurück in den Ursprungsjob kam. Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine war da, zum ersten Mal hat jeder Auftraggeber auch politisch diskutieren wollen – auch Mattes Meinung dazu war gefragt, das war neu. „Das Thema war gesellschaftlich nicht gut kommuniziert, ich aber hatte verstanden, was die Politik wollte, musste das bei den Kunden ein bisschen graderücken. Es ist Aufklärungsarbeit bis heute, aber Menschen, die vor zwei Jahren noch kontrovers mit mir diskutiert habe, waren plötzlich die, die ein energieunabhängiges System wollten. Was man die letzten drei Jahre schon erzählt hat, bekam einen neuen Twist und ist täglich Diskussion für mich: Rund um die Förderung für regenerative Energiequellen kann ich nun beraten, nicht mehr nur runter in den Keller, sondern auch Gesprächspartner sein. Und ich wollte ja auch aktiv Teil der Energiewende sein!“
Mattes ging mit, was immer in der Zeit auch passierte, und das war viel: die Verknüpfung der Technik mit dem Internet, er hat seinen „Kälteschein“ gemacht, kann jetzt auch an Klimaanlagen arbeiten – es ist ein ständiges Weiterlernen und High Tech.
Aber auch hier hat Mattes einen analogen Kontrast gefunden. Er arbeitet am Wochenende als leidenschaftlicher Minijobber in der Brennerei Ehringhausen. Hier ist die Zeit seit 1963 stehen geblieben. Mattes hat sich in die Brenntechnik dort reingearbeitet, wieder hat es wie beim Kaffee mit Genuss zu tun. Es geht darum, als Minijobber am Wochenende den Besuchern das gute alte Brennerhandwerk zu zeigen, das seit 500 Jahren kultiviert wird, mit ganz viel Kupfer in der Destille und das alles sind ja auch heiztechnische Prozesse! So hat Mattes Sendermann nun seine berufliche Ausgewogenheit gefunden: Als Experte für die Energiewende bei Schlering, mit echter Wirkmacht. Und parallel als Genussmensch und Liebhaber des Analogen in der Brennerei.
Schlering
Seit 1884 kümmert sich der Meisterbetrieb Schlering in Drensteinfurt-Rinkerode darum, dass sich Menschen wohlfühlen. Im Bad, in der Küche und auf ihrem Sofa. In ihren eigenen vier Wänden ebenso wie in den Gebäuden der Geschäftskunden. Die Expertise erstreckt sind über alle Gewerke im Bereiche Heizung, Sanitär, Klima und Elektro. Schlering plant individuelle Lösungen von der Heizungsmodernisierung über die Badsanierung bis hin zur Elektroinstallation - inklusive Wartungsservice und 24 Stunden Notdienst.
schlering.de