MÜNSTER! Magazin

Foto: Cornelia Höchstetter

N°151


Wo es die Bäume bunt treiben

Wir haben in unserem Bildarchiv geblättert, wo uns in den letzten Jahren besonders bunte Bäume im Herbst aufgefallen sind. Und wenn es bis jetzt nicht zu sehr gestürmt hat, leuchtet es dort noch heute gelb, rot und orange.

Text CORNELIA HÖCHSTETTER


1 Goldene Pfade am Venner Moor

Wenn die Sonne den Nebel am Moor ablöst, leuchtet es besonders hell im süd­lichen Teil des Venner Moores. Auf einer ehemaligen Sanddüne aus der Eiszeit steht ein kleiner Bestand hoher Buchen. Sie sind eine natürliche Grenze des Moores im Süden, denn eigentlich prägen Moorgebiete eher Birken und Kiefern. Um das Moor und den Buchenwald führt ein 4,7 Kilometer langer Rundweg. Parkplätze gibt es am Kappenberger Damm hinter der Kanalbrücke oder entlang der K 23 in der Bauerschaft. Am Sonntag, 9. November, von 14 bis 16.30 Uhr laden das Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld und  Udo Wellerdieck zu einem herbstlichen Spaziergang ins Venner Moor ein. Treffpunkt ist der Parkplatz Venner Moor am Kappenberger Damm (Brücke Dortmund-Ems-Kanal).

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Foto: Cornelia Höchstetter

2 Von Einen aus an die Eams

Alles andere als Einerlei: Waldwege, Wiesenfeldwege, Pfade entlang der Ems – das Wegenetz ab dem Warendorfer Stadt­teil Einen ist intuitiv zu erlaufen. An der Ems führt ein Weg entlang Richtung Westen. Dort tangiert der „Naturerlebnispfad Einen“ den Spazierweg – mit Barfusspfad und Schaubildern zur Auenlandschaft. Der Weg an der Ems oder parallel dazu oben durch den wunderbaren Wald führt zur Lonn-Brücke. Dort steht ein Aussichtsturm und eine Picknickbank – aber bitte daran denken: Das ist ein Naturschutzgebiet! Wer samstags und sonntags unterwegs ist, kann in Einen das Landcafé Altes Backhaus oder sonntags von 14 bis 17.30 Uhr das Landhaus Schulze Osthoff zu Kaffee und Kuchen besuchen. Ausgangspunkt ist der Parkplatz Ems-Aue, an der Ems-Brücke an der Einener Straße.   

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Foto: Cornelia Höchstetter

3 Allez, Allee –  von Wolbeck  nach Alverskirchen!

Mindestens zwei Alleen und so einige außerordentliche Einzelbäume finden Sie auf einer Radtour von Wolbeck auf der Alverskirchener Straße stadtauswärts. Linke Hand sehen Sie die traumhafte Allee (Foto) und fahren selbst durch eine Straßenallee. In Alverskirchen biegen Sie links ab und radeln zurück über Wettendorf, mit Abstecher zum Hofladen der Kornbrennerei Gerbersmann.  Einen „Wald in allen Farben“ finden die Münsteraner Anfang 
November im Tiergarten Wolbeck. Am Sonntag, 2. November, lädt Naturkenner Udo Wellerdieck von 
14 bis 16.30 Uhr zu einem herbst­lichen Spaziergang in einen der ältesten Wälder Westfalens ein. Treffpunkt: Parkplatz Alverskirchener Straße/ Bushaltestelle „Im Bilskamp“. Erwachsene zahlen neun Euro.  Anmeldung bei:  udo.wellerdieck@gmx.de  

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Foto: Cornelia Höchstetter

4 Nebel und Sonnenstrahlen für Frühaufsteher

Wer morgens im Dunklen bei Nebel in Münster losfährt, am Wanderparkplatz Rechenbergstraße, 49201 Dissen a.T.W, aussteigt und dann zum Aussichtsturm Steinegge läuft, erlebt erst den Tagesanbruch inmitten des Waldes – wenn sich die ersten Sonnenstrahlen quer zwischen die Bäume schlagen und die Nebelfetzen vertreiben – und dann belohnt oben auf dem Turm (gutes Wetter und Sicht vorausgesetzt) ein weiter Blick Richtung Münsterland und auf die Höhenzüge des 
Teutoburger Waldes. Sehr praktisch: Der Natur- und UNESCO Geopark TERRA.vita hat die Rundtouren gut ausgeschildert. Bereits am Parkplatz stehen Schautafeln mit Karte und Wegbeschreibung. Da steht einer spontanen Wanderung nichts entgegen. Heimwärts lohnt noch ein Abstecher in die Carpesol Spa Therme in Bad Rothenfelde. Tourentipps hier:
Von Egge zur Egge, Von Quelle zur Quelle

