N°150
Überschrift
Auf Papier gedruckte Worte und Bilder sind unser Metier. Deshalb gehen wir auf „Verwandtschaftsbesuch“ zu neun Buchläden – „handverlesen“ haben wir für Sie vier inhabergeführte und spezialisierte Geschäfte in der Innenstadt sowie fünf Stadtteilbuchhandlungen besucht. In jedem Laden stecken seitenweise Geschichten und Begegnungen.
Text cornelia höchstetter
Münster-Mitte – Eine Schatzinsel, nicht nur für Kinder …
Eine gelbe Hausfassade am Anfang der Neubrückenstraße in Münster, zwei Schaufenster mit grün-weißen Markisen, drinnen helle Holzregale – das ist die Schatzinsel. „Hallo Peter“, rufen die Kinder dem Inhaber Peter Seiler zu, der im gestreiften Shirt und mit sonniger Laune wirkt, als sei er geradewegs aus seinen Büchern gesprungen. „Wir haben die Schatzinsel 2003 eröffnet: Die Idee war eine Kinderbuchhandlung plus Belletristik für die Eltern – woanders gab es schon Jugendbuchwochen, in Münster lag zu der Zeit das Thema noch brach“, erzählt Peter Seiler, der seit 2019 die Schatzinsel alleine führt – mit sechs MitarbeiterInnen. „Irgendeiner von uns kennt immer das Buch, nach dem die Kunden fragen“ – außer es kommt zu solch kuriosen Nachfragen wie kürzlich nach dem „Ehebüchlein von 1472“.
Dreimal gab es bereits für die Schatzinsel den Deutschen Buchhandelspreis. „Eine Buchhandlung gehört auch zur Nahversorgung“, findet Peter Seiler. „Ich liebe Bilderbücher, sie haben eine große Nähe zur Kunst. Und eine künstlerische Bildung ist eine wichtige Sache für die Zukunft“, sagt er. Er selbst verschlingt Kunstkataloge, als seien sie Romane. Seine aktuelles Lieblingsbücher sind die Neuauflage des Roman-Klassikers von Robert Louis Stevenson, „Reise mit einer Eselin durch die Cevennen“ (1879 Ersterscheinung) sowie das sprachwitzige Bilderbuch von Nadia Budde: „Eins zwei drei Tier.“ Außerdem hält er das aktuelle Buch des münsterschen Erfolgsautoren Dirk Reinhardt bereit: „No Alternative“, eine Geschichte von Jugendlichen, die im Kampf gegen Klimazerstörung zunehmend radikalere Aktionen wagen. Seine „Neuentdeckung“ sind die Taschenbücher aus dem mare Verlag: „Gentleman über Bord“ und andere – „ … die Schatzinsel hat ja einen Hang zum Maritimen und mir gefällt es, dass mare mit der Pocket-Serie besondere Texte preisgünstiger verlegt.“ Der Trend der erwachsenen Kunden im Laden: „Tatsächlich gehobene Unterhaltungsliteratur, aber bitte nicht zu problembeladen“, beobachtet Peter Seiler.
Buchhandlung „Schatzinsel – Entdecke dein Buch!“
Peter Seiler, Neubrückenstraße 72, 48143 Münster
buchhandlung-schatzinsel.de
Gievenbeck – Die Macht der Erzählungen im „Wunderkasten“
In Gievenbecks Zentrum steckt ein Wunderkasten unter dem Flachdach: Kirsten Lambecks Buchladen heißt nach einem Märchen über die Macht von Erzählungen. Und diese findet sich im Laden wieder: in der Kinder-Spielecke, am Tisch zum Schmökern oder auf dem Rundregal mit Buchtipps. „Die Empfehlungstexte finden unsere Kunden auch dreimal im Jahr in unserem Hauskatalog“, erzählt die Inhaberin. Sie hat 2013 den Buchladen übernommen. Der erste Wunderkasten war erst in der Nähe eines Supermarkts untergebracht. 2016 wurde dann die
Ladenfläche neben Sparkasse und SuperBioMarkt 300 Meter weiter frei – „ich hatte meine Kunden um Hilfe beim Umzug gebeten. Es kamen über 70 Gievenbecker. In einer Viertelstunde war der alte Laden leer und der neue voller Bücherkisten“. Den Standort liebt sie: „Die Kunden haben ein Bewusstsein für das Vor-Ort-Einkaufen“. Kirsten Lambecks Ziel ist: „Ich möchte den Leuten die Schwellenangst vor Buchläden nehmen“. Das erreicht sie etwa mit Lesungen – die ehemaligen Gievenbecker und Buchautoren Jürgen Kehrer (Wilsberg-Erfinder) und seine Frau Sandra Lüpkes waren schon da – ebenso gibt es Strick- und Krimi-Abende, Buchvorstellungen, die Aktion „Allein einen Abend im Wunderkasten“, Kooperationen mit Kindergärten und Schulen. 