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Blick vom Parkdeck an der Josef-Beckmann-Straße auf die Häuser der Sprickmannstraße. Foto: Cornelia Höchstetter

N°133


KINDERHAUS – hoch hinaus im Norden

Münster ist wie ein Puzzle. In unserer MÜNSTER!-Serie  stellen wir im März Kinderhaus vor. Der einwohnerstärkste Stadtteil des Nordens hat alles zwischen Großwohnsiedlung und Villen – und ist Ziel für Kulturfreunde.  

Text cornelia höchstetter


WO IST kinderhaus?

Kinderhaus liegt im Norden Münsters, ist rundum von Grün umgeben, mit etwas Abstand im Osten von Nienberge und im Westen von Coerde benachbart. Im Westen dehnt sich der Stadtteil bis an die B54 und die Steinfurter Straße, im Norden reicht Kinderhaus bis an das Wäldchen Bergbusch. Richtung Süden und Innenstadt grenzt Kinderhaus am Grünstreifen zu Uppenberg. Der Kinderbach fließt quer durchs Stadteilzentrum. Etwa 16.000 Menschen wohnen in Kinderhaus.

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Das Schild „Kinderhaus, weltoffen seit 1333“ wurde von Nina Knubel gestaltet. Foto: Cornelia Höchstetter

Historisches 

Wer nach Kinderhaus fährt, kommt am Regenbogenschild vorbei: „Willkommen in Kinderhaus, weltoffen seit 1333“. Das klingt vielsagend, und für eine Reise in die Anfänge von Kinderhaus sind Dr. Ralf Klötzer von der Gesellschaft für Leprakunde e. V. und Walter Schröer vom Heimatmuseum und der Bürgervereinigung Kinderhaus e. V. die richtigen Begleiter. Beide waren am Historischen Rundgang (siehe Seite 41) beteiligt, der die Geschichte des Stadtteils gut widerspiegelt – „hier zogen bereits vor 3.000 Jahren die Germanen durch. Das weiß man, weil es Funde mit Totenurnen gab“, erzählt Walter Schröer. Die erste schriftliche Erwähnung stammt von 1333, als der münstersche Bischof eine Priesterstelle für das Leprosorium genehmigte – ein Haus für Leprakranke, die als Aussätzige vor die Tore der Stadt verbannt waren, als „arme Kinder Gottes“. So fing die Geschichte von Kinderhaus an, die seitdem von sozialen Themen geprägt ist. Abgesehen vom Leprosenhaus gab es im 14. Jahrhundert eine Einfallsstraße in die Stadt und vereinzelte Bauern­höfe und Kotten – etwa Haus Bröderich von Familie Schulze Brüning, erstmals 1249 erwähnt, heute an der Kanalstraße , wo Münsters Olympiasiegerin Ingrid Klimke ihre Pferde hat. 

Eine andere Art „Kinderhaus“ entwickelte sich ab 1662 genau neben dem damaligen Leprosenhaus, dessen Original nicht mehr steht. „Ein Heim für etwa 120 Kinder wurde gebaut“, sagt Walter Schröer, somit erklärt sich die Länge und die Größe des heutigen Heimatmuseums, das seit 1993 im ehemaligen Kinderheim untergebracht ist. „Gebaut wurde es nach holländischem Vorbild, wie ein Krankenhaus: lange Flure, kleine Zimmer. Allerdings waren nach dem Dreißigjährigen Krieg hier nur bis zu 50 Kinder untergebracht: Waisen von Bauern, von Webern oder anderen Handwerkern, Bettlerkinder – man hat sie in der Stadt aufgesammelt und hier untergebracht – sie mussten arbeiten und saßen den ganzen Tag an den Webstühlen“. Diese Phase des „Kinderhauses“ dauerte nicht zu lange – „bald büxten die freiheitsgewohnten Kinder aus“, so Schröer. Das Haus wurde 1684 zum Armenhaus, deren letzten Bewohnerinnen sechs Frauen waren, die bis 1993 dort lebten – Fotos von ihnen hängen im Heimatmuseum. 