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Foto ünsterland e.V./Philipp Fölting

5 Stille im Steinfurter Bagno

Vor über 200 Jahren galt das Steinfurter Bagno als einer der bedeutendsten Vergnügungsparks Westfalens. Exotische Bauten wie eine türkische Moschee, ein ägyptischer Turm oder ein chinesischer Salon, dazu Wasserspiele und Konzerte – heute ist es dagegen ganz still, besonders im Spätherbst: Dann laden Alleen, See und Ruineninsel zu einem Spaziergang ein. Auf dem 3,5 Kilometer langen Rundweg erfahren Gäste an Schautafeln und interaktiven 
Stationen mehr über die Blütezeit des Parks um 1790. Für Familien bietet der 1,5 Kilometer lange Walderlebnispfad spannende Entdeckungen: Infotafeln erzählen von Zauneidechsen, Salamandern und Eichhörnchen, vom Wald und seinen Bäumen.

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Foto: Münsterland e.V./Sebastian Lehrke

6 Knisterndes Laub am Kloster

Aus der Vogelperspektive wirken die Herbstbäume um das Kloster Gerleve besonders stimmungsvoll. Seit 125 Jahren leben Benediktiner dort, zur Zeit 
30 Mönche. Die Abteikirche ist jeden Tag von 5.15 bis 20.45 Uhr geöffnet. Seit Mitte Oktober soll voraussichtlich die Gaststätte wieder geöffnet sein. Auf dem Klosterprogramm stehen geistliche Wander­tage: Am Samstag, 22. November, um 10 Uhr in der Kapelle des Hauses Ludgerirast, unterwegs gibt es Zeiten der Stille und des Gesprächs. Die Leitung hat Bruder Matthäus Weber. Anmeldung:  Telefon 02541 800-131.

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7 Wenn sich das Herbstlaub 
in der Gräfte spiegelt

Rund um die Burg Vischering in Lüdinghausen schmiegen sich zwei Gräftenringe, teils mit Alleen aus Hainbuchen und Stieleichen gesäumt. Eine Stileiche ist sogar etwa 250 Jahre alt, mit einem Umfang von 5,13 Metern. Bunt geht es auch in der Burg zu: am Sonntag, 2. November, beginnt die ART Vischering mit zeitgenössischen Kunstwerken zum Anschauen und Kaufen.

Indian Summer im Münsterland?

Wir haben mit Adalbert Koch gesprochen, dem Leiter desRegionalforstamts Münsterland.

 

MÜNSTER!: Herr Koch, was genau ist der Indian Summer? 

Adalbert Koch: Wir verbinden mit dem Begriff einen bunten Wald – eigentlich ist es aber die trockene und warme Wetterperiode in Nordamerika. Dort ist der Zuckerahorn in den Mischwäldern an den Berghängen die vorherrschende Baumart. Der wird rot – wie in der kanadischen Nationalflagge. Im Laufe des Herbstes können sich die Blätter sogar violett verfärben.   

M!:  Können wir uns auch ohne Zuckerahorn auf  einen bunten Herbst im Münsterland freuen? 

Adalbert Koch: Von Natur aus neigen unsere heimischen Bäume nicht zu einem extremen Farbspektakel. Doch gibt es auf sandigen Böden die nordamerikanische Rot-Eiche, die sich gelbrot bis rostrot verfärbt. Unsere Eiche bekommt gelbe Blätter, wenn sie vertrocknen, werden sie braun – was bei Sonne wie orange wirkt. Buchenblätter werden gelb und braun-orange. Berg- oder Spitzahorn auch rötlich. Wunderschön ist die Linde, die rein gelbe Blätter bekommt – das sehen wir auf Münsters Promenade gut. Für eine Verfärbung nötig sind klares Wetter und kalte bis frostige Nächte. Das ist das Signal für die Bäume. Der phänologische Naturkalender ist aber durch den Klimawandel durcheinandergekommen: Der Herbst beginnt etwa 14 Tage früher, besonders wenn es so trocken war. Dafür stehen die Chancen gut, dass die Herbst-Phase länger dauert und wir einen bunten November genießen können.  

M!: Warum werden denn die Blätter bunt? 

Adalbert Koch: Im Frühling und im Sommer sind die Blätter grün, weil das Chlorophyll in den Blättern steckt, das für die Fotosynthese benötigt wird. Im Herbst zieht der Baum das Chlorophyll aus den Blättern zurück in den Stamm und in die Wurzeln. Dort wird es eingelagert, um Nährstoffe zu speichern. Im Blatt bleiben dann Carotinoide übrig, die vorher auch schon da waren. Das sind orange und gelbe Stoffe. Sogenannte Anthocyane werden in Phasen sonniger Tage und kühler Nächte neu gebildet. Sie sind zuständig für die roten bis violetten Farbstoffe.