MÜNSTER! Magazin

Viel Raum für Familien – inzwischen wuseln hier immer viele Kinder herum, wir zeigen die Fläche bewusst ganz pur! Fotos: Brillux, Roland Borgmann (2), Kuckuck und Esel (1)

N°157


Wo Kuckuck und Esel sich guten Tag sagen 

„Dass wir schon nach zwei Wochen StammkundInnen hatten, hätte ich nicht erwartet!“, sagt Jana Baackmann. Ihr ist das Erstaunen über den schnellen und großen Andrang auf ihr Herzensprojekt durchaus anzumerken. Mit ihrem im März eröffneten Familiencafé „Kuckuck und Esel“ an der Münzstraße hat die frischgebackene Gründerin offensichtlich einen Nerv getroffen.

Text simone wessels


Die Sehnsucht junger Familien nach sogenannten Third Places – also Orten, die weder Zuhause noch Arbeitsplatz sind – ist auch in Münster groß. Wie groß, zeigt sich an der Münzstraße nun täglich, allein durch die Anzahl der vor dem Mehrgenerationenhaus Mathildenstift geparkten Fahrradanhänger und Kinderwagen. Das kürzlich eröffnete Familiencafé hat darin eine optimale Location gefunden. Hier konnte Jana Baackmann ein Konzept realisieren, das ganz und gar auf Familien eingestellt ist. „Ich wollte einen Ort schaffen, an dem man sich mit kleinen Kindern aufhalten kann, ohne Restriktionen oder die Sorge, dass sie zu laut oder zu lebhaft sind”, erklärt die Betreiberin. „Die meisten Familiencafés setzen auf buchbare Timeslots, das finde ich aber viel zu restriktiv und kompliziert. Hier kann man einfach kommen und schauen, ob ein Platz frei ist.” 

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Jana Baackmann hatte als Gründerin das Gespür für den Bedarf: Kuckuck und Esel ist Café und Treffpunkt für Familien. Fotos: Brillux, Roland Borgmann; Goldmariie Fotografie, Marie Verspohl (rechts)

Einen Platz findet man entweder im Gastraum oder im großzügigen Außenbereich. Hier locken eine gemütliche Terrasse mit Tischen, Bänken und Unterstellmöglichkeiten für Kinderwagen und Co. sowie eine Hochbeetlandschaft und ein frisch gebauter Sandkasten mit Klettergerüst und Schaukeln. Im Sommer wird es hier nicht nur bunte Blumen geben, sondern auch ein schattiges Plätzchen für ein Picknick unter Bäumen.  

Das große Highlight im Innenraum ist die Wand mit vier Spielhäusern aus Holz, deren Fassaden den typisch münsterschen Giebeln des Prinzipalmarkts nachempfunden sind. Daran angeschlossen sind eine Rutsche und ein abgetrennter Spielbereich für ganz Kleine. Im Inneren der Häuser warten eine Spielküche, große Bausteine und vieles mehr auf kleine Gäste. Von den runden Tischen im Gastraum aus haben Eltern den Nachwuchs dabei gut im Blick.  

„Man merkt, wie sehr Orte gebraucht werden, an denen Kinder nicht einfach toleriert, sondern gewünscht und mitgedacht sind.“ Jana Baackmann

Jana Baackmann hat viel in die Gestaltung des Familiencafés investiert. „Die Häuser sind ein echtes Highlight, das man sofort sieht. Was mir aber auch wichtig war, ist die Akustikdecke. Die fällt auf den ersten Blick nicht so sehr auf, aber wenn es hier lebhaft wird, ist man froh, dass sie da ist!”. Nicht alles musste die Gründerin neu denken. Viele Vorteile brachte die Immobilie schon mit.  „Der Außenbereich ist ursprünglich als Sinnesgarten für die Demenz-Wohngruppe im Haus angelegt worden. Er ist komplett abgeschlossen, man kann Kinder einfach spielen lassen. Auch die Eingangstür des Cafés lässt sich nur per Türdrücker an der Wand öffnen, wie in einer Kita”, erklärt Baackmann.  

Mit der perfekten Location allein ist es natürlich noch nicht getan. Auch das Team und das Angebot müssen stimmen. Dreizehn MitarbeiterInnen hat Jana Baackmann eingestellt. Zwei Bäckerinnen kümmern sich um das täglich frische Sortiment: Kuchen, Cookies, Waffeln und Focaccia. Besonders gefragt sind aktuell Möhrenkuchen und Zitronenkuchen. Beim Kaffee setzt Baackmann auf Specialty Coffee von Azul. Ausschlaggebend war unter anderem die Qualität der koffeinfreien Variante, damit auch stillende Mütter guten Kaffee trinken können.

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Viel Bewegungsfreiheit für die Kleinen: Drinnen wie draußen ist alles auf Kinderfreundlichkeit ausgelegt. Foto: Brillux, Roland Borgmann
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Das Familiencafé Kuckuck und Esel ist Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr und Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Fotos: Simone Wessels; Kuckuck und Esel

Im Tagesverlauf spiegelt sich im Café der Rhythmus des Familienalltags. „Morgens kommen die Eltern mit den ganz Kleinen. Die sind ja schon früh wach. Später kommen dann die Kleinkinder dazu. Und wenn die Kita zu Ende ist, wird es richtig lebhaft“, beschreibt Baackmann. Sie selbst ist meist vor Ort, oft gemeinsam mit ihrer einjährigen Tochter. „Eigentlich bin ich Juristin“, sagt sie. „Aber mit Streit und Konflikt beschäftige ich mich nicht gern. In meiner Elternzeit habe ich überlegt, was ich stattdessen machen könnte. Ich wollte etwas schaffen, das der Stadt guttut. Meine Ideen habe ich dann meinem Mann probeweise gepitcht, um zu sehen, was funktioniert. Das Familiencafé hat gewonnen.”  

Gewonnen haben damit auch die Eltern und Kinder, die regelmäßig kommen, sich verabreden oder neue Kontakte knüpfen. Auch die BewohnerInnen des Mehrgenera­tionenhauses reagieren positiv auf das neue Angebot. „Man merkt, wie sehr Orte gebraucht werden, an denen Kinder nicht einfach toleriert, sondern gewünscht und mitgedacht sind“, sagt Baackmann, die schon über weitere Nutzungsmöglichkeiten für die Räume nachdenkt. „Abends könnten hier zum Beispiel Geburtsvorbereitungskurse stattfinden. Ich wurde sogar schon gefragt, ob man hier eine Hochzeit feiern kann!” Konkrete Pläne gibt es aktuell noch nicht, aber nachdem Jana Baackmann in kurzer Abfolge erfolgreich Mama, Gründerin, Betreiberin und Chefin geworden ist, ist sie sich 
sicher: Sie wird das Kind schon schaukeln. 

kuckuckesel.de

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Foto: Simone Wessels