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Das Heimatmuseum. Foto: Cornelia Höchstetter
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Walter Schröer, zweiter Vorsitzender der Bürgervereinigung. Foto: Cornelia Höchstetter 


Ein Wohnort wurde Kinderhaus mit den ersten 1928 geplanten Siedlungen für Taglöhner und Handwerker, unter anderen am heutigen Rektoratsweg/Janningsweg oder am Erlenkamp. „Es bildeten sich  Baugenossenschaften, und die Siedlungen wuchsen in der NS-Zeit und in den 1950er Jahren immer weiter“, erzählt Historiker Dr. Ralf Klötzer. Eine Entwicklungsexplosion gab es erst in den 1970er Jahren. Haben 1954 etwa 2.500 Menschen hier gewohnt, sind es heute etwa 16.000. Die 1970er Jahre waren die Zeit der Großwohnsiedlungen , mit Sozialwohnungen, in Hochhauskomplexen. Wohnraum wurde dringend benötigt. Inzwischen ist die Stadtplanung weg von der Idee der Großwohnsiedlungen, weil dort kaum soziale Durchmischung entsteht. In Kinderhaus gibt es Hochhäuser unter anderem an der Brüningheide, Sprickmannstraße, Kristiansandstraße und Josef-Beckmann-Straße . Weil die Straße dort einen Bogen macht, heißt die Wohngegend umgangssprachlich auch „die (Nord-West-)Schleife“. 

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Vor etwa 50 Jahren: die „neuen“ Häuser der „Schleife“ Foto: Archiv Walter Schröer
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Die Bauzeit vor 50 Jahren und der Blick von „Am Burloh“ zur Grevener Straße. Fotos (2): Sammlung Stoffers (Münsterländische Bank - Stadtarchiv) 

„Die Schleife  war sogar als Doppelschleife geplant, mit doppelt so vielen Bewohnern, was glücklicherweise nicht realisiert wurde“, erzählt Thomas Kollmann. Er lebt, wohnt und arbeitet seit 35 Jahren in Kinderhaus, ist Ratsmitglied der Stadt Münster, sowie Leiter des Begegnungszentrums Kinderhaus. „Am Anfang waren die Hochhäuser noch hipp, zwei Drittel der Bewohner waren Angestellte und Arbeiter, auch Postwohnungen waren dabei“, so Thomas Kollmann. „Die Siedlung ist in die Jahre gekommen, es gibt auch Probleme (siehe „Größtes Problem“), aber inzwischen geht es aufwärts mit Kinderhaus: Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Armut hat sich verringert, die Akzeptanz der Bürger für die vorhandene Infrastruktur ist gut. Jung und Alt leben zusammen, und es gibt viele interkulturelle Treffs, die für ein gutes Miteinander einstehen.“ Seit 1984 ist das Hauptzentrum rund um den Idenbrockplatz  fertig und feiert in diesem Jahr den 40. Geburtstag. Rote Klinker in der Fußgängerzone, Klinkergebäude für Geschäfte und Wohnen. Das Bürgerhaus, unter anderem mit Schwimmbad und dem Kap.8 (siehe Vorzeigeprojekte), hat sich zum kulturellen Mittelpunkt von Kinderhaus entwickelt. Die Bühne in der Agora ist Veranstaltungsort für Ausstellungen, Konzerte und Theater. Unter dem gemeinsamen Dach befinden sich das Jugendzentrum Wuddi, die Stadtbücherei, die Bezirksverwaltung und das 
Hallenbad.

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Von oben: Namensgebend die Form der Straße der Großwohnsiedlungen in Kinderhaus: Die „Schleife“.
Foto: Archiv Walter Schröer

WAS IST TYPISCH kinderhaus? 

Die Großwohnsiedlung Brüningheide fällt auf, aber Kinderhaus hat ebenso Straßenzüge mit Doppelhaushälften und Reihenhäusern, älteren Siedlungshäuser, Einfamilienhäusern, Flachdachbungalows bis hin zu villenähnlichen Wohnhäusern. „Typisch Kinderhaus sind die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten, es gibt Ärzte, einen funktionierenden Wochenmarkt und viele kulturelle Veranstaltungen. Der Stadtteil lebt und wird angenommen“, sagt Thomas Kollmann. Kinderhaus zeichnet aus, so Kollmann: „Große Solidarität – die Starken machen viel für die Schwachen. Die Kirchen und die sozialen Träger helfen zusammen, allen geht es um die Frage: Wie bekommen wir den Stadtteil in die soziale Balance? Im Quartier leben zu 70 Prozent Menschen internationaler Herkunft, aber alle ziehen an einem Strang – da sind wir heute wirklich weiter“, findet Thomas Kollmann. Die Leiterin des Stadtteilkulturzentrums Kap.8 ist Ute Behrens-Porzky und die findet: „Typisch Kinderhaus ist Diversität, Multikulti, hier leben über 50 Nationen. Aus Sicht der Kultur ist es bereichernd, den Blick auf andere Kulturen zu bekommen – es ist ein Stadtteil mit Extremen in allen Richtungen: Villen, Golfplatz, sozialer Wohnungsbau.“  

