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Im ersten Obergeschoss geht man vom weißen Flur durch das currygelbe Ankleidezimmer in ein zartgrünes Schlafzimmer. Die Wandfarbe passte der Architekt den aus gefärbten MDF-Platten gefertigten Möbeln an. Foto: Ulrike Meywald

N°145


IN FARBE GETAUCHT

Das 1888 erbaute Haus im Kreuzviertel ist ein Schmuckstück, das durch den Architekten Simon Weischer den Schliff zum Glanz verliehen bekam. Dafür löste er die kleinteilige Zimmerstruktur zugunsten einer Großzügigkeit auf, die überraschend gemütlich ist.

Text ULRIKE MEYWALD


Der Wunsch des Bauherrenpaares war hier ein Haus, das sowohl für sie allein ein Zuhausegefühl vermittelt, als auch so weitläufig ist, dass die gesamte Großfamilie mit Kindern und Enkeln oder viele Freunde zu Gast sein können. „Deswegen war die Konzeption der Küche ein Herzensthema“, erinnert sich Architekt Simon Weischer. Am mittig platzierten, mit einer dicken Granitplatte ein Statement setzenden Küchenblock stan­den zur Einweihungsfeier ständig 25–30 Gäste. „Genauso war es gewünscht!“, ist er sich sicher. Der Fußboden aus ockerrot-cremefarbenem Schachbrettmuster erinnert an die Geschichte des Hauses. In der früheren Küche, die gerade mal etwa ein Drittel der Größe der heutigen Küche hatte, lag ein Schachbrettfliesenmuster in Schwarz-Weiß. Das passte nicht zum Farbkonzept und natürlich war auch die geflieste Fläche zu klein. „Wir haben für das gesamte Haus ein Moodboard erstellt, sodass alle gewählten Farben innen und außen zusammenpassen“, erläutert Simon. 

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In jedem der drei Stockwerke gibt es einen Raum, der durch besonders starke Farben auffällt. Die Farbe für das Gästezimmer im Dachgeschoss durfte einer der Enkel aussuchen und entschied sich für ein graues Blau. Der Essbereich im leicht erhöhten Erdgeschoss, der Beletage, kleidet sich in Ziegelrot. Fotos: Ulrike Meywald
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Die Küche sollte zum Mittelpunkt des Hauses werden und das ist mit dem schweren Granitblock in der Mitte gelungen. Durch das Moodboard zu Anfang der Umbau­phase konnte Architekt Simon Weischer sicherstellen, dass alle Farben innen und außen gut zusammenpassen. Foto: Ulrike Meywald

Double Drenching 

Dass Farben eine wichtige Rolle spielen, wird spätestens klar, wenn man sich über den Flur von der Küche zur Nische vom Esstisch bewegt. Als würde man eine ockerrote Höhle betreten, verschwimmen hier die Grenzen zwischen wandhängenden Möbeln, Wand- und Decke. Selbst die Sockelleisten sind im gleichen Farbton gestaltet, was man auch als Double Drenching bezeichnet, damit es wie aus einem Guss wirkt. Eine an die Wand gelehnte Baumscheibe stellt eine Verbindung zum Holz des Tisches her. „Als die Hausherrin den Tisch beim Schreiner bestellte, fiel ihr diese Scheibe auf und dem Schreiner ist dies wohl nicht entgangen.“ Das angrenzende Wohnzimmer ist in einem zarten Grau-Grün ebenso durchgängig farbig gestaltet, doch dies ist erst auf den zweiten Blick zu sehen. Auffälliger ist der gerahmte Ausblick in den für Kreuzviertelverhältnisse großzügigen Garten. Flankiert von einer einladenden, tiefen Fensterbank, mit Kissen zum Sitzen, verfügt dieses Fenster über ein vollkommen anderes Format als die anderen im Haus. „Um den Wohnraum zu erweitern und vor allem auch das Haus mit einem zusätzlichen Aufzug barrierefrei zu gestalten, haben wir einen Anbau entworfen, der sich wie ein kleines Haus vor das große schiebt.“ Das kleine Haus erhielt eine Fassade aus schmalem cremefarbenem Klinker mit großformatigen Fenstern, während beim Altbau die alten Fensterformate beibehalten und der taupefarbene Putz angearbeitet wurde. So hebt sich das Neue vom Alten ab, ohne aufdringlich zu sein.  

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Das Wohnzimmer wird zum Baumhaus und zelebriert im Anbau mit zartem Grau-Grün als Wandfarbton den Ausblick ins Grüne. Um diesen großen Auftritt zu unterstützen, wurden optisch leichte Möbel ausgewählt. Foto: Ulrike Meywald
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Damit sich auch innen der An- vom Altbau abhebt, wählte der Architekt unterschiedliche Fensterformate. Im Altbau blieben die ursprünglichen Formate erhalten, das neue „kleine Haus“ erhielt großformatige. Foto: Ulrike Meywald 

Bis in die Spitze 

Durch die Hausform des Anbaus entstand im Obergeschoss ein wunderbares Schlafzimmer mit Luftraum bis in die Spitze. Vom Bett aus fällt der erste Blick durch das großformatige Fenster auf den Baum davor, der zweite geht nach oben, wo zwei Dachflächenfenster einen Ausschnitt des Himmels rahmen. Zu diesem Raum geht man durch eine senfgelbe Welt, das Ankleidezimmer. „Mein Team und ich haben festgestellt, es ist fast egal, welche Farbe man wählt. Das Ergebnis ist immer überwältigend, wenn man den gesamten Raum, wie hier sogar inklusive aller Möbel, in diesem Farbton gestaltet“, erläutert Simon. Damit die Farben passen, wurde der Wandfarbton auf die Möbel abgestimmt. Diese bestehen aus eingefärbten MDF-Platten, für die nur eine kleinere Auswahl an Farben wählbar sind. „Wir haben dann mehrere Probeanstriche gemacht, damit der Wandfarbton dazu passt.“ Im nebengelegenen Badezimmer wurde dagegen Farbe nur sparsam eingesetzt. Lediglich die Muster der Terrazzofliesen haben Farbsprengsel, deren Töne sich ebenfalls an anderer Stelle im Haus wiederfinden. Das Gästezimmer des ersten Stockwerks ist komplett in Altrosa gestaltet. Zusammen mit dem Ausblick auf das mit hellen Elementen verzierte Klinkermauerwerk der älteren Häuser gegenüber entsteht ein stimmiges Gesamtbild.

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Die Spitze des Anbaus, in Form eines weiteren Hauses, verschwindet in der Baumkrone. Um sich anzupassen und gleichzeitig abzuheben vom verputzten Altbau, wurde ein heller schmaler Klinker ausgewählt (links). Vom Bett aus entweder durch die Dach­flächenfenster in den Sternenhimmel oder bei Tag in die Baumkronen schauen zu können, macht dieses Schlafzimmer zu einem ganz besonderen Raum (rechts). Fotos: Ulrike Meywald
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Wenn es sein Haus wäre, würde Simon Weischer sicher meistens auf der breiten Fensterbank des Wohnzimmers sitzen und den Blick in den weitläufigen Kreuzviertelgarten genießen. Foto: Ulrike Meywald

Das alte Haus verfügt über ein Stockwerk mehr als der Anbau. Hier verbirgt sich neben einem weiteren komplett blau-grauen Gästezimmer der kleine Wellnessbereich mit besonderer Sauna. Diese befindet sich im Spitzgiebel und bietet durch ein Sprossenfenster einen Ausblick in den Garten oder die weiter entfernten Promenadenbäume. Den Farbton des Gästezimmers durfte einer der Enkel wählen (Seite 73). Mit seiner Leuchte aus weißen Federn meint man, im Himmel zu sein, wo gerade eine Wolke vorbeischwebt. Hier fühlen sich sichtbar alle wohl, das Bauherrenpaar genauso wie ihre Gäste. 

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Vom currygelben Ankleidezimmer geht es im Obergeschoss in das farblich zurück­haltend gestaltete Bad mit Terrazzofliesen, deren Farben die des Hauses aufgreifen (links). Das Gästezimmer des ersten Stockwerks ist komplett in Altrosa gestaltet (rechts). Fotos: Ulrike Meywald
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Die kleine feine Sauna im Spitzgiebel ist schon deswegen besonders, weil man, wie vom Schlafzimmer aus, ins Grüne blicken kann. Foto: Ulrike Meywald