2019 und 2022 hat der Wunderkasten den Deutschen Buchhandlungspreis gewonnen. Kirsten Lambecks persönliches aktuelles Lieblingsbuch hat Henning Sußebach geschrieben: „Anna oder: Was von einem Leben bleibt“. Es geht um die Urgroßmutter des Autors, eine Lehrerin im Sauerland. „Ein Buch voller Poesie und Gesellschaftsgeschichte“, schwärmt die Buchhändlerin. Ihre neueste Entdeckung ist das Imprint Pola, eine neue Marke aus der Verlagsgruppe Bastei Lübbe für junge Erwachsene. „Weniger Romantik, mehr echtes Leben“, charakterisiert die Buchhändlerin. Das passt zum Trend ihres Gievenbecker Buchladens: „Der gute Roman, der intelligente Nicht-Bestseller aus kleinen Verlagshäusern.“
Buchhandlung Der Wunderkasten
Kirsten Lambeck, Rüschhausweg 6, 48161 Münster
wunderkasten.de
Hiltrup – „Zu einem ordentlichen Verlag gehört eine ordentliche Buchhandlung“
Mitten auf Hiltrups Marktallee, zwischen SuperBioMarkt und Modegeschäft, stehen vor der Schaufensterfront Postkartenständer und eine Bank. Dort vor der HiBu – der Hiltruper Buchhandlung, die zum Landwirtschaftsverlag (LV) gehört –, sitzt „Lisbeth“, ein „Alltagsmensch“ von Künstlerin Christel Lechner. Den Landwirtschaftsverlag findet man 600 Meter weiter am Osttor/Hülsebrockstraße. „Zu jedem ordentlichen Verlag gehört eine ordentliche Buchhandlung“, soll der damalige LV-Geschäftsführer Günter Lamprecht gesagt haben. Daran erinnert sich HiBu-Leiterin Angelika Schmuck – nun feiert die Stadtteilbuchhandlung im November ihr 35-jähriges Jubiläum. In den weißen Regalen lehnen sich Rücken an Rücken Bücher von Literatur über Sachbücher bis zum Krimi – dem Trend dieses Ladens: im Sommer gern mit Mordfällen an Nord- und Ostseeküste. Angelika Schmuck liebt die Autorin Karen Kliewe (übrigens aus Beckum!) und ihre Ostsee-Krimi-Reihe „Die Brandung“. „Wir sind ein buntes Team, da hat jeder seinen Geschmack – der Vorteil kleiner Läden, wir müssen uns nicht nach dem Mainstream richten.“ Auf handgeschriebenen Zetteln stehen persönliche Empfehlungen, an der Kasse liegt der interne Bestseller, das „Buch des Monats“. Im August war es „Annas Lied“ von Benjamin Koppel – eine große europäisch-jüdische Familiensaga. Die HiBu-Philosophie lautet: „Wir möchten die Freude am Lesen fördern“ – mit Lesungen, Veranstaltungen wie den Wanderungen nach Ulrich Gerbings „Bus-Gang“ oder der alljährlichen Präsentation der Neuerscheinungen im November mit Hiltrups Stadtteilbücherei. Viele Hiltruper sind Stammkunden. Ein besonders guter Draht besteht zu Kindergärten und Schulen – in diesem Jahr kamen bereits 37 Schulklassen mit 660 Schülern! Engen Kontakt pflegt die HiBu zu den in Hiltrup geborenen Autoren, zum Grafikdesigner und Postkartenkünstler Lars Wentrup sowie zum ehemaligen Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, der bereits mehrmals in Hiltrup gelesen hat.
Hiltruper Buchhandlung im Landwirtschaftsverlag
Marktallee 46, 48165 Münster
genialokal.de/buchhandlung/muenster/hiltruper-buchhandlung
Kinderhaus – Von Kinderhäusern für Kinderhäuser
Wie ein roter Teppich liegt die rot geklinkerte Fußgängerzone am Idenbrockplatz vor dem Kinderhauser Buchzentrum. Postkartenständer flankieren den Eingang, im Laden steht der Inhaber: Dr. Christoph Görlich, Historiker, lebte lange in Berlin und Potsdam. Zurück in Münster, kam nur Kinderhaus in Frage – hier ist er aufgewachsen. Zum Buchzentrum kam er „durch Schicksal: Im Urlaub träumte ich noch von einem eigenen Buchladen …“; 2021 übernahm er die Buchhandlung von Horst Bilke. Es war der Buchladen, in dem Görlich als Siebenjähriger „Der kleine Vampir“ hörte und später Schulbücher kaufte. Inzwischen hat Görlich drei Mitarbeiterinnen: Angelika Osthues, Leonie Jung und Aylin Delker. Letztere stammt ebenfalls aus Kinderhaus und kennt wie Görlich fast alle Kunden beim Namen. „Es ist wie Nachhausekommen, wenn man sich mit Namen begrüßt“, sind sich beide einig.