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Der Idenbrockplatz mit Blick auf die Geschäfte. Foto: Cornelia Höchstetter
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Blick zur Josefskirche. Foto: Cornelia Höchstetter

WIE LEBT ES SICH DA?

Die Kap.8-Leiterin Behrens-Porzky weiß: „Die Leute leben hier gerne, weil es eine relativ gute Infrastruktur gibt: Es gibt fast alles vor Ort, was man so braucht.“ Und unser MÜNSTER!-Autor Henning Stoffers lebt ebenfalls in Kinderhaus und sagt: „Ich finde es wunderbar – gleichzeitig die Nähe zur Natur und ruckzuck bin ich mit dem Fahrrad in der Stadt. Nur die Bausünden am Zentrum finde ich nicht berauschend.“ 

Kinderhaus hat Grund-, Haupt- und Realschule und Gymnasium, die Förderschulen für Gehörlose, Seh- und Körperbehinderte und die bischöfliche Schule für Lernbehinderte. Thomas Kollmann resümiert: „Es sind alle Schulformen vor Ort, die Übergangsquote zu den weiterführenden Schulen hat sich verbessert.“ Es gibt eine katholische und eine evangelische Kirchengemeinde, zahlreiche Kitas, drei Schützenvereine, Kleingartenvereine und verschiedenste Sportvereine. „Ein echtes Alleinstellungsmerkmal hat der Sportverein SC Westfalia Kinderhaus 1920 e.V. mit 3000 Sporttreibenden – wir haben den höchsten Anteil von Fußball spielenden Mädchen in ganz NRW“, sagt Thomas Kollmann und schiebt nach, wie wichtig Sportvereine für die Integration sind. Es gibt Sparten für Europäischen Schwertkampf, Kinder in Bewegung, Criquet, Tennis, Schwimmen und mehr.  

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Die Leiterin des Stadtteilkulturzentrums Kap.8, Ute Behrens-Porzky. Foto: Cornelia Höchstetter

WER ARBEITET DORT?

 Im Zentrum gibt es eine bunte Geschäftswelt mit Buchladen, Sportgeschäft, Ärzten, Apotheken. Zu den größten Arbeitgebern gehören die Provinzial Versicherung und der Sparkassenverband Westfalen-Lippe, laut Kollmann sind es etwa 3.000 Arbeitsplätze. 

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Die Provinzial als einer der großen Arbeitgeber. Foto: Cornelia Höchstetter

WAS WIRD GEFEIERT? 

Vorab nennt Ralf Klötzer etwas, was nicht im Terminkalender steht: „Viele Straßenfeste und Nachbarschaftsaktionen, und wenn es Kaffee und Kuchen am Nachmittag ist.“ Offiziell gefeiert werden in diesem Jahr: 50 Jahre Brüningheide, 40 Jahre Zentrum am Idenbrockplatz. Das Kap.8 als Bürgerhaus ist eine Location für diverse Festivitäten. Hier findet etwa der Königsball der drei Schützenvereine statt. Es gibt ein Sommerfest mit kulturellen Häppchen, es wird das persische Neujahrsfest gefeiert, die Schulen begehen ihren Abschluss im Kap.8. Das Kulturprogramm reicht über Kabarett, Konzerte, Kunst.  

WHO IS WHO 

Zu den Machern in Kinderhaus gehören unsere hier zitierten Ansprechpartner. Die nennen wiederum Dr. Christoph Görlich vom Heimatmuseum, die Heimatdichterin Paula Wilken, sie schrieb in den 1950er bis 1980er plattdeutsche Gedichte. Oder den Kinderhauser Albert Nadolle. Er war  Klarinettist und Bildhauer, von ihm stehen einige Werke im Heimatmuseum. Ferdinand Eimermacher war ein berühmter Ballonfahrer. Dann wäre da noch die Künstlerfamilie Fernholz: die Maler, der Vater Richard und seine zwei Söhne Eugen und Leo. „Bernd Feldhaus († 2013) war 25 Jahre lang der Präsident des SC Westfalia Kinderhaus, er hat die Entwicklung des Vereins und des Stadtteils forciert“, findet Thomas Kollmann. Svenja Reher von der Schützenbrüderschaft St.-Wilhelmi-Kinderhaus ist die amtierende Europa-Schützenkönigin.  

