MÜNSTER! Magazin

Foto: Peter Leßmann

September 2021 N°105


Piazza mit Charme

Zwei Kirchen, zwei Kneipen, ein Platz. Was sich schon fast nach dem typischen Grundriss für ein kleines Dorf anhört, ist tatsächlich der Zuschnitt einer besonders urbanen Ecke mitten in Münsters Innenstadt. Beim Radeln durch die City (wir lieben es!) sind wir hier kürzlich „hängengeblieben“, weil es so schön ist. Jetzt laden wir Sie ein, sich hier mit uns umzusehen.

Text Britta heithoff


Markante Meilensteine der Stadtgeschichte säumen in Münster in Form von historischer Architektur die Straßen. Wir befinden uns quasi im Rücken vom Erbdrostenhof, eines der bedeutendsten Baudenkmäler unserer Stadt, im Auftrag von Erbdroste Adolph Heidenreich Freiherr Droste zu Vischering vom Barockarchitekten Johann Conrad Schlaun in den Jahren 1753 bis 1757 erbaut. Der ehemals als Stadtpalais genutzte Adelshof findet heute vor allem von der Frontseite an der Salzstraße aus Beachtung. Wer aber durch die Loergasse (wir berichteten ausführlich in MÜNSTER! April 2021) Richtung Clemenskirche geht, findet sich auf einer kleinen, entspannten Platzsituation wieder.

 

KLEINOD CLEMENSKIRCHE

Die Clemenskirche, ebenfalls ein Schlaun-Bau und kurz vor dem Erbdrostenhof fertiggestellt, gilt als der bedeutendste barocke Kirchenbau in Norddeutschland. Auffällig ist die Form eines geschwungenen und unregelmäßigen Sechsecks mit Kuppel. Wer die Gelegenheit hat, sollte unbedingt einen Blick in den Innenraum werfen: Rokoko-Elemente bestimmen den Stil, aufwendige Stuckarbeiten und Deckenmalereien strotzen vor Üppigkeit. Die heute frei stehende Kirche befindet sich in einer kleinen, barock angelegten Parkanlage, einer Oase mitten in der Stadt.

ABENDBROTBAR NOENNEKENS

An der Hausecke neben der Clemenskirche ist seit einigen Wochen die Abendbrotbar Noennekens zu finden. Michael Wild und Philipp Becker bieten hier auf der Grundlage von Tollkötters Hausbrot Leckereien mit verheißungsvollen Namen wie Noenneken olé, Noenneken ist’s Wurscht oder Noennekens Milchmädchen an. Dazu ein gutes Glas Wein (Vino? Noenneken sagt nie „no“!) oder etwas Kribbeliges („Noenneken prickelt“) und der Abend wird perfekt. Regionales steht hier im Vordergrund: Mit Hausbrot von Tollkötter, wöchentlich wechselnden Käsesorten von Palczinskis Käsestand und Wurstund Schinkenspezialitäten der Landfleischerei Kemper aus Laer wird es herzhaft lecker. Dazu gibt es marktfrisches, saisonales und vorwiegend regionales Obst und Gemüse. Samstags locken zusätzlich die fabelhaften Torten, Tartes und Kuchen der münsterschen Traditionskonditorei Issel von der Hammer Straße. Dazu schmeckt ein Cappuccino aus den Bohnen der Rösterei Black & Yum aus Telgte und mit Milchschaum aus Vollmilch von Fockenbrocks Hof. Die Noennekens wissen, was schmeckt!

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Sie haben die benachbarten Clemens-Schwestern zu ihren Namensgeberinnen gemacht: Michael Wild und Philipp Becker (von rechts) fanden: „Das Gute liegt so nah!“ Und benannten ihre Abendbrotbar mit dem umgangssprachlichen Begriff für „Nonnen“. Foto: Yakob König
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Die Piazza an der Clemenskirche ist vor allem inspiriert durch die belebten und zugleich entspannten Terrassen von Feldmann (hier im Hintergrund) und Noennekens (vorn).
Foto: Peter Leßmann
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Zum Abendbrot im Abendrot: Es geht doch nichts über eine klassiche Stulle! Und bei Noennekens schmeckt diese richtig gut.
Foto: Peter Leßmann
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An jeder Ecke Außenbestuhlung: Gerade jetzt ist es schön, dass sich die Tische und Stühle auch an Grünflächen und Kirchwände schmiegen dürfen. Die Stadt hat hier seit 2020 vieles ermöglicht. Foto: Peter Leßmann

HOTEL/RESTAURANT FELDMANN

In Sicht- und „Winkweite“ zum neueren Gastro-Spot Noennekens befindet sich ein Klassiker der münsterschen Gastfreundschaft. Das Hotel/Restaurant Feldmann wird hier im liebevoll „Barockviertel' genannten Quartier in inzwischen vierter Generation als Familienbetrieb geführt. Für die Logis an diesem schönen Ort stehen sechs Zimmerkategorien und interessante, individuell zusammengestellte Übernachtungspakete zur Verfügung. Unter dem Motto „Wir lieben gutes Essen“ führen Christian Feldmann und sein Team auch das Restaurant. Die Speisen stehen für modern interpretierte Gerichte auf Basis der klassischen internationalen Küche. Hier leuchten der „Pfirsich- Spritz mit Sekt und Rosmarin“ und der münsterländische Aperitif Amérie ganz herrlich in der Abendsonne, westfälische Klassiker wie etwa hausgemachtes Töttchen munden genau wie etwa das „Vegane Gemüsecurry“. Wir empfehlen übrigens auch den Mittagstisch von Herzen!

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So gemütlich! Erstklassige Speisen und Weine, im Schatten der Clemenskirche bei Feldmann genossen. Foto: Peter Leßman
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Ein sympathischer Klassiker von Format: Hotel/Restaurant Feldmann. Foto: Peter Leßmann
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Wir bekommen schon Appetit: Hier Feldmanns geflämmter schottischer Wildlachs (Wester Ross) mit Buttermilch, Radieschen, Dillöl und Gurke. Köstlich!
Foto: Alexander Friesen
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Christian Feldmann ist ein leidenschaftlicher und sehr vielseitiger Gastgeber. Foto: Thomas Schauder

PIAZZA „CLEMENS“

Das ist sie, die Piazza an der Clemenskirche, die wir (wieder-)entdeckt und schätzen gelernt haben. Richtung Promenade schimmert auch noch die Servatiikirche durchs Blattwerk der alten Bäume: eine der ältesten Kirchen der Stadt und auch für viele Münsteranerinnen und Münsteraner ein eher verborgener Schatz, sehenswert!

HERZLICHE EINLADUNG

Lenken Sie Ihr Rad doch auch demnächst mal hier vorbei oder biegen Sie auf Ihren Wegen per pedes ab Richtung Maria Euthymia Platz. Sehen Sie sich um! Genießen Sie, besuchen Sie die Gastronomie-Teams, bleiben Sie ein Weilchen. Wir wünschen Ihnen viel Freude und Genuss dabei.

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Rund um die Clemenskirche ist es schön! Vielleicht erhaschen Sie auch einen Blick ins Innere. Foto: Peter Leßmann