MÜNSTER! Magazin

Stimmiges Farbkonzept, spannende Karte: Erhaltenes und Erfrischendes verschmelzen im Erbstück. Foto: Britta Heithoff

N°149


Liebevoll verwandelt

Frischer Wind am Schlossplatz 44! Auf der Ecke zur Bäckergasse in direkter Nachbarschaft zum Hörsaalgebäude ist mit dem neuen Lokal Erbstück einiges Vertrautes geblieben und Anderes förmlich wachgeküsst worden …

Text britta heithoff


Hier war zuvor ein Klassiker zuhause: Das Café Malik, jahrzehntelang betrieben von Maria Kraft, versorgte nach dem Umzug von der Frauenstraße hier am Schlossplatz 44 seit 2008 Studierende und Lehrende, Stamm­gäste und gelegentlich auch touristische Laufkundschaft – unter anderem mit selbstgebackenen Nussecken. Als die Institu­tion, die ihren Gästen auch ein Platz zum Lesen sein sollte (und war!), Anfang 2025 schloss, war das Bedauern groß. Und jetzt weht ein frischer Wind durch die Räume, das Erbstück ist da. 

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It‘s all about details – beim Ausschwärmen lieben wir es, Kleinigkeiten zu entdecken. Fotos: Britta Heithoff

Und auch wenn die neue Gas­tronomie der jungen Gründer Julius Roberg , Lars Rüther, Sven Krützmann und Louis Nabbe einen ganz anderen Klang ins Ecklokal bringt: Vieles ist wiederzuerkennen. So etwa die ikonischen Holz-Bänke und die Sandstein-Porträtkapitelle (an die sich die Autorin aus früheren Malik-Besuchen gar nicht erinnert, die erst jetzt so richtig zur Geltung zu kommen scheinen).  

Durch die Farbwahl (das Grün an den Wänden tut den Räumen gut!) und durch mit Auge gewählte Zeichnungen und Plakate an den Wänden, durch neue Beleuchtung und eine eigens von wut-design.de gefertigte Theke ist es den Gestaltern des Erbstücks gelungen, mit Respekt an die Räume eine eigene Handschrift hinein­zubringen. 

Die Speisekarte jedoch spricht eine vollkommen neue Sprache: Im August etwa erzählte sie von „gebräuntem Spitzkohl, Misouvelouté und Ahorn“ oder „Thunfisch Tataki mit sautierten Bohnen und Kimchi Sesam“ als Starter. Weiter lockten „gebratener Kabeljau mit Dashi Beurre Blanc und Estragonöl“, vorab etwa „knuspriger Schweinebauch mit Karotten und Teriyakilack“. Küchenchef Julius Roberg hat bei Spitzner im Oer’schen Hof gelernt. Es sind bewusst nur wenige Gerichte auf der Karte – im Sinne der Qualität. Der „San Sebastián Cheesecake mit Amarena-Kirschen“ befeuerte als Dessert dafür noch ein paar Extra-Aromen, wie uns Gäste im August berichteten.  

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Fotos: Britta Heithoff

Natürlich leuchtet hier auch der Aperol Spritz in der Spätsommersonne der Außengastronomieplätze, aber vielleicht sind Sie mutig und bestellen mal etwas Anderes: „Airmail“ mit weißem Rum, Limette, Honig und Cremant hört sich spannend an und auch die alkoholfreie Frucht-Secco-Kreation mit Apfel und Quitte (aus der Obstkellerei van Nahmen in Hamminkeln).  

Sonntags und montags (11.30–18 Uhr) ist im Erbstück nur Café­be­trieb („Kaffee“ heißt hier auch Pinkus, Radeberger und Bayreuther Hell vom Fass). Dienstags bis samstags geht es inklusive Küche von 11.30 Uhr bis „late“. 

Das Malik ist Geschichte (die Betreiberin ging damals in den wohlverdienten Ruhestand), das Erbstück schreibt die Gastrostory auf neue Weise weiter an diesem prominenten Ort gleich gegenüber dem Schloss. Und was ist unsere Aufgabe, wann immer Neuanfänge in Münster 
(hier und an vielen anderen Orten) gewagt werden? Hingehen, selbst ausprobieren, die Räume und 
Nuancen entdecken, den jungen Gründern und ihren Teams etwas Rückenwind geben durch unser individuelles Interesse. Wir Genießerinnen und Genießer sind nämlich Mitgestalter unserer Stadt, indem wir neue Wege gehen, testen, hinschauen und -schmecken.  

erbstueck-ms.de