AB INS GRÜNE  

Der Hasenbusch ist ein kleines Wäldchen, ebenso das Zimmermannsche Wäldchen. Das Kinderbachtal (siehe MÜNSTER! Januar 2024) bildet eine grüne Oase, Richtung Sprakel gibt es Wander- und Spazierwege, und zu den Rieselfeldern ist es auch nicht weit. Und die Gasselstiege führt nicht nur auf einem Radweg in die Innenstadt sondern nach Norden bis zum Naturschutzgebiet Vorbergshügel. Der Name der Gasselstiege kommt vom Hof Gassel, später Hof Schulze Gassel: Der wurde in den Archiven von Überwasser schon 1240 erwähnt.     

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Schloss Wilkinghege spiegelt sich in der Gräfte. Foto: Cornelia Höchstetter 

DAS SCHÖNSTE HAUS?  

Das Ensemble des langgezogenen weißen Hauses mit Fachwerk beherbergt das Heimat- und das Lepra-Museum , daneben steht die Pfarrkirche St. Josef. Die Geschichte erfährt man in Deutschlands einzigem Lepra-Museum, eröffnet 1986, seit 1984 sitzt dort die Gesellschaft für Leprakunde e.V. Lepra war im Mittelalter eine gefürchtete Krankheit, von bakteriellen Erregern ausgelöst (was erst viel später bekannt wurde), die Kranken litten unter Geschwüren und Entstellungen. Sie waren ein erschreckender Anblick und ansteckend. Ralf Klötzer vom Lepramuseum erzählt: „Man wollte in den Städten diese Kranken loswerden, hatte Angst vor Ansteckung und wollte sie gleichzeitig versorgt wissen: So hatte jede Stadt eine Stiftung, eine kirchliche Vorschrift verpflichtete die Stadt entsprechende Häuser zu errichten.“ In Münster war das Lepra-Haus etwa vier Kilometer vor der Stadtgrenze, das war relativ weit für damalige Verhältnisse. „Diese Häuser lagen immer an Einfallstraßen, damit die Reisenden den Kranken eine Spende geben konnten.“  

Das Heimatmuseum eröffnete 1993, der dazugehörige Verein Bürgervereinigung Kinderhaus e.V. hat 150 Mitglieder, seitdem gibt es dort regelmäßige Veranstaltungen, es finden sogar Harfenkonzerte statt, Kunstausstel­lungen oder Vorträge. Auch Henning Stoffers steht regelmäßig am Rednerpult. Führungen durch das Heimatmuseum gibt es auf Anfrage und sonntags öffnet es ab 15 Uhr. „Im Winter präsentiert das Museum etwa 200 Krippen, mehr als das Relígio-Museum in Telgte!“, sagt Walter Schröer. 

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Gut Kinderhaus mit der Wohnstätte der Westfalenfleiß GmbH. Foto: Cornelia Höchstetter 

BESTES VORZEIGEPROJEKT? 

Da gibt es einige: Das Kap.8 wurde 1983 eröffnet – K wie Kultur und Kontakt, a wie am, P wie Idenbrock Platz und 8 ist die Hausnummer. Das städtische Kulturzentrum bietet ein Programm, das weit über den Stadtteil bekannt ist, mit großer Bühne und Veranstaltungsraum, mit einer umlaufenden Galerie mit wechselnden Ausstellungen. Sogar eine Outdoor-Bühne gibt es, mit Auftrittsmöglichkeiten für Kulturschaffende und 170 Besucher. „Die KULTURhäppchen auf der Studiobühne, die bis zu 90 Besucher fasst, kosten keinen Eintritt, da sollen sich Menschen für Kultur begeistern, die sich das normalerweise nicht leisten können oder wollen“, sagt Ute Behrens-Porzky. Sie ist seit fast 20 Jahren im Team und seit 2014 die Leiterin.  Das Projekt „Grünschleife“ des Begegnungszentrums Kinderhaus hat den Bundespreis Stadtgrün 2020 erhalten: Bürgerinnen und Bürger aus Kinderhaus haben in Zusammenarbeit mit der Stadt Münster 11.000 Quadratmeter Grünfläche am Spickmannplatz als „Grünschleife“ zum Treffpunkt für das Quartier der Großwohnsiedlung gestaltet: Sie pflanzten Narzissen und Tulpen, Kräuter und Stauden, legten Gemüsebeete mit Salat, Zucchini und Kohlrabi zur Selbstbedienung an, einen Beerenobst-Naschgarten und ein mehrstöckiges Staudenhochbeet sowie einiges mehr. Unter einer Eiche gibt es jetzt drei Schachbretter mit Sitzbänken.  