Das Sortiment reicht von Belletristik und Krimis bis zu einem breiten Kinderbuchbereich. „Die Kunden wollen Bücher mit gutem Ende – als eine Art Auszeit. Das passt zur Philosophie: Wir haben Zeit für einen Plausch, kommt vorbei‘“, sagt Görlich, der im Keller zudem eine Galerie für lokale Künstler betreibt. Sein persönliches Lieblingsbuch ist zur Zeit Benjamin Myers’ „Strandgut“ – „sehr ruhig, fast langweilig, und deshalb so wunderschön“. Ebenso liebt er „Oben Erde, unten Himmel“ von Milena Michiko Flašar: „Noch nie so eine Heiterkeit zum Thema Tod gelesen.“ Für die lokale Verbundenheit empfiehlt der Buchhändler Jovler Kotten Kotenbeis’ „Erinnerungen an eine Kindheit in Münster“. Aus seiner Seele spricht das Buch von Mark Forsyth: „Lob der guten Buchhandlung“. Görlich zitiert frei: „Es gibt drei Sorten Bücher: die, die wir nie gelesen haben; die Bücher, die man kennt, aber nie gelesen hat; und die Bücher, von denen ich nicht weiß, dass es sie gibt, die ich lese, wenn sie mir begegnen.“ Solche Bücher liegen hier bereit – abseits der Algorithmen der Sozialen Medien.
Kinderhauser Buchzentrum
Dr. Christoph Görlich, Idenbrockplatz 5c, 48159 Münster
genialokal.de/buchhandlung/muenster/kinderhauser-bz
Ein Fachwerkhaus wie aus dem Bilderbuch – außen schnucklig, innen großzügig und hell. Das ist die Wolbecker Stadtteilbuchhandlung Buchfink mit ihrer Vielfalt: Postkartenständer, Regale mit Tassen aus England, Kekse aus einer Sauerländer Manufaktur sowie andere schöne Dinge – und natürlich Bücher. Zwei Sessel stehen unter einer stilisierten Eiche mit dem namensgebenden Buchfink in der Krone, ein Gruß an den Wolbecker Tiergarten. „Ich haben das freie Ladenlokal gesehen und dachte: Wolbeck könnte gut eine Buchhandlung vertragen“, erzählt die heutige Inhaberin Regina Hermsen von den Anfängen. Im Jahr 2026 sind es zehn Jahre – seitdem ist sie nun selbständige Buchhändlerin. Davor leitete sie die Jugendbuchabteilung in Münsters großer Traditionsbuchhandlung Poertgen Herder. Der Buchfink gehört längst zu Wolbeck, zu den Veranstaltungen kommen je nach Event bis zu 60 Gäste; aus Wolbeck, Gremmendorf, aus Münsters Osten bis zur Mondstraße, aus Everswinkel oder Sendenhorst. „Ein Buchladen ist immer auch ein Ort der Begegnung“, findet Regina Hermsen, die eng mit Schulen zusammenarbeitet. Fünf Frauen zählen zu ihrem Team, jede stellt gerne das jeweilige Lieblingsbuch vor. Regina Hermsen nennt aktuell „Tage wie Salzwasser“, das Debüt der jungen Autorin Sita Maria Frey. Im Buchfink sind die Münsteraner Autorinnen Henrike Jütting, Gisa Pauly (und inzwischen auch ihre Tochter unter dem Autorennamen Tina Herz) gut vertreten, im Regal und bei Lesungen. Zu Regina Hermsens Entdeckungen zählt der Verlag Zuckersüß, „mit Themen für Kinder in Bilder- und Sachbüchern, die es früher gar nicht gab. Etwa der Titel ‚Du bist genau richtig‘“. Oder die Biographie-Reihe des Insel Verlags für Kinder, „Little People, big dreams“ – vom Physiker Albert Einstein bis zur Krimi-Autorin Agatha Christie. Der Trend in ihrem Laden? „In der Jugendabteilung sind es Comic-Romane, Graphic Novels oder die Young-Adult-Romane.“
„Meiner Meinung nach sind Buchhandlungen Orte der Begegnung.“
Regina Hermsen
Buchhandlung Buchfink
Regina Hermsen, Münsterstraße 11, 48167 Münster
buchfink-buchhandlung.de
Münster-Altstadt – Fachbücher für Architektur und mehr
Wer sich am Schaufenster der Buchhandlung Extrabuch die Nase platt-drückt, staunt: ein Gartenbuch „Genießen statt Gießen“, ein Porsche-Kalender, die Ruhrgebiets-Ode „Woanders is auch scheiße“, „Grüne Häuser“, die BMW 3er-Reihe oder „Hilfe, meine Katze ist kaputt“. Auch dabei: Laden-Bestseller „Der Struweldonald“. Friedrich Bitzhenner ist mit 74 Jahren nach wie vor Geschäftsführer der Spezial-Buchhandlung am Spiekerhof, unterstützt von seiner Frau Annette und den Mitarbeitern Christoph Thiele sowie Miriam Berger. Die Buchhandlung ist in den 1980ern als Fachbuchhandlung und Ergänzung zu dem legendären Antiquariat Medium Buchmarkt hinzugekommen. Friedrich Bitzhenner eröffnete weitere Buchhandlungen und verkaufte sie wieder – nur das Extrabuch blieb. Die Schwerpunkte sind neben Design, Photographie und Kunst die Architektur, mit Büchern zu wiederverwertbaren Bauten, über soziale Stadtplanung oder die Zukunft der Großwohnsiedlungen. „Es ist ökonomisch wichtig, sich erfolgreiche Nischen zu suchen“, erklärt Friedrich Bitzhenner. So funktioniert auch sein Online-Shop international. Im Buchhandel in Münster gelingt der Spagat zwischen Fachbüchern und Liebhabereien, samt Wohnwagen-Quartett und Lebenshilfe. Und sein Lieblingsbuch? Der Buchhändler überlegt, geht den schmalen langen Laden ab: „Ein japanisches Ehepaar, das in Münster lebt, Maki Iisaka und David Kerr, haben ihr Buch über den Architekten ‚Seiichi Shirai‘ im Eigenverlag herausgebracht. Richtig gut“, findet Friedrich Bitzhenner. Zu den Kuriositäten gehört das Buch „Im Besengebiet /Field of Brooms: Handbesen aus aller Welt“. Wer sich nicht entscheiden kann, blättert im daumengroßen PocketDecisionBook für Unentschlossene: 208 Seiten mit Yes oder No.
Buchhandlung Extrabuch
Friedrich Bitzhenner Spiekerhof 23/24, 48143 Münster
extrabuch.com
Aegidiistraße Münster – „Am Anfang war der klassisch linke Buchladen!“
Ein konfettibuntes Schild „Rosta“ weist auf die Eingangstür in der Sandsteinfront. Drinnen strecken sich hellgraue Regale bis unter die hohe Altbaudecke, beschriftet wie Leitzordner mit „Deutsche Literatur“, „Frankr., Italien, Balkan, Polen, Griechen, NL, Skandinavien“ und so weiter. Nicole Eckert ist die Inhaberin von Rosta und erklärt: „Eine Gruppe junger Menschen gründete 1970 eine klassisch linke Buchhandlung, damit in der Stadt auch andere Literatur zugänglich gemacht wird“. Legendär war der Standort am Spiekerhof. Seit 1987 ist Rosta in der Aegidiistraße zuhause. „Teilweise kommen noch die Leute von damals hierher.“ Nicole Eckert übernahm Rosta 2006.
Die Philosophie der Buchhandlung: „Wir stehen für Vielfalt, gegen Nazis und für queeres Leben.“ Politische Literatur gehört weiterhin zum Kern, daneben ist Belletristik stark vertreten. Für diesen Mix erhielt Rosta 2017 den Deutschen Buchhandlungspreis. Einen guten Draht pflegt Rosta unter anderem zur gegenüber angesiedelten Volkshochschule, zum Literaturverein, der Stadtbücherei und dem Center for Literature. Da liegt es nahe, dass die Inhaberin als lokale Autorin Annette von Droste-Hülshoff nennt – „sie wird sehr leicht unterschätzt“, bedauert Nicole Eckert. Rosta verspricht eine Entdeckungsreise durch eine breit gefächerte und ungewöhnliche Buchauswahl: von „Solidarisch gegen Klassismus“ über Daniela Dröschers „Lügen über meine Mutter“ zum Jugendbuch „Das Wort, das Bauchschmerzen macht“ – „eine wichtige Betrachtung für Kinder, die von Rassismus betroffen sind“. Rosta macht Münster bunter.
ROSTA Buchladen
Nicole Eckert, Aegidiistraße 12, 48143 Münster
rosta-online.de
Mecklenbeck „Eine Buchhandlung ist wie eine Apotheke – die Leute erwarten alles von uns“
Postkartenständer ergänzen die Schaufensterfront am Einkaufszentrum des Dingbänger Wegs. Die Tür steht offen und heißt Willkommen. Drinnen erwarten uns helle Holzregale, zwei orangefarbene Wände, feine Schreibwaren, Karten, Geschenkideen, kleine Kostbarkeiten – von Ledertäschchen aus London bis zu Lyriksprüchen auf Leinwand. Büchertische und eine lange Theke schenken Platz für Beratung und Gespräch: Das ist die Lesezeit von Hildegard Vogel. Die Buchhandlung feiert in diesem Jahr ihren 15. Geburtstag. „Ich bin gelernte Antiquarin, und als meine älteste Tochter in die Schule kam, wollte ich mit neuen Büchern arbeiten“, erzählt sie. Heute kooperiert sie mit Schulen und Kitas, organisiert Lesungen unter anderen mit Münsteraner Krimi-Autorin wie Henrieke Jütting oder auch mit Sandra Lüpkes. Hildegard Vogel bietet einen „Literarischen Herbst“ und das Pendant im Frühjahr an, oder Aktionen wie „Einschließen und Genießen“. Zum Welttag des Buches kamen rund 300 Kinder. Das alles war 2023 den Deutschen Buchhandlungspreis wert. Die Buchhändlerin ist über ihre Arbeit im Stadtteilmarketing in Mecklenbeck verwurzelt und kennt entsprechend viele Kunden. Manche suchen bewusst den Austausch mit ihr. Andere wollen lieber anonym stöbern – die Bandbreite ist groß. Und was liest sie selbst gerade? „‚Für Polina‘ von Takis Würger – die schönste Liebesgeschichte, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.“ Eine besondere Entdeckung ist für sie Sarah Lorenz’ Debüt „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“. „Das Besondere: vor jedem Kapitel ein Gedicht von Mascha Kaléko.“ In ihrer Buchhandlung sind vor allem Belletristik, Krimis sowie Kinder- und Jugendbücher gefragt. „In Mecklenbeck lesen die Eltern noch viel vor – das merke ich an den Verkäufen.“
Buchhandlung Lesezeit
Hildegard Vogel, Dingbängerweg 33, 48163 Münster
lesezeit-muenster.de
Münster Mitte – Schwerpunkt Theologie am Erbdrostenhof
In barocker Nachbarschaft, gegenüber dem Erbdrostenhof, schwingt die Tür unter einem Sandsteintürbogen auf – und wir stehen mitten in einer klassischen Buchhandlung: dicht bestückte Regale, kunstvoll gestapelte Bücher, zwei Holzlehnstühle um einen Tisch. Die Ringold Buchhandlung legt ihren Schwerpunkt auf Theologie (evangelisch/katholisch/ökumenisch). Entsprechend ist die Zusammenarbeit mit der Uni eng. Doch auch Kinder finden ihre Ecke, und für spontane Besucher gibt es Romane und Krimis. 1995 übernahmen Karin Scheffler und Günter Schirmel die Buchhandlung von ihrem Vorgänger, der schließen wollte. „Wir wurden von Kunden gebeten, weiterzumachen“, erinnern sie sich. Also wagten sie den Sprung – und die Kundschaft blieb. Bis heute lebt der Laden von diesen persönlichen Beziehungen. Das zeigt sich auch in den Empfehlungen: Karin Scheffler nennt unter anderem „Das achte Leben“ von Nino Haratischwili – Familienepos, Zeitgeschichte, Stalin-Ära, spannend über 1200 Seiten. Dazu „Die Versuchung von Syrakus“ von Joachim Sartorius, eine poetische Reise durch die geschichtsträchtige Inselstadt. Auch die Kundschaft liegt richtig: „Die Vegetarierin“ von Han Kang war schon bestellt, bevor die Autorin 2024 den Nobelpreis erhielt. Seit zwei, drei Jahren fällt den Inhabern immer wieder der Midas Verlag auf – etwa mit dem prächtigen Bildband „Birds. Die Welt der Vögel“. Und zuletzt noch Karin Schefflers Tipp: „Das blaue Wunder“ von Anne Freytag – „herrlich böse“, wie sie verschmitzt anmerkt.
Ringold Buchhandlung GmbH
Karin Scheffler und Günter Schirmel, Ringoldsgasse 1-2, 48143 Münster
ringold.buchkatalog.de