N°151
Pasta ist mittags ein Muss
Bei Roberto Turchetto und seiner sechsköpfigen Familie kommen jeden Mittag Nudeln auf den Tisch. In den vielen Restaurants, etwa dem Café Med am Hafen, die er in den letzten Jahrzehnten hier in Münster (mit)eröffnete, vorantrieb und weitergab oder noch immer betreibt, gibt es neben Pasta auch Pizza, Fleisch und Fisch. Typisch italienische Küche. Und aus Münster nicht mehr wegzudenken.
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Seit dem Anfang September lädt ein neues Restaurant, das Baci Baci im Herzen des Kuhviertels, zu „Italian Food“ ein. Gleich sechs bekannte Gesichter aus der italienischen Gastronomieszene schlossen sich zusammen und gestalteten das ehemalige La Torre am Rosenplatz 15 von Grund auf neu. Die drei Brüder Umberto, Daniele und Ermanno Mangano, Leo Falcone, Manuel Miranda und Roberto Turchetto bieten im Baci Baci klassisch italienische Gerichte an. Und das in einem faszinierenden (und echt kultigen) Ambiente.
Mit Liebe bis ins kleinste Detail vereint das riesige, helle Ladenlokal antike und industrielle Elemente mit neu gebauten Möbeln. Hier und da gibt es einen fetten Farbtupfer. Auch die bodentiefen Fenster, der mallorquinische Mamorboden und die frei verlegten Rohre an der Decke sorgen dafür, dass La Torre-Stammgäste den Ort nur mit Mühe wieder erkennen werden. Glänzende Mamortische, gelb gepolsterte Bänke und tiefhängende Lampen runden alles ab. Bis auf die ganz besondere Spachteltechnik an den Wänden – sie durfte bleiben – ist alles neu, und die Räume sind sogar um gut einen Meter nach oben gewachsen.
Die Einrichtung übernahm Roberto Turchetto, einer der sechs Kompagnons und bekannt als Inhaber des Café Med und der Spelunke am Hafen. Letztere betreibt er gemeinsam mit Christian Huys (bekannt durch sein Lokal Hot Jazz Club). „Einrichtung macht mir Spaß“, sagt Roberto ganz begeistert. Die ersten drei Möbel, die er in einer Trödelhalle für das Baci Baci aufspürte, waren alte Esstische aus dunklem Massivholz. An diesem rustikalen Stil orientierte er sich für die Einrichtung, die noch folgen sollte. Das sei so wie bei der Zusammenstellung der Kleidung: An das, was man als erstes morgens anzieht, passe man auch die anderen Klamotten an, sagt er ganz pragmatisch.
Neben den drei dunklen Esstischen ist das verzierte Holz der Theke mehr als nur Vintage. Sie war die Wandverkleidung einer alten Villa in Venedig und ist über 100 Jahre alt. Gleich dahinter steht ein alter Apothekerschrank, den Roberto einem Sammler abkaufte. Ein Freund aus Italien fertigte die bunten Lampen an, die FH Münster stellte die helleren Holzmöbel nach Robertos Vorstellungen her. Er legt viel Wert auf Individualität, Liebe zum Detail und der Geschichte, die der Einrichtung innewohnt. Im Baci Baci passt einfach alles so zusammen „wie geschmiert“. Robertos Geheimnis: nichts wegschmeißen, gute Kontakte und jede Menge Glück.
Primo Piatto
Im Jahr 1959 geboren und in einem kleinen Dorf in der Nähe von Venedig aufgewachsen, entwickelte Roberto schon als junger Teenager eine Leidenschaft für die Gastronomie. Er erinnert sich noch gut daran, wie er als 13-jähriger Junge aushalf und Gläser einsammelte. Einige Jahre später entschied er sich gemeinsam mit einem Freund, sich in einer Hotelfachschule ausbilden zu lassen. Teller spülen, Rezeption betreuen und die Gastronomie managen. All das und noch mehr standen auf dem Stundenplan. „Und dann war die Schule pleite“, erzählt Roberto. Immerhin konnte er während der Hochsaisons in anderen Hotels mit Gastronomien als Kellnerlehrling viele praktische Erfahrungen sammeln.
Als ein Kindheitsfreund ihm von Brenners Park-Hotel in Baden-Baden erzählte, fackelte der zu diesem Zeitpunkt 17-jährige Roberto nicht lange. Das Grandhotel mit fünf Sternen sei damals die „Nummer Eins in Deutschland“ gewesen. Vom nordöstlichen Italien ging es für Roberto also ins knapp 800 Kilometer entfernte Baden-Württemberg. Die Arbeit als Saisonkraft im renommierten Grandhotel brachte ihn auf den Geschmack.
Eine Karriere in der gehobenen Gastronomie sollte es nun sein. Als er schon mit Pariser Luxusrestaurants liebäugelte, kam abermals sein Kindheitsfreund auf ihn zu: „Lass mal nach Lausanne. Da kannst du auch Französisch lernen.“ Im Beau‑Rivage Palace am Genfer See in der Schweiz, ebenfalls ein Fünf-Sterne-Hotel und Stammhotel von Charlie Chaplin, verfeinerte Roberto Ende der 1970er Jahre sein Kellnerhandwerk. Die Schweiz sei wunderschön gewesen, die Luxusgastronomie aber sehr anstrengend, gibt er zu. „Nach neun Monaten habe ich mich frustriert in den Zug gesetzt.“
Zurück in seinem Heimatland lernte Roberto einen Italiener kennen, der unzählige
Cafeterias in Deutschland aufmachte und ihm Arbeit anbot. Unter anderem auch in
Ibbenbüren! Von dort kam der nun gut 20-jährige Roberto über einen kurzen
Aufenthalt in Greven, wo er in der Küche einer Diskothek tätig war, seinem heutigen Wohnort Münster immer näher. Das war im Winter 1979.
Secondo Piatto Sein erstes eigenes Weinlokal, L’antica, eröffnete er mit seiner damaligen Freundin 1989 in der Mauritzstraße (Dort ist heute die Ouzeri). Anfang der 1990er Jahre stieg er aus und gründete gleich drei neue Italian-Food-Spots: Pasta e Basta an der Neubrückenstraße, Pane e Vino in der Hoyastraße und La Cantina in der Tibusstraße. Auch die selbsternannte Pizza-Manufaktur Mocca d’or in der Rothenburg, die Pizzeria Lido am Germania Campus und das Café Med am Hafen hätten es ohne den Anstoß des umtriebigen Italieners in der Gastronomieszene Münsters nicht gegeben.
Die letzten drei Lokalitäten baute Roberto mit seinem Freund und Gastronomiekollegen Franco Melilli auf. Die beiden kellnerten zuvor gemeinsam im ehemaligen San Marco in der Königsstraße (Hier befindet sich heute die Trattoria Traversa). Robertos Ding ist es, Restaurants mit typisch italienischer Küche und ganz individuellem Ambiente in Eigenregie oder als Mitinhaber zu eröffnen, in Fahrt zu bringen – und dann in andere Hände zu geben. Das italienische Ristorante Moro 112 am Aasee gehört auch zu diesem Flow.
Für das Café Med am Hafen und gleich nebenan die Spelunke, das Mocca d’or und Maria’s Pasta Bar in der Innenstadt, und seit neustem auch das Baci Baci am Rosenplatz ist er noch heute (mit)verantwortlich. Die nächsten Lokale sind schon in Aussicht. Was ihn antreibt? „Wenn ich schöne Angebote erhalte oder etwas höre, wenn ich es fühle, dann bewerbe ich mich, dann schmeiße ich mich ins kalte Wasser.“ Wenn alles passt und die Gäste mit dem Gedanken „Das war schön!“ nach Hause gehen, dann ist Roberto mehr als zufrieden.
„Pizza und Pasta sind immer die Nummer Eins.“
Roberto Turchetto
Dolci
Im Pasta e Basta al Centro lernte Roberto auch seine Frau kennen, die einmal zu Gast in dem charmanten Ristorante mit italienischem Flair war. In sie habe er sich „auf den ersten Blick verliebt“. Wie heißt es so schön? Amore geht durch den Magen. Während er früher in seinen Restaurants aß, isst er heute gemeinsam mit seiner Frau und seinen vier Kindern am heimischen Essenstisch. Auch wenn er in den Restaurants, in denen er mitwirkt, allenfalls mal als Springer in der Küche anzutreffen ist, kocht er zuhause selbst. „Pasta ist mittags ein Muss“, sagt er. Salat gäbe es auch dazu. Aber Pizza und Pasta seien immer die Nummer Eins. In seiner Familie, bei seinen Gästen.