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Kultur in Kinderhaus – Kap.8

ESSEN UND TRINKEN  

Zum feinen Essen geht man ins Schloss Wilkinghege. Ansonsten ist Kinderhaus wie andere Stadtteile oder Dörfer vom allgemeinen Gaststättensterben betroffen. Sogar das beliebte Café Gut Kinderhaus hat geschlossen. Es bleiben eine Pizzeria, Pommesbuden, die offene Vereinsgaststätte Hütte von Westfalia Kinderhaus, ein chinesisches Restaurant, den Wuddi-Cafébereich, im Stadtteiltreff steht ein Kaffeeautomat, hier kann man Selbstmitgebrachtes essen und sich dabei zusammensetzen. „Es fehlen aber klassische Stadtteilkneipen“, klagen unsere Ansprechpartner. 

GRÖSSTES PROBLEM? 

„In Teilen gibt es an der Brüningheide immer noch großen Sanierungsbedarf, dort fallen Heizungen aus, Schimmel ist ein Thema, defektes Warmwasser“, sagt Thomas Kollmann. Das Kap.8 hat Probleme, qualifiziertes Personal zu finden. Was den ÖPNV angeht, führt der zum Rechechezeitpunkt reduzierte Bustakt zu überfüllten Bussen. Für Thomas Kollmann gehört auch der Verkehr zu den größten Herausforderungen – häufig sind tägliche Rückstaus im Bereich Wilkinghege. Auch die Zukunft vom Cafe Gut Kinderhaus sorgt ihn, eine Kooperation der Vereine könnte eine Lösung sein.     

WARUM SOLLTE MAN kinderhaus UNBEDINGT BESUCHEN? 

„Weil es ein Beispiel für einen lebendigen Stadtteil ist, für ein interkulturelles Leben, mit vielen Angeboten der Initiativen und Vereinen, die es lohnt zu besuchen“, sagt Ute Behrens-Porzky. Ihr persönliches Highlight ist die Kunst-am-Rand-Ausstellung: „Im Jahr 2020 konnten wir keine Besucher führen, aber wir hatten Filme zu den Kunstwerken auf Youtube und bekamen 30.000 Klicks!“ Dieses Jahr findet die Open-Air-Ausstelung von Sonntag, 16. Juni, bis Montag, 30. September, statt. Dann stehen Skulpturen an Alltagsorten und die Besucher können einen Rundgang durch Münsters Norden machen. Einige Kunstprojekte wurden und werden angekauft und bleiben in Kinderhaus. 

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Die Agora, die große Bühne im Kap.8: So sieht sie leer aus – was sie selten ist. Foto: Cornelia Höchstetter

ZUKUNFTSPLÄNE 

Das Moldrickx-Quartier auf ehemaligem Gärtnereigelände wird ein neues Wohnquartier mit öffentlich gefördertem Wohnraum für Studierende, Senioren sowie Menschen mit Behinderungen, es entstehen gemeinschaftliches Wohnen, barrierefreie Eigentumswohnungen, Baugrundstücke für Reihenhäuser, Kita, Tagespflege und Gewerbe. Die Wohn + Stadtbau baut insgesamt 60 öffentlich geförderte und 19 frei finanzierte Mietwohnungen, 29 Eigentumswohnungen sowie eine Tagespflegeeinrichtung und Gewerbeflächen. „Aktuell nahezu bezugsfertig sind zudem 67 neue Wohnungen am Ermlandweg  in Kinderhaus-Süd.  Zudem soll der Sprickmannplatz umgestaltet werden, hierzu waren bei den Planungsrunden viele Menschen vor Ort beteiligt“, sagt Kollmann